Nach einem Drohnenangriff ist auf dem Gelände einer Ölraffinerie in der russischen Region Rjasan ein Feuer ausgebrochen. Das teilte Gouverneur Pawel Malkow am Donnerstag nach Angaben der Nachrichtenagentur Interfax mit. Die Region sei in der Nacht und am Morgen massiv mit Drohnen angegriffen worden. Nach vorläufigen Informationen gebe es keine Verletzten. Das Ausmaß der Schäden werde noch geprüft.
Auf dem Gelände eines weiteren Unternehmens in Rjasan seien zudem ein Lager und Fahrzeuge beschädigt worden, erklärte Malkow. Einsatzkräfte seien vor Ort. Wegen der Angriffe wurde in Teilen der Stadt der Unterricht an Schulen und der Betrieb von Kindergärten abgesagt.
Die Raffinerie gehört zum russischen Ölkonzern Rosneft und versorgt unter anderem Moskau mit Treibstoff. Nach Angaben von Reuters entfallen auf sie knapp fünf Prozent der russischen Ölverarbeitung. Die Anlage ist in den vergangenen Monaten mehrfach mit Drohnen angegriffen worden.
Selenskyj will Angriffe wieder aufnehmen
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hatte zuvor angekündigt, russische Raffinerien wieder angreifen zu lassen. In einem am Donnerstag veröffentlichten Interview mit der Financial Times erklärte er, die Ukraine habe Angriffe auf Energieziele auf Wunsch der USA drei Tage lang ausgesetzt. Russland habe seine Angriffe auf ukrainische Energieinfrastruktur jedoch fortgesetzt. Deshalb werde Kiew die Schläge wieder aufnehmen. „Die Beschränkung für Angriffe auf Raffinerien ist aufgehoben. Für uns ist Schluss damit“, sagte er dem Blatt.
US-Präsident Donald Trump hatte am Sonntag verkündet, Russland und die Ukraine hätten sich auf eine Feuerpause für Angriffe auf Energieanlagen verständigt. Eine entsprechende Vereinbarung wurde von keiner der beiden Kriegsparteien bestätigt. Bei dem Angriff vom Donnerstag handelt es sich offenbar um den ersten ukrainischen Schlag gegen eine russische Energieanlage seit Trumps Ankündigung.
Eine ukrainische Bestätigung in Bezug auf den Angriff auf Rjasan lag zunächst nicht vor. Auch war zunächst unklar, welche Teile der Raffinerie betroffen sind und ob die Produktion eingeschränkt werden muss.
Widersprüchliche Angaben zu früheren Angriffen
Bereits am Mittwoch hatte Russlands Vize-Regierungschef Alexander Nowak behauptet, ukrainische Drohnen hätten Raffinerien in den Regionen Saratow und Rjasan angegriffen. Kiew wies dies ausdrücklich zurück, wie der Branchendienst S&P Global berichtete. Selenskyjs Kommunikationsberater Dmytro Lytwyn erklärte demnach, die ukrainischen Streitkräfte hätten an diesem Tag keine russischen Raffinerien ins Visier genommen. Die zuständigen Gouverneure hatten für Mittwoch keine Schäden an den Raffinerien gemeldet.
Nach dem Bericht von S&P Global erklärte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch, die von Washington vorgeschlagene Energie-Feuerpause sei nicht im Detail ausgearbeitet worden. Daher könne man Russland nicht vorwerfen, sie zu verletzen.
Spannungen zwischen Ukraine und USA
Das Verhältnis zwischen Kiew und Washington hat sich zuletzt deutlich verschlechtert. Trump hat Sanktionen gegen russischen Diesel vorübergehend gelockert. Selenskyj kritisiert, dass Moskau dadurch zusätzliche Einnahmen erhalte, während Russland weiter ukrainische Energieanlagen angreife. Derweil forderte Trump einen Machtwechsel in Kiew.
Für zusätzliche Spannungen sorgen Einschränkungen der Satellitenkommunikation und die Sorge vor einer Kürzung der US-Geheimdiensthilfe.
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