RUMMELSBURG. Obwohl Vattenfall seine überarbeiteten Pläne für ein neues Kraftwerk noch nicht vorgelegt hat, wird in Lichtenberg weiter darüber debattiert. Man will kein großes Kraftwerk, das die Gegend verschandelt und die Luft belastet. Die Bezirksverordneten haben das Bezirksamt aufgefordert dafür zu sorgen, dass ein neues Kraftwerk nicht höher als 35 Meter werden darf. Das soll ein Bebauungsplan festschreiben, an den sich der Bauherr halten muss. "Wir wollen nicht, dass Vattenfall einen 140 Meter hohen Kühlturm baut", sagt Michael Grunst (Linke), Vorsitzender des Umweltausschusses. Am besten wäre, wenn nur ein Heizkraftwerk entstünde - dann sei auch kein Kühlturm nötig. "Wir wollen einen Ersatzbau für das alte Werk, aber kein überdimensioniertes neues Werk."2007 waren Pläne des schwedischen Stromriesen Vattenfall bekannt geworden, das alte Kraftwerk Klingenberg durch ein leistungsstärkeres zu ersetzen. Das hatte im Senat und im Bezirk für Proteste gesorgt. Kritisiert werden vor allem die hohe Leistung des Werks und der damit verbundene höhere Kohlendioxid-Ausstoß und der vorgesehene, 140 Meter hohe Kühlturm. Im vergangenen Jahr hatte Vattenfall schließlich angekündigt, seine Pläne überarbeiten zu wollen.Darauf wartet man nun im Bezirk. "Es wäre gut, wenn sich Vattenfall endlich äußert", sagt Baustadtrat Andreas Geisel (SPD). Erst wenn er die Vorstellungen des Energiekonzerns kenne, könne der Bezirk erklären, was machbar sei und was nicht. Rein rechtlich ist die Sache klar: "Wir dürfen keinen Bebauungsplan aufstellen, nur um etwas zu verhindern." Er könne nicht ermessen, ob ein 35 Meter hohes Kraftwerk überhaupt zu betreiben ginge. So eine Vorgabe müsse zudem gerichtsfest sein. "Wie soll ich begründen, dass ein Werk nur 35 Meter hoch sein darf, wenn auf dem Gelände seit Jahrzehnten riesige Schornsteine stehen?" Geisel fordert Vattenfall auf, endlich die überarbeiteten Pläne vorzulegen. Umweltausschuss-Vorsitzender Grunst kritisierte den Stadtrat. Der Bezirk hätte längst entscheiden können, was Vattenfall bauen darf. "Und wenn ich die Fachkompetenz dafür allein nicht habe, muss ich mir die von außen holen."Vattenfall-Sprecher Olaf Weidner erklärte, sein Unternehmen werde sich im März äußern. Dass in Rummelsburg neu gebaut wird, sei keineswegs beschlossen. "Auch von einem 140 Meter hohen Kühlturm war von unserer Seite nie die Rede."Baustadtrat Geisel will in den kommenden zwei Wochen alle Beteiligten - Senat, Nachbarbezirke und Bürgerinitiative - zu einem Gespräch einladen. Dabei soll das weitere gemeinsame Vorgehen abgesprochen werden.------------------------------Stromerzeuger seit 81 JahrenIm Jahr 1927 nahm das Kraftwerk Klingenberg im Lichtenberger Ortsteil Rummelsburg seinen Betrieb auf. Das mit Kohlenstaub betriebene Kraftwerk war damals das größte und modernste seiner Art in Europa. Benannt wurde es nach seinem Entwickler Georg Klingenberg.Die Anlage hatte acht gemauerte, 70 Meter hohe Schornsteine. Diese wurden in den 70er-Jahren durch zwei 146 und 169 Meter hohe Stahlbeton-Schornsteine ersetzt.Im März 2007 wurden Pläne des Betreibers Vattenfall bekannt, in Rummelsburg ein neues, leistungsstärkeres Kraftwerk auf Steinkohlebasis und einen 140 Meter hohen Kühlturm zu bauen - was Proteste hervorrief. Neue Pläne hat Vattenfall noch nicht vorgelegt.------------------------------Grafik: Das neue Kraftwerk soll neben dem alten entstehen.------------------------------Foto: 200 000 Haushalte bekommen von Klingenberg Strom und Wärme. Vattenfall will neu bauen. Oder auch nicht.
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