Siebenwöchige Trockenheit hinterließ der Landwirtschaft Schäden in zweistelliger Millionenhöhe

Das letzte normale Erntejahr war 1991

Klaus Bruske Potsdam
3 Min

Auf märkischen Feldern zwischen Prignitz und Lausitz, Uckermark und Hohem Fläming lassen Rüben und Kartoffeln matt die Blätter hängen. Ihr Kraut sieht oft wie getrockneter Tabak aus. Noch im Juni grün-saftige Wiesen wandelten sich den Juli und August über in sandig-grau-braune Steppen.Sämtliche bisher noch nicht abgeernteten Feldkulturen sind von der extremen Trockenheit betroffen, vornan Mais, Lupinen und Ölsaaten wie Sonnenblumen. Obst und Gemüse reifte zu früh und wurde verstärkt von Schädlingen und Krankheiten befallen. Etwa ein Drittel der genutzten Äcker, so schätzt der Bauernverband, sind von der Dürre betroffen. Für diese rund 300 000 Hektar setzt man einen durchschnittlichen Ertragsausfall zwischen 100 bis 300 Mark pro Hektar an. Gemeinsam mit den noch nicht überwundenen Nach-Wende-Strukturumbrüchen in der Landwirtschaft, mit der drückenden Altschuldenlast, den von der EU verordneten Flächenstillegungen - sowie nicht zuletzt mit den Vorstellungen der Landesregierung, den Agrarhaushalt 1996 zu kürzen - bringe das die Bauern in arge Bedrängnis, sagte der Hauptgeschäftsführer des Landesbauernverbandes Wolfram Seidel. "Brandenburgs Landwirtschaftsministerium hat uns schon im Frühjahr offenbart, daß es 1995 keine allgemeine Dürrehilfe geben wird", sagt Seidel und erwartet von dieser Seite kaum Unterstützung. Witterungsunbilden fielen für Potsdam im Regelfall unter "Berufsrisiko". Das bestätigt Helmut Lehmann, zuständiger Ressortleiter im Haus Edwin Zimmermann (SPD). Er verweist auf die "Kalamitäten-Richtlinie". Die Notbremse verspreche grundsätzlich Landeshilfe bei Naturkatastrophen wie Überschwemmung, Brand oder Dürre, mache diese aber von einer Einzelfallprüfung abhängig. Derzeit liege noch kein entsprechender Antrag vor, doch sehe er da "einiges auf uns zukommen". Noch aber sei kein Geld für die Kalamitäten-Richtlinie im Haushalt eingestellt. Das Kabinett und der Landtag müßten die Finanzen erst förmlich bewilligen.Für Lehmann ist 1991 das "letzte normale Vegetations- und Erntejahr in Brandenburg" gewesen. Danach sei es immer entweder zu feucht und zu kalt oder zu heiß und zu trocken oder beides kurz nacheinander wie in diesem Jahr gewesen. "Wahrscheinlich müssen wir uns auch künftig auf ähnlich extreme Witterung einstellen", orakelt finster Lehmann. Auch deshalb betreibe sein Ministerium fünf Sortenversuchsstationen. Sie lägen bei Frankfurt (Oder), bei Lübben, bei Neuruppin, in Wustrau und in Paulinaue im Großen Havelländischen Luch und probierten unter einem weltweiten Feldfruchtangebot die für märkische Verhältnisse möglicherweise günstigsten Sorten aus.Mehr öffentliche Gelder, um den häufigen Sommertrockenheiten in Brandenburg begegnen zu können, fordert dagegen Wolfram Seidel. Die "überdies von Kürzung bedrohten" 30 bis 40 Millionen Mark reichten "bei weitem" nicht aus."Die nächste Dürre kommt bestimmt", sieht auch Seidel schwarz in die Zukunft. Er hat sich das märkische Agrarwetter der letzten 100 Jahre genauer angesehen und dabei festgestellt: "In fünf Jahren gibt es meist zwei extreme sowie einen etwas überdurchnittlich heißen und trockenen Sommer." +++

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