Wie minutiös westliche Korrespondenten, aber auch Fernseh- und Radiosender der Bundesrepublik vom Ministerium für Staatssicherheit (MfS) beobachtet wurden, belegt die jüngst vorgestellte FU-Studie, die im Auftrag der ARD entstand. Die Untersuchung zeigt zugleich, dass die Einflüsse auf die Berichterstattung minimal blieben. Für die ARD bot es sich an, die umfangreiche Untersuchung filmisch zu unterfüttern. "Operation Fernsehen" wurde eine Dokumentation überschrieben, die am Mittwoch und Donnerstag zu sehen war und das Niveau der Studie leider nicht erreichte. Draußen vor der TürSo erfreulich der Befund für die ARD ist, dass die MfS-Strategien im Grunde gescheitert sind - Anlass zu Häme, wie sie die Dokumentaristen an den Tag legten, besteht eigentlich nicht. Denn das Material wie auch die Aussagen der ehemaligen ARD-Korrespondenten von Lothar Loewe über Fritz Pleitgen bis zu Hans-Jürgen Börner gaben dies nicht her. Eher nüchtern referierten diese den Journalisten-Alltag in Ost-Berlin, die skurrilen und bizarren Details der permanenten Aufsicht durch das MfS inclusive. Zurückhaltend und unaufgeregt, aber durchaus betroffen äußerten sich auch jene Redakteure, die in den Funkhäusern zwischen Hamburg und Saarbrücken unfreiwillig mit Informellen Mitarbeitern des MfS zusammenarbeiteten. Was Friederike Pohlmann, Tilman Jens und Tom Ockers aus der Materiallage machten, verriet hingegen wenig Souveränität im Umgang mit Zeitgeschichte. Zum enervierenden Klangteppich von Michael Stöckemann gaben sie den Part daueraufgeregter Rechercheure, die sich mit laufender Kamera vor den Wohnungstüren ehemaliger MfS-Mitarbeiter postierten, um dann bei diesen zu klingeln und durch den Türspalt ein Interview einzufordern. Meist bekamen sie keine Antwort. Was vielleicht nicht anders zu erwarten war. Für die Autoren der Dokumentation waren solche Momente aber vor allem ein Anlass, sich als sarkastische Kommentatoren zu profilieren. Wie sie sich überhaupt darin gefielen, jenen ehemaligen MfS-Leuten, die sich doch zum Gespräch bereit gefunden hatten, Verhaltensnoten zu erteilen. Peinliche SelbstverliebtheitÜber die peinliche Selbstverliebtheit der Autoren gerieten leider die Einordnung des Materials und die differenziertere Darstellung völlig aus dem Blick. Denn zur Inszenierung eines klassischen Stücks über wenige Helden und viele Schurken taugt dieses Stück Zeitgeschichte kaum. Es waren bekanntermaßen nicht nur "West-Korrespondenten, die dem Mielke-Geheimdienst die Stirn boten", wenn sie über die Opposition in der DDR berichteten, wie die Dokumentation suggerierte. Schließlich waren es doch Bürgerrechtler, die für Demokratie und Meinungsfreiheit auf die Straße gingen und den Korrespondenten den Stoff für ihre Reportagen lieferten. Selbstredend zählte auch das Fälschen von Dokumenten oder die Versuche, mittels geheimdienstlicher Mittel die Presse zu beeinflussen - zumal in Zeiten des Ost-West-Blockdenkens - nicht allein zu den Methoden des MfS. Dies und vieles andere nicht im historischen Kontext zu berücksichtigen und zu relativieren, gehörte zu den gravierenden Versäumnissen dieses Zweiteilers, der offenbar vor allem dem Auftraggeber, der ARD, gefallen wollte. Als Erkenntnis bleibt da allenfalls, dass der Kalte Krieg in den Köpfen noch lange nicht vorbei ist. Denn mit Pamphletismus ist einer Aufarbeitung der Verbrechen des MfS nicht beizukommen.
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