Sieben Festnahmen / Bündnisgrüne kritisieren das Vorgehen / Protestzug am Abend

500 Polizisten räumen besetzte Häuser

BLZ
2 Min

Ein Großaufgebot der Berliner Polizei hat gestern drei illegal besetzte Häuser in Lichtenberg und Friedrichshain geräumt. Dabei wurden fünf Jugendliche festgenommen. Am Abend protestierten 300 Sympathisanten gegen die Räumung.Die meisten der insgesamt 57 Hausbesetzer schliefen noch, als kurz vor 6.30 Uhr Beamte des Spezialeinsatzkommandos der Polizei (SEK) die Häuser an der Pfarrstraße 88, Rigaer Straße 80 sowie an der Scharnweberstraße 28 stürmten. "Die Männer kamen über Leitern in die Wohnräume im ersten Stock", sagt Angela F. Zusammen mit 33 Jugendlichen und neun Hunden hat sie in dem Haus an der Scharnweberstraße übernachtet. Insgesamt waren 500 Polizisten im Einsatz. Nach Kontrolle der Ausweise durften die meisten Bewohner wieder gehen. An der Pfarrstraße traf die Polizei bei der Razzia fünf und in der Rigaer Straße 19 Männer und Frauen an. Die Häuser mußten geräumt werden, weil die Hauseigentümer ein Räumungsbegehren gestellt hatten, so ein Polizeisprecher.Das Haus an der Scharnweberstraße war seit 1991 besetzt. Zuletzt diente es als Absteige für illegal in Berlin lebende Ausländer. Anwohner berichteten, daß sich die Jugendlichen meist nur zwei Tage in dem verkommenen Gebäude aufgehalten haben. "Dann kamen immer wieder neue Leute", sagt ein Nachbar. Bei der Durchsuchung des Hauses fand die Polizei mehr als 100 Cannabis-Pflanzen. Nach der Räumung wurden die Fenster zugemauert. Ein Wachschutz sorgt dafür, daß die Besetzer nicht zurückkommen. Während der Polizeiaktion kam es auf der Frankfurter Allee zu Staus.Der Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Grüne, Wolfgang Wieland, kritisierte die Räumung. Innensenator Jörg Schönbohm (CDU) sei mit dieser Aktion auf seinem verhängnisvollen Weg weitermarschiert. Der Sprecher der Innenverwaltung, Thomas Raabe, erklärte, daß der Senat mit den Räumungen sein rechtliches Instrumentarium zur Beendigung von Hausbesetzungen ausschöpfe. Der eingeschlagene Weg werde weiterbeschritten. Nun gibt es nur noch drei besetzte Häuser in Berlin. Von 19.30 bis 20.45 Uhr zogen rund 300 Demonstranten über die Warschauer- und Boxhagener Straße zu dem geräumten Haus an der Pfarrstraße und protestierten gegen den Polizeieinsatz. Ein Sprecher kündigte an, daß heute ein Haus an der Rigarer Straße erneut besetzt werden soll. Nach Rangeleien mit Polizei und nachdem einige Dosen auf Beamte geworfen hatten, wurden zwei Personen festgenommen. mg/ls

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