Energieprojekt

Streit um Garantien bremst Stromkabel-Bau von Marokko nach Deutschland

Bis zu fünf Prozent des deutschen Strombedarfs sollen unterseeisch über 4800 Kilometer aus Marokko kommen. Rabat verlangt zuvor ein Regierungsabkommen.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Stromleitungen durchziehen die karge Landschaft im Südwesten Marokkos.

Stromleitungen durchziehen die karge Landschaft im Südwesten Marokkos.

© Nando Lardi/imago

Das Projekt „Sila Atlantik“ für ein Untersee-Stromkabel zwischen Marokko und Deutschland gerät vor der Investitionsentscheidung ins Stocken. Wie die Nachrichtenagentur Reuters am Mittwoch unter Berufung auf vier mit den Verhandlungen vertraute Personen berichtete, bremsen Streitpunkte zu staatlichen Garantien, einer beidseitigen Stromrichtung und der Bereitstellung von Flächen den Fortschritt des rund 30 Milliarden Dollar teuren Vorhabens.

Nach Angaben der Reuters-Quellen besteht das nordafrikanische Land auf einem zwischenstaatlichen Abkommen, das von der Bundesregierung förmlich mitgetragen wird. Rabat wolle so eine langfristige staatliche Absicherung verankern.

Richtungsstreit zum Stromfluss

Ein weiterer Streitpunkt ist laut Reuters die technische Auslegung. Marokko wolle, dass das Kabel Strom in beide Richtungen transportieren kann, statt nur den Export nach Deutschland zu ermöglichen. „Technisch ist es machbar, aber wirtschaftlich wäre es teurer“, sagte einer der deutschen Gesprächsteilnehmer der Agentur.

Offen ist zudem die Zuteilung der benötigten Flächen. Marokkanische Behörden hatten für ein vorheriges, inzwischen gescheitertes Projekt namens Xlinks rund 150.000 Hektar in der südlichen Region Guelmim-Oued Noun zugesagt. Eine vergleichbare Zusage für Sila Atlantik stehe noch aus, sagte ein hochrangiger Regionalvertreter Reuters.

Das Projektunternehmen „Sila Atlantik“ erklärte auf Anfrage, das Vorhaben schreite entlang seines technischen, kommerziellen, regulatorischen und finanziellen Fahrplans voran. Zu einzelnen Verhandlungsdetails äußerte sich das Unternehmen nicht.

Bis zu fünf Prozent des deutschen Strombedarfs

„Sila Atlantik“ sieht zwei Hochspannungs-Gleichstromkabel mit einer Länge von rund 4800 Kilometern vor. Die Leitungen sollen von den Solar- und Windparks in Marokko entlang der Atlantikküsten Portugals, Spaniens und Frankreichs sowie durch belgische und niederländische Seegebiete bis nach Deutschland führen. Als mögliche deutsche Netzanschlusspunkte gelten Emden im Tennet-Netz und ein weiter südlich gelegener Punkt im Amprion-Netz. Die genaue Ausgestaltung ist noch offen.

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Nach Angaben der Projektentwickler sollen Solar- und Windanlagen in Marokko mit einer installierten Leistung von bis zu 15 Gigawatt jährlich rund 26 Terawattstunden liefern – das entspricht knapp fünf Prozent des deutschen Stromverbrauchs.

Der deutsche Wirtschaftsstaatssekretär Frank Wetzel hatte bereits im Februar 2026 in einem Schreiben an Marokkos Investitionsminister Karim Zidane das Interesse Berlins an dem Vorhaben bekundet und auf die seit 2012 bestehende deutsch-marokkanische Energiepartnerschaft verwiesen. Die Investitionsentscheidung wird nach Reuters-Angaben für Ende 2026 oder Anfang 2027 erwartet.

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