Die Debatte um die Absage eines Konzerts des Rappers Chefket im Haus der Kulturen der Welt (HKW) lässt nicht ab. Nun kritisiert auch der Verband PEN Berlin die Ausladung. An das HKW gerichtet fragt PEN Berlin nach dem „offenen Dialog“ für den das Haus stehe. Man habe die Chance vertan, mit dem Rapper und dessen Haltung zum Nahost-Krieg in den Dialog zu gehen.
Zudem kritisiert PEN Berlin Kulturstaatsminister Wolfram Weimer und wiederholt die Frage von Publizist Michel Friedman, weshalb der Kulturstaatsminister sich in die Programmplanung eines Literaturhauses einmische. Der Rapper Chefket hätte am 7. Oktober im HKW auftreten sollen, anlässlich des zweiten Jahrestages des Terrorangriffs der Hamas auf Israel. Anfang der Woche hatte das Haus aber den Auftritt abgesagt und dies mit Einsprüchen, insbesondere aus jüdischen Kreisen, die man sehr ernst nehme, begründet.
Konkret ging es dabei um ein T-Shirt, das der Rapper in der Vergangenheit getragen hatte. Darauf war Kritikern wie dem Kulturstaatsminister zufolge das Motiv des gewünschten Staates Palästina ohne Israel zu sehen. Das Motiv sei nach Ansicht der Bundesregierung antisemitisch, teilte Weimer mit. „Dass nun ausgerechnet am Jahrestag des Angriffs der Hamas auf Israel ein Konzert mit diesem Künstler stattfinden soll, empfinde ich als Provokation“, sagte Weimer weiter.
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Die Mitteilung des PEN Berlin im Wortlaut:
Wir sind der Auffassung, dass Antisemitismus inakzeptabel ist. Immer. Überall. So stand es letzte Woche in unserem Aufruf zur Kundgebung am Montag in Klütz, nach der Ausladung des Publizisten Michel Friedman. Es ging dort um wichtige Fragen – zur Autonomie der Kunst und zur Meinungsfreiheit in der Demokratie. Kaum zurück aus Klütz haben wir schon wieder ein paar Fragen:
1. Chefket, Ihren Songs nach zu urteilen, haben Sie kein Problem mit der Existenz Israels. Was soll das also mit dem Trikot, das eine Landkarte von Palästina zeigt, auf der kein Platz für Israel mehr ist?
2. Herr Böhmermann, ohne Kunst- und Meinungsfreiheit kein ZDF Magazin Royale, keine Schmähgedichte, keine Satire … Chefket erst für einen Auftritt (ausgerechnet am 7. Oktober) einladen – warum eigentlich? – und dann ausladen – warum eigentlich? Was hat der Mann denn erst richtig und dann falsch gemacht? Endet die Lust an der Provokation zuverlässig da, wo man sich wirklich mit der Macht anlegen müsste?
3. Verantwortliche des Hauses der Kulturen der Welt, wie war das nochmal mit dem offenen Dialog, für den Ihr Haus steht? Auf der Bühne hätte Chefket erläutern können, was er mit „Free Palestine“ meint, er hätte ein Missverständnis aus- oder einen Fehler einräumen und damit einen Dialog eröffnen können. Diese Chance ist nun vertan.
4. Herr Weimer, Ihre Ankündigung, die Korridore „des Sagbaren, Erkundbaren und Darstellbaren (…) zu weiten, anstatt sie zu verengen“, klang gut. Oder meinen Sie mit Meinungsfreiheit bloß die Freiheit, die Meinung des Kulturstaatsministers zu vertreten? Sie wissen doch, dass in Deutschland der Staat die Autonomie der Kunst und der Kultureinrichtungen fördert. „Was mischt sich ein Politiker in die Programmplanung eines Literaturhauses ein?“ fragte Michel Friedman vorgestern in Klütz. Ganz recht, Herr Weimer, Sie dürfen diese Frage gern auf sich beziehen. Oder sind Sie jetzt der Bundestrikotminister?.
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