Rüstungskooperation

Munition, Drohnen, Geheimdaten: Wie Serbien zu Israels stillem Waffenpartner wird

Belgrads Waffenexporte nach Israel stiegen 2025 auf 114 Millionen Euro. Nun planen beide Länder eine Drohnenfabrik und vertiefen den Austausch geheimer Militärdaten.

5 Min
Israels Präsident Isaac Herzog und Serbiens Präsident Aleksandar Vucic bei einem Treffen in Belgrad.

Israels Präsident Isaac Herzog und Serbiens Präsident Aleksandar Vucic bei einem Treffen in Belgrad.

© Amir Hamzagic/imago

Serbien entwickelt sich zu einem der wichtigsten europäischen Rüstungspartner Israels. Seit Beginn des Gaza-Krieges sind die Waffenlieferungen aus dem Balkanland sprunghaft gestiegen. Parallel kauft Belgrad israelische Drohnen, Raketenwerfer und Systeme zur elektronischen Kriegsführung. Nun wollen beide Staaten auch gemeinsam Kampfdrohnen auf serbischem Boden produzieren.

Die Annäherung beschränkt sich längst nicht mehr auf einzelne Geschäfte. Die Regierungen haben einen strategischen Dialog begonnen und ein Abkommen über den Austausch und den Schutz geheimer Informationen im Verteidigungsbereich vorbereitet. Serbiens Außenminister Marko Djuric erklärte nach Gesprächen in Jerusalem Ende April, die Beziehungen seien auf die Ebene einer „strategischen Partnerschaft“ gehoben worden.

Serbien liefert Israel Waffen für 114 Millionen Euro

Besonders deutlich zeigt sich die Entwicklung bei den serbischen Waffenexporten. Nach Auswertungen von Haaretz und dem Balkan Investigative Reporting Network, kurz BIRN, lieferte Serbien 2025 Rüstungsgüter im Wert von 114 Millionen Euro nach Israel. Das waren 140 Prozent mehr als im Vorjahr. Gegenüber 2023 soll sich der Wert der Lieferungen mehr als vervierzigfacht haben.

Offene Flugdaten zeigen demnach 38 Frachtflüge von Serbien nach Israel im vergangenen Jahr, doppelt so viele wie 2024. Welche Waffen und Munitionsarten vollständig an Bord waren, ist wegen der Geheimhaltung nicht öffentlich bekannt. Serbien ist allerdings ein bedeutender Hersteller von Artillerie- und Infanteriemunition.

Die Lieferungen hatten bereits unmittelbar nach dem Hamas-Angriff vom 7. Oktober 2023 begonnen. Bis Juni 2024 exportierte Serbien nach Recherchen von BIRN und Haaretz Waffen im Wert von 16,3 Millionen Euro nach Israel. Die Journalisten identifizierten sieben Flüge der israelischen Luftwaffe aus Belgrad. Vor dem Krieg hatten die serbischen Exporte nach Israel nur einen Bruchteil dieser Summe erreicht.

Benjamin Netanjahu dankte dem serbischen Präsidenten Aleksandar Vucic im Februar 2024 öffentlich für dessen „unerschütterliche Unterstützung in Wort und Tat“. Er bezeichnete ihn als „wahren Freund Israels“.

Serbien und Israel wollen gemeinsam Kampfdrohnen bauen

Inzwischen geht die Zusammenarbeit weit über serbische Lieferungen nach Israel hinaus. Vucic kündigte im April an, sein Land werde gemeinsam mit Israel Kampfdrohnen herstellen. Serbien könne solche Systeme bislang nicht auf dem Niveau Israels bauen, sagte der Präsident. Durch die Kooperation werde das Land jedoch „die besten Drohnen in diesem Teil der Welt“ erhalten.

Als Partner gilt der staatliche serbische Rüstungskonzern Yugoimport SDPR und der israelische Hersteller Elbit Systems. Vucic sprach von einem Gemeinschaftsunternehmen, an dem beide Seiten jeweils zur Hälfte beteiligt sein sollen. Nach Informationen von BIRN soll Elbit allerdings 51 Prozent der künftigen Fabrik halten. Ein Zeitplan für den Produktionsstart und die Höhe der Investitionen wurden bislang nicht öffentlich genannt.

