Selbsterhaltungstrieb bestimmt Irans Kurs

Martina Doering
3 Min

Die iranische Führung weicht keinen Zentimeter zurück. So lässt sie den Kompromissvorschlag der Internationalen Atomenergiebehörde zur Urananreicherung im Ausland ins Leere laufen. Zudem werden die Prozesse gegen die Mitglieder der Protestbewegung fortgesetzt, die sich nach dem umstrittenen Wahlsieg von Präsident Ahmadinedschad formiert hatte. Und am Sonntag begann die bisher größte Luftverteidigungsübung, bei der die Streitkräfte fünf Tage lang die Abwehr von Luftangriffen auf Atomanlagen proben.Mit diesem Verhalten scheint die iranische Führung all jenen im Westen und in Israel recht zu geben, die Verhandlungen mit dem Iran für Zeitverschwendung halten und das Regime als Bedrohung für den Westen und vor allem den jüdischen Staat sehen. Ihr Fazit: Der Iran kann nur durch verschärfte Sanktionen domestiziert und eine iranische Atombombe letztlich nur durch die Bombardierung seiner Nuklearanlagen verhindert werden.Die Vertreter dieser Meinung provozieren das, was sie angeblich verhindern wollen: eine Eskalation und damit eine Gefahr für den Frieden und besonders für Israel. Dabei lassen sie die Gründe für das Verhalten des Iran völlig außer Acht und entziehen Verhandlungen - ob über den Atomstreit oder eine Normalisierung der Beziehungen mit den USA - jegliche Grundlage. Solche Verhandlungen können aber nur Erfolg haben, wenn man die Positionen und Befürchtungen des anderen kennt.Aus der Sicht Teherans ist die Lage des Landes bedrohlich. Die USA haben den Iran militärisch fest umklammert, ihre Truppen sind in Afghanistan und im Irak stationiert, am Persischen Golf und im Indischen Ozean. Die US-Verbündeten in Irans unmittelbarer Nähe, also Pakistan, Indien und Israel, besitzen Atomwaffen. Im Oktober haben amerikanisch-israelische Truppen bei einem Manöver Attacken sowie die Abwehr von iranischen Vergeltungsschlägen geprobt. Fast keine Woche vergeht ohne Meldungen, dass die israelische Armee oder US-Generale Angriffspläne gegen den Iran ausarbeiten. Die Erfahrung der jüngsten Zeit lehrte Teheran außerdem, dass für Renitenz nur der bestraft wird, der keine Atomwaffen hat: Nordkorea bleibt verschont, das Regime im Irak wurde gestürzt. Und mit Schrecken erinnert man sich in Teheran an den achtjährigen Krieg mit dem Irak. Der Westen unterstützte den Aggressor Saddam Hussein, der Iran stand allein. Das war eine Erfahrung, die Teheran nie wieder machen will.Nun mag zwar auch ein Verbrecher für seine Taten Gründe haben - was ihn nicht von Schuld freispricht. Aber im Fall des Iran gibt es erstens keinen Beweis, dass das Land die Bombe will oder baut. Zweitens ist auch kein Motiv zu erkennen, warum die iranische Führung diese Bombe einsetzen sollte - angesichts der militärischen Verhältnisse in der Region. Es sei denn, sie wollte sich und das Land auslöschen. Dass gerade der Suizid-Gedanke diesem Regime jedoch völlig fern liegt, zeigt sein Wille zum Machterhalt, den es aktuell gegenüber den Grünen Revolutionären demonstriert.Diese bedrängten Oppositionellen wiederum bitten den Westen, weder die Sanktionen zu verschärfen noch den Iran anzugreifen. Sanktionsdruck und die Drohungen brachten Ahmadinedschad ins Präsidentenamt; sie dienen dem Regime als Vorwand, die Opposition auszuschalten und sie bei vielen Iranern zu diskreditieren.

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