Senat verweigert Zulassung des Spielbetriebs / 250 neue Jobs

Öko-Lotterie will Zentrale in der Hauptstadt aufbauen

Thomas H. Wendel
3 Min

BERLIN, 30. Januar. Die Zentrale der künftigen "Deutschen Postcodelotterie" der Umwelt- und Entwicklungshilfeverbände soll nach Willen der Trägerorganisation möglichst in Berlin errichtet werden. Damit würden in der Hauptstadt 250 Arbeitsplätze entstehen. Das kündigte der Projektleiter der Arbeitsgemeinschaft Neue Bundeslotterie für Umwelt und Entwicklung, Udo Weiss, im Gespräch mit der "Berliner Zeitung" an. "Wir halten Berlin für einen geeigneten Standort", sagte der Öko-Lotterie-Projektleiter. Eine Entscheidung zu Gunsten der Bundeshauptstadt hänge aber davon ab, "wie schnell" die Landesregierung ihren Widerstand gegen eine Zulassung der Öko-Lotterie in Berlin aufgebe.Bundesländer verklagtDie Arbeitsgemeinschaft Neue Bundeslotterie versucht seit 1995, in allen Bundesländern die Genehmigung für die Veranstaltung einer gemeinnützigen Lotterie zu erhalten. Hinter dem Projekt stehen die größten Umwelt- und Entwicklungshilfeverbände Deutschlands. Dazu gehören der Bund für Umwelt- und Naturschutz (BUND), Greenpeace, der Naturschutzbund, der World Wildlife Fund, das UN-Kinderhilfswerk Unicef, Terre des Hommes, die Deutsche Welthungerhilfe und Misereor.Nach einer ersten Genehmigung durch das Land Niedersachsen hatte vergangene Woche das Verwaltungsgericht München die Bayrische Staatsregierung dazu verurteilt, die Deutsche Postcodelotterie zu genehmigen. Bayern hatte zuvor - wie viele andere Bundesländer auch - eine Genehmigung mit Hinweis darauf verweigert, dass die neue Lotterie angeblich den Spieltrieb der Bevölkerung anheize. Das Argument hatte jedoch vor Gericht keinen Bestand, da die landeseigene Toto-Lotto-Gesellschaft - ähnlich jener Berlins - massiv für das eigene Glücksspielgeschäft wirbt."Damit fällt es jetzt allen übrigen Ländern noch schwerer, uns eine Genehmigung vorzuenthalten", erklärte Weiss. Es sei ein Skandal, dass die namhaftesten gemeinnützigen Organisationen Deutschlands ihr Recht auf Veranstaltung einer Lotterie "auf dem Gerichtswege durchkämpfen" müssten."Politische Verfilzung"Die ausstehenden Genehmigungen würden nur von der "politischen Verfilzung" der Landesregierungen mit den jeweiligen Lottogesellschaften zeugen, erklärte Weiss weiter. Nach Ansicht des Lotterie-Aufbauleiters wolle sich die Berliner Finanzverwaltung - wie in anderen Ländern auch - mit der zögerlichen Genehmigungspraxis nur Konkurrenz für die landeseigene Lotterie vom Leibe halten.Die Deutsche Postcodelotterie will im Sommer starten. Im ersten Geschäftsjahr rechnen die Veranstalter mit Loseinnahmen von bis zu 300 Millionen Mark (153 Millionen Euro). Wie bei dem erfolgreichen niederländischen Umwelt-Lotterie-Vorbild "Nationale Postcode Lotterij" sollen TV-Shows in Privatsendern die Auslosungen begleiten. Die niederländische Veranstalterfirma Nova Media soll die deutsche Lotterie abwickeln. Bisher verfügt Nova Media über ein Büro in Köln. Die Stadt gilt als ärgster Rivale Berlins in Sachen Standort für die Zentrale der Postcodelotterie. Weiss bestätigte Informationen der "Berliner Zeitung", nach denen die Potsdamer UFA Fernsehproduktion GmbH bereits mit Nova Media in Gesprächen über die Produktion einer deutschen Postcodelotterie-Fernsehshow ist. Der Berliner Wirtschaftssenat wollte die mögliche Standortentscheidung für Berlin nicht kommentieren. Es gebe noch keine offizielle Anfrage der Umweltlotterie beim Senat, erklärte Sprecher Michael Wehran.ROY BEUSKER Umweltlotterie-Fernsehshows wie die der niederländischen Postcode Lotterij werden demnächst vielleicht auch in Potsdam-Babelsberg produziert.

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