Egon Krenz, Ex-DDR-Staats- und -Parteichef, kann als Freigänger die Justizvollzugsanstalt Plötzensee verlassen. Voraussetzung dafür war ein geregeltes Arbeitsverhältnis. Seit vergangenen Montag arbeitet Krenz für das "Orthopädische Rehatechnische Zentrum (ORZ)" in Siegen in Nordrhein-Westfalen. Der 63-Jährige soll für die Firma eine Niederlassung in Berlin aufbauen, sagte Krenz-Anwalt Robert Unger.Freigang bedeutet, dass er das Gefängnis lediglich jeden Morgen von Montag bis Freitag verlassen darf, um zur Arbeit zu gehen. Spätestens 22 Uhr muss er zurück sein. Ansonsten stehen ihm 21 Tage Urlaub im Jahr zu. Für Ostern hat Krenz keinen Urlaub beantragt und wird die Feiertage deshalb in der Haftanstalt verbringen.Für die Firma in Siegen soll Krenz von Berlin aus Geschäftsbeziehungen mit Osteuropa aus- und aufbauen. Das Unternehmen hat 22 Standorte und bietet unter anderem Dienstleistungen für Krankenhäuser und Ärzte. Klaus Wannenmacher von der Geschäftsführung des ORZ erklärte, seine Firma sei durch einen Bericht in den Medien darauf aufmerksam geworden, dass Krenz einen Job sucht. Weil der frühere SED-Chef sich mit Osteuropa gut auskenne, perfekt Russisch spreche und schreibe, sei er eingestellt worden. "Es ist ein ganz normales Angestelltenverhältnis", sagte Wannenmacher. Krenz war in der vergangenen Woche zu einer Schulung bei seinem Arbeitgeber gewesen. Jetzt wird er erst einmal von zu Hause aus arbeiten und sich ein Büro suchen. Krenz war war wegen Totschlags an DDR-Flüchtlingen zu sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden und hatte im Januar seine Haftstrafe im offenen Vollzug angetreten. Seitdem suchte er eine Arbeit. Eine Firma aus Brandenburg hatte ihm eine Stelle angeboten. Krenz war auch zum Vorstellungsgespräch, aber ein Arbeitsvertrag kam nicht zu Stande. Einen anderen Job als Berater für eine Ost-West-Handelsfirma hatte die Senatsverwaltung für Justiz abgelehnt. (sd.)
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