Knapp drei Jahre ist es her, seit die damalige Ernährungsministerin Renate Künast (Bündnis 90/Die Grünen) mit der Meldung schockierte, dass Deutschlands Kinder zu dick seien. Nicht allein die mangelhafte Ernährung sei Schuld an den überflüssigen Pfunden. Vielmehr mangele es den Heranwachsenden an Bewegung. Das Volk der Dichter und Denker, die Nation der Olympiasieger und Weltmeister ist auf dem besten Weg, sich zu einem Land voller träger, fettleibiger Erwachsener zu entwickeln. Die sich zudem häufiger und früher als ihre Eltern mit den Folgekrankheiten der Völlerei herumschlagen müssen: Diabetes Typ II, Fettleber, Arthrose, Bluthochdruck und Herzinfarkt - von orthopädischen Problemen einmal ganz abgesehen. Schätzungen zufolge kostet es heute bereits rund 25 Millionen Euro, übergewichtige und fettleibige Deutsche zu behandeln.Der Grundstein hierfür wird in der frühesten Kindheit gelegt. Vier von zehn dicken Kindern und acht von zehn dicken Jugendlichen bringen auch als Erwachsene zu viele Kilos auf die Waage. Dass es immer mehr werden, hat vor allem mit den veränderten Lebensumständen zu tun. Verbrachten die Eltern ihre Kindheit noch auf der Straße bei Ball- und Versteckspiel, lungert deren Nachwuchs heute vor Fernseher und Computer herum. Täglich eine Stunde weniger davon, könnte bereits Erfolge bringen. Manche Mediziner vermuten zudem, dass für die besondere Gewichtszunahme vor Fernseher und Computer auch hormonelle Gründe verantwortlich sein könnten. Die Begründung: Vor allem spannende Sendungen und Spiele lassen den Cortisonspiegel im Blut ansteigen. Durch Bewegung könnte das Stresshormon schnell wieder abgebaut werden. Geschieht dies jedoch nicht, wie in den meisten Fällen, besteht die Gefahr, dass durch den dauerhaft erhöhten Cortisonspiegel im Blut Übergewicht und Erkrankungen wie etwa Insulinresistenz entstehen. Also: Treppe statt Aufzug und Beine statt Bus.------------------------------Foto: Laut "Kinder-Survey" des Robert-Koch-Instituts sind 1,9 Millionen Kinder und Jugendliche in Deutschland übergewichtig oder adipös - das sind 15 Prozent aller Kinder.
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