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Eine Hermes-900-Drohne des israelischen Rüstungskonzerns Elbit Systems. Serbien hat Systeme dieses Typs bestellt.

Eine Hermes-900-Drohne des israelischen Rüstungskonzerns Elbit Systems. Serbien hat Systeme dieses Typs bestellt.

© Sergey Kohl/imago

Die geplante Fabrik ist Teil einer deutlich größeren Aufrüstung. Bereits Anfang 2025 kaufte Serbien bei Elbit PULS-Raketenwerfer und Hermes-900-Drohnen im Wert von rund 335 Millionen US-Dollar. Im August folgte nach Reuters-Informationen ein weiteres Paket über rund 1,6 Milliarden US-Dollar. Es umfasst unter anderem Langstreckenraketen, Drohnen und Technik zur elektronischen Kriegsführung.

Neues Abkommen ermöglicht Austausch geheimer Militärdaten

Ende April erreichte die Kooperation auch eine neue institutionelle Ebene. Der Verteidigungsausschuss des serbischen Parlaments befasste sich mit einem Abkommen zwischen den Verteidigungsministerien beider Länder. Es regelt den Austausch und den gegenseitigen Schutz klassifizierter Informationen im Verteidigungsbereich.

Bemerkenswert ist, dass der Ausschuss einer vorläufigen Anwendung zustimmen sollte, noch bevor das Abkommen vollständig in Kraft tritt. Damit können beide Seiten bei Rüstungsprojekten und anderen vertraulichen Vorhaben bereits geschützte Informationen austauschen.

Zeitgleich starteten Serbien und Israel ihren ersten strategischen Dialog. Belgrad nennt Verteidigung, Wirtschaft, künstliche Intelligenz, Technologie und Bildung als zentrale Felder der künftigen Zusammenarbeit. Auch eine Freihandelsvereinbarung wird geprüft.

Israel hilft Serbien bei der Abkehr von alter Sowjet-Technik

Für Serbien bietet die Zusammenarbeit einen Zugang zu moderner Drohnen-, Raketen- und Aufklärungstechnik. Ein großer Teil der serbischen Streitkräfte basiert noch auf sowjetischen oder jugoslawischen Systemen. Belgrad kauft inzwischen zugleich in Israel, China und westeuropäischen Staaten ein. Frankreich liefert zwölf Rafale-Kampfjets, während chinesische Hersteller Flugabwehrsysteme und Drohnen bereitstellen.

Damit versucht Vucic, die militärische Abhängigkeit von Russland zu verringern, ohne die traditionell engen Beziehungen zu Moskau aufzugeben. Serbien hält offiziell an seiner militärischen Neutralität fest, strebt aber weiterhin einen Beitritt zur Europäischen Union an und arbeitet zugleich mit der Nato zusammen.

Für Israel wiederum schafft Serbien einen zusätzlichen Lieferanten für Munition und einen Produktionsstandort in Europa. Die Kooperation verringert zumindest teilweise die Abhängigkeit von einzelnen großen Waffenlieferanten und eröffnet israelischen Herstellern Zugang zur serbischen Rüstungsindustrie.

UN-Berichterstatterin kritisiert Serbiens Waffenlieferungen

Die Zusammenarbeit löst auch Kritik aus. Die UN-Sonderberichterstatterin für die besetzten palästinensischen Gebiete, Francesca Albanese, warf der serbischen Führung bei einem Besuch in Belgrad vor, „ohne Scham“ mit Israel zusammenzuarbeiten und militärisches Material bereitzustellen. Albanese spricht in ihrer Funktion als unabhängige Berichterstatterin, nicht im Namen der Vereinten Nationen insgesamt.

Das serbische Außenministerium wies die Äußerungen als „unausgewogen und aktivistisch“ zurück. Albanese greife unzulässig in innere Angelegenheiten ein. Serbien betreibe eine souveräne Außenpolitik und unterhalte Beziehungen sowohl zu Israel als auch zu Staaten der arabischen Welt, erklärte das Ministerium.

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