In Singapur kommen ab Freitag Verteidigungsminister, Militärchefs und Sicherheitsexperten aus aller Welt zusammen. Der diesjährige Shangri-La-Dialog steht im Schatten von Kriegen im Nahen Osten und in Europa sowie wachsender Zweifel an den US-Sicherheitsgarantien für die Indo-Pazifik-Region.
Der dreitägige Shangri-La-Dialog gilt als Asiens bedeutendstes Sicherheitsforum. Wie der Sender Channel News Asia (CNA) berichtet, nehmen Vertreter aus 44 Ländern teil, darunter 54 Delegierte auf Ministerebene sowie mehr als 42 Generalstabschefs und hochrangige Verteidigungsbeamte aus dem Asien-Pazifik-Raum und Europa. Ausgerichtet wird die Konferenz vom in London ansässigen International Institute for Strategic Studies (IISS).
Was ist der Shangri-La-Dialog?
Der nach dem gleichnamigen Singapurer Hotel benannte Shangri-La-Dialog gilt seit rund einem Vierteljahrhundert als wichtigstes geopolitisches Forum im Asien-Pazifik-Raum. Laut der singapurischen Business Times zählen das Regionalforum des südostasiatischen Staatenverbundes Asean sowie die Münchner Sicherheitskonferenz zu seinen Vorläufern.
Während sich die Münchner Sicherheitskonferenz traditionell mit transatlantischen und globalen Sicherheitsfragen befasst, konzentriert sich der Shangri-La-Dialog vorrangig auf die Asien-Pazifik-Region. Beide Foren bringen jährlich Entscheidungsträger aus Politik, Militär und Wirtschaft zusammen, um regionale und globale Agenden zu setzen.
Vietnams Staatschef hält Eröffnungsrede, auch Hegseth erwartet
Die Eröffnungsrede am Freitagabend hält laut CNA Vietnams Staatschef To Lam. Mit besonderer Aufmerksamkeit wird auch der Auftritt von US-Verteidigungsminister Pete Hegseth am Samstag erwartet, in dem er die Indo-Pazifik-Strategie Washingtons darlegen soll. Hegseth war nach Angaben der Zeitung Straits Times bereits am Freitagmorgen in Singapur eingetroffen und treffe Singapurs Premierminister Lawrence Wong sowie Verteidigungsminister Chan Chun Sing. Geplant seien zudem Gespräche mit Amtskollegen aus Thailand, Malaysia, den Philippinen, Japan, Australien und Neuseeland.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth ist zum Shangri-La-Dialog nach Singapur gereist
© Jam Sta Rosa/AFP
Iran-Krieg und Energiepreise
Die Business Times bezeichnet die diesjährige Ausgabe als möglicherweise wichtigste Konferenz in der Geschichte des Forums. Im Mittelpunkt stehe der Iran-Krieg und dessen wirtschaftliche Folgen. Die dreimonatige Schließung der Straße von Hormus habe die Energiepreise stark steigen lassen und die Weltwirtschaft belastet.
Die Politikwissenschaftlerin Chong Ja Ian von der National University of Singapore bekräftigte dazu gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters, das drängendste Thema für Asien sei der Konflikt zwischen den USA, Israel und Iran und dessen Auswirkungen auf die Energieversorgung.
Taiwan und China im Fokus
Chinas Verteidigungsminister Dong Jun bleibt der Konferenz nach Angaben von CNA zum zweiten Mal in Folge fern. Peking entsendet stattdessen eine Delegation der Nationalen Verteidigungsuniversität der Volksbefreiungsarmee unter Leitung von Generalmajor Meng Xiangqing.
Taiwan dürfte trotz der Abwesenheit des chinesischen Ministers ein zentrales Thema bleiben. Die Straits Times berichtet, Hegseth werde voraussichtlich zu einem möglichen Rüstungsgeschäft mit Taiwan im Umfang von 14 Milliarden US-Dollar befragt.
Beim jüngsten Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping in Peking hatte Xi gewarnt, die Taiwan-Frage könne die Beziehungen in eine „sehr gefährliche Lage“ bringen. Laut einer Analyse von Bloomberg Economics könnte ein Konflikt um Taiwan die Weltwirtschaft im ersten Jahr bis zu 10,7 Billionen US-Dollar kosten – mehr als die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Pandemie und der Finanzkrise von 2008.
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Japans Verteidigungspolitik und maritime Sicherheit
Weitere Schwerpunkte sind laut CNA Japans veränderte Sicherheitspolitik unter Premierministerin Sanae Takaichi sowie die maritime Sicherheit. Im April hatte Tokio seine Rüstungsexportregeln gelockert. Diskutiert werden sollen zudem Spannungen im Südchinesischen Meer, durch das laut Business Times jährlich Waren im Wert von rund vier Billionen US-Dollar transportiert werden.
Das Online-Magazin Asia Times berichtet zudem, südostasiatische Staaten diversifizierten zunehmend ihre Rüstungsbeschaffung: So seien indisch-russische BrahMos-Marschflugkörper auf die Philippinen geliefert worden, Vietnam habe Verträge mit Südkorea geschlossen.
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