Nach mehr als 200 Tagen auf See hat der US-Flugzeugträger „USS Abraham Lincoln“ Thailand erreicht. Der Besuch der Kampfgruppe sorgt vor allem in Pattaya für hohe Erwartungen: Rund 5.000 Seeleute und Marineinfanteristen sollen während ihres Landgangs Geld in Hotels, Restaurants, Bars und Geschäften ausgeben. Gleichzeitig reagiert die Polizei mit verstärkten Kontrollen gegen Prostitution und Sextourismus.
Nach Angaben der US-Nachrichtenagentur Associated Press lief die „USS Abraham Lincoln“ am Dienstag den Hafen von Laem Chabang an. Weitere Schiffe des Verbands machten in Häfen der Region fest: Der Zerstörer „USS Frank E. Petersen Jr.“ in Si Racha, der Lenkwaffenkreuzer „USS Robert Smalls“ in Map Ta Phut in der benachbarten Provinz Rayong.
Laut US-Botschaft handelt es sich um den ersten vollständigen Hafenaufenthalt des Trägers seit Beginn des Einsatzes vor 286 Tagen.
Pattaya erwartet Umsatzschub durch US-Militär
Thailändische Behörden rechnen damit, dass etwa 5.000 Angehörige der US Navy und des Marine Corps an Land gehen. Pattayas Bürgermeister Poramase Ngampiches erwartet dadurch einen kurzfristigen wirtschaftlichen Impuls für die Stadt.
Jedes Mitglied des US-Militärs könne pro Tag zwischen 1000 und 3000 Baht ausgeben, sagte der Bürgermeister. Das entspricht je nach Wechselkurs etwa 30 bis 90 US-Dollar. Da Landgänge üblicherweise gestaffelt erfolgen, könnte sich der Effekt über mehrere Tage verteilen.
Wie viel Geld tatsächlich in Pattaya bleibt, ist allerdings offen. Thanet Supornsahasrungsi, Präsident des Tourismusverbands der Provinz Chonburi, verwies darauf, dass ein Teil der Soldaten auch Ausflüge nach Bangkok unternehmen könnte.
Für die lokale Nachtgastronomie ist der angekündigte Besuch dennoch ein Hoffnungsschimmer. Lisa Hamilton, Präsidentin des Verbands der Nachtgastronomie in Pattaya, sprach von einem ungewöhnlich schwachen Jahr für die Branche.
Polizei verstärkt Razzien im Rotlichtviertel
Vor der Ankunft des US-Trägers weitete die Polizei ihre Präsenz an Pattayas Strandpromenade und in den Ausgehvierteln aus. Bei Einsätzen am Wochenende seien nach Behördenangaben zwischen 40 und 50 Personen wegen des Verdachts auf Prostitution in Gewahrsam genommen worden.
„Wir tun unser Bestes, aber es ist schwierig“, sagte Pattayas Polizeichef Anek Srathongyoo. Sexarbeiterinnen könnten im öffentlichen Raum Kunden ansprechen, ohne dass die Behörden dies unmittelbar bemerkten.
Prostitution ist in Thailand offiziell verboten. Das Gesetz zur Verhütung und Bekämpfung der Prostitution trat im Dezember 1996 in Kraft. Für das öffentliche Anbieten sexueller Dienstleistungen drohen Geldbußen; bei Zwang, Gewalt oder der Ausbeutung Minderjähriger sieht das Gesetz deutlich härtere Strafen vor.
Gleichzeitig gibt es politische Bestrebungen, freiwillige Sexarbeit zu entkriminalisieren. Eine von der Empower Foundation initiierte Gesetzesvorlage wurde Ende Mai 2026 mit 11.765 Unterschriften beim Parlament eingereicht. Mitte August war der Entwurf Berichten zufolge jedoch noch nicht zur Beratung zugelassen.
Experten warnen vor Ausbeutung und Gesundheitsrisiken
Der Besuch des US-Militärverbands lenkt erneut Aufmerksamkeit auf Pattayas Rolle als internationales Ziel für Sextourismus. Pipatpong Fakfare, außerordentlicher Professor an der Bangkok University, warnt vor möglichen Folgen eines starken Zustroms von Kunden.
Ein erhöhtes Besucheraufkommen könne das Risiko sexueller Ausbeutung vergrößern und die Verbreitung sexuell übertragbarer Krankheiten begünstigen. Zudem könnten Berichte über psychische Belastungen innerhalb der Besatzung eine zusätzliche Rolle spielen.
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Die „USS Abraham Lincoln“ hatte ihren Heimathafen San Diego im November verlassen und war später in den Nahen Osten verlegt worden, um Operationen im US-israelischen Krieg mit dem Iran zu unterstützen. Demokratische Abgeordnete sprachen von einer Rekordzahl aufeinanderfolgender Tage auf See. Zuletzt waren zudem Berichte über erhebliche Belastungen an Bord bekannt geworden.
Pattayas Geschichte ist eng mit dem US-Militär verbunden
Pattaya entwickelte sich während des Vietnamkriegs vom Fischerdorf zum internationalen Tourismusort. US-Soldaten nutzten die Stadt damals als Erholungsziel. Zeitweise waren mehr als 50.000 US-Soldaten in Thailand stationiert.
Auch heute sind Hafenbesuche von US-Trägerverbänden in Laem Chabang keine Seltenheit. Im Januar 2025 lag die Kampfgruppe um die „USS Carl Vinson“ dort fünf Tage lang mit rund 7.500 Besatzungsmitgliedern.
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