Seit Januar gabe es 49 Brandanschläge auf Autos, doch Kreuzberg bleibt gelassen

"Ich mache mir keine Sorgen"

Daniel Baumann
3 Min

Wieder haben Autos gebrannt: In der Nacht zu gestern steckten Unbekannte in der Lichtenberger Straße in Friedrichshain um 4.40 Uhr einen Mercedes Vito in Brand. An der Skalitzer Straße brannte gegen 5.20 Uhr ein Mercedes der C-Klasse aus. Damit gab es seit Jahresbeginn inzwischen bereits 54 Brandanschläge. In 49 Fällen davon brannten Autos, und das vor allem in Friedrichshain und Kreuzberg. Die Polizei vermutet, dass sich Autonome im Vorfeld des G8-Gipfels Anfang Juni in Heiligendamm einen Wettbewerb darin liefern, in welcher Stadt die meisten Straftaten mit G8-Bezug verübt werden.Viele Kreuzberger halten die illegalen Aktionen der autonomen Szene für verfehlt, bleiben aber gelassen. "Wer das Eigentum der Menschen zerstört, der kann nicht ihre Herzen gewinnen", sagt etwa Marlies Schönebach, die in der Muskauer Straße wohnt. Die autonome Szene sei isoliert, sagt Nachbarin Sylvia Oberhofer. "Ich halte das für eine kindische Form des politischen Protests." Aber auf die Autonomen werde im Bezirk sowieso nicht mehr gehört, die hätten an Einfluss verloren. Als Anwohner warte man ab, bis sich die Proteste wieder legen.Um ihre Fahrzeuge haben die meisten keine Angst. Was vielleicht daran liegt, dass sie keine teuren Autos fahren. "So lange die nur teure Wagen abfackeln, mache ich mir keine Sorgen und parke nicht extra woanders", sagt ein 30-Jähriger, der einen neuen VW-Golf fährt. An brennende Autos sei man in Kreuzberg ja gewöhnt. Sollte sein Auto doch mal brennen, hofft er auf die Versicherung. Und das, obwohl in der Versicherungsbranche nicht geklärt ist, ob der Schaden in jedem Fall bezahlt wird.Peter Hahnenkamm fährt BMW und ist da schon besorgter. Er stellt zwar sein Auto jeden Abend noch in der Eisenbahnstraße ab, gibt aber zu, dass ihm nicht ganz wohl dabei ist. Einige seiner Nachbarn hätten sich einen Platz in einer Tiefgarage in der Nähe gesucht, sagt er. Er will das noch nicht. "Wir wollen uns von den Autonomen doch nicht gängeln lassen", sagt er. "Erst wenn noch mehr Autos brennen sollten, werde ich mir überlegen, für mehr Sicherheit zu sorgen."Auch der Besitzer eines Internetcafés in der Wrangelstraße und eines Mercedes der S-Klasse will noch abwarten. Momentan parkt er sein Auto noch nachts vor seiner Kreuzberger Wohnung. "Wenn die Zahl der Brandanschläge zu stark zunimmt, will ich das Auto bei meinen Eltern in die Garage stellen", sagt er.Es gibt allerdings auch einige wenige, die für die Aktionen der Autonomen Verständnis haben, mehr noch, die das gut finden. Falk Engeler etwa sagt, dass es in den letzten Jahren insgesamt zwar viel friedlicher geworden sei im Kiez. Allerdings müsse doch mal auf den Demokratieabbau und die Spaltung der Gesellschaft durch die Globalisierung hingewiesen werden. Engeler findet es deshalb "ganz in Ordnung", dass Autos als Protest gegen den G8-Gipfel angezündet werden. Er selbst fährt Opel Astra. Eine Frau sagt, dass durch das Anstecken von teuren Autos ein Zeichen gegen den Kapitalismus gesetzt werde. "Dass die Reichen mal drankommen, weil sie von der Globalisierung profitieren, ist gut." Sie hat kein Auto.------------------------------Foto: Anschlag in Kreuzberg: Gestern Morgen brannte dieser Mercedes.

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