Der deutsche Deutungsbetrieb ist schnell mit großen Etiketten zur Hand. Kaum hat die serbische Studentenliste den Machtblock Aleksandar Vučićs bei der Parlamentswahl geschlagen, wird daraus eine links-progressive, EU-freundliche Revolution.
Man sieht vermeintlich das vertraute Wunschprogramm: Klimaschutz, offene Grenzen, Umverteilung, Palästina- und Ukraine-Solidarität, Pro-EU – diesmal mit Balkan-Kulisse. Grünen-Politikerin Katrin Göring-Eckardt schrieb etwa auf X: „Serbien und Brasilien zeigen uns: Die Freiheit bricht sich Bahn.“ Merz und von der Leyen feierten den vermeintlich proeuropäischen Wahlsieg. Das Problem: Serbiens Wirklichkeit hält sich nicht an die Fantasie.
Am Sonntag gewann die studentisch getragene Liste „Studenti pobeđuju“ die Parlamentswahl. Vučić räumte die Niederlage seines Bündnisses ein. Nach fast vollständiger Auszählung kam die Studentenliste laut Reuters auf 52,7 Prozent und 139 der 250 Sitze. Vučićs Bündnis erhielt 39,2 Prozent. Ein politischer Einschnitt in Belgrad – aber kein Linksruck.
Balkan
Serbien: Studenten besiegen Vučić – warum das kein linker Triumph ist
Serbiens Studenten sind patriotisch und christlich. Ihr Wahlsieg ist keine linke Revolution. Bei Russland, Kosovo und dem EU-Kurs widersprechen sie Brüssel.
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Party in Rot, Blau und Weiß: Entgegen häufiger Darstellungen ist die siegreiche Studentenpartei in Belgrad kein links-progressives Lager.
© Alexander Ryumin/imago
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