SCHLAF & BEZIEHUNGEN

Singles schlafen besser als Paare? Was hinter dem überraschenden Befund steckt

Berlin ist eine Stadt der Alleinlebenden. Ein Schlaf-Atlas zeigt: Singles beurteilen ihre Nachtruhe deutlich häufiger positiv als Menschen in Beziehungen. Woran liegt das?

Thomas Kuhle
6 Min
Partner stören sich gegenseitig, während Singles besser schlafen? Ganz so einfach ist es zwar nicht, aber es gibt dennoch deutliche Unterschiede.

Partner stören sich gegenseitig, während Singles besser schlafen? Ganz so einfach ist es zwar nicht, aber es gibt dennoch deutliche Unterschiede.

© Bildquelle: KI-generiert

Berlin ist bekannt für seine langen Nächte. Doch was passiert, wenn die Hauptstadt endlich ins Bett geht? Häufig liegt dort nur eine Person unter der Decke. Ende 2025 zählte Berlin rund 1,27 Millionen Einpersonenhaushalte. In 56,8 Prozent der Hauptstadt-Haushalte lebte damit nur ein Mensch. In Friedrichshain-Kreuzberg waren es sogar 63,6 Prozent.

Das passt zu einem überraschenden Befund aus der Schlafforschung: Singles schlafen offenbar besser als Menschen in festen Beziehungen. Das legt eine bundesweite Befragung der Techniker Krankenkasse (TK) nahe. Fast drei Viertel der Singles bezeichneten ihren Schlaf als gut oder sehr gut. Unter den Menschen in Beziehungen waren es nur rund 60 Prozent.

Auf die Zahlen verweist der neue Schlaf-Atlas Deutschland von Baldriparan. Für die umfangreiche Übersicht hat der Hersteller wissenschaftliche Studien und Erkenntnisse über Schlafgewohnheiten in Deutschland zusammengetragen. Und die Ergebnisse werfen eine Frage auf, die sich wohl so manches Paar schon einmal gestellt hat: Schläft man allein einfach ruhiger?

Warum schlafen Singles offenbar besser?

Wer das Bett für sich hat, muss weder um die Decke kämpfen noch Schnarcherei ertragen Niemand geht mitten in der Nacht auf die Toilette, schaltet das Licht an oder dreht sich so schwungvoll um, dass die Matratze bebt. Für empfindliche Schläfer kann das einen großen Unterschied machen.

Auch morgens zeigt sich der Abstand zwischen Singles und Paaren. In der Studie fühlten sich zwei Drittel der Singles nach dem Aufstehen ausgeruht. Von den Befragten in Beziehungen sagten das nur 56 Prozent.

Dabei geht es aber nicht allein um die Frage, wer neben wem liegt. Der Alltag spielt mit hinein. Wer gemeinsam wohnt, muss Schlafenszeiten abstimmen und unter Umständen auf die Gewohnheiten des anderen Rücksicht nehmen. Mit Kindern im Haushalt wird die Nachtruhe häufig noch knapper.

Was hält Paare nachts wach?

Ganz oben auf der Liste möglicher Störenfriede steht das Schnarchen. So gab etwa jeder siebte Teilnehmer an, dass ihn das Schnarchen des Partners beim Schlafen störe. Frauen berichteten davon deutlich häufiger als Männer: Fast jede vierte Frau beklagte die nächtliche Geräuschkulisse, bei den Männern waren es acht Prozent. Das trifft sich mit der Wissenschaft, die ebenfalls weiß, dass Männer verstärkter schnarchen – wenigstens in vielen Altersgruppen.

Das Ärgerliche daran: Meistens bekommen Schnarcher selbst von der nächtlichen Geräuschkulisse wenig mit. Der andere dagegen liegt wach, zählt die Minuten und fragt sich, wie ein einziger Mensch so viel Lärm veranstalten kann. Tagsüber ist der Ärger dann womöglich größer als das eigentliche Problem. Deshalb sollte man nicht erst über das Schlafzimmer sprechen, wenn beide schon übermüdet sind. Ein Gespräch am Frühstückstisch dürfte deutlich angenehmer ausfallen als eine Diskussion um halb drei nachts.

Aber auch ohne Schnarchkonzert kann gemeinsames Schlafen zur Geduldsprobe werden. Typische Konflikte im Schlafzimmer sind:

  • Unterschiedliche Schlafenszeiten: Eine Person möchte früh ins Bett, die andere noch lesen oder fernsehen.
  • Bewegungen im Bett: Wer leicht schläft, wird vom Umdrehen des Partners wach.
  • Die Raumtemperatur: Was für den einen angenehm kühl ist, fühlt sich für den anderen eisig an.
  • Licht und Geräusche: Handybildschirme, Wecker und nächtliches Aufstehen können den Schlaf unterbrechen.

Ein weiterer Faktor sind Kinder. In der Studie fühlte sich weniger als die Hälfte der Menschen mit Kindern im Haushalt morgens gut erholt. Ohne Kinder waren es etwa zwei Drittel. Wer schon einmal nachts nach einem weinenden Kleinkind gesehen hat, dürfte das wenig überraschend finden.

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Ist das gemeinsame Bett damit ein Auslaufmodell?

Keineswegs. Für viele Menschen gehört die Nähe des Partners zu einer guten Nacht dazu. Eine ElitePartner-Studie zeigt sogar die andere Seite: Von den Befragten in Beziehungen, die zumindest gelegentlich ein Schlafzimmer teilen, gaben 43,9 Prozent an, neben ihrem Partner besser zu schlafen als allein.

Auch die Schlafforschung kennt Vorteile des gemeinsamen Betts. Wissenschaftler der Universität Kiel beobachteten 2020 Paare im Schlaflabor. Wenn die Partner nebeneinander schliefen, verbrachten sie mehr Zeit im sogenannten REM-Schlaf, einer Schlafphase, die unter anderem mit der Verarbeitung von Emotionen verbunden ist.

Nähe kann also beruhigen. Für andere überwiegen die Störungen. Und gelegentlich möchte man den geliebten Menschen einfach in ein anderes Zimmer schicken, damit endlich Ruhe herrscht.

Wie finden Paare zu einer ruhigeren Nacht?

Dafür braucht es nicht gleich zwei Wohnungen. Schon kleine Veränderungen können helfen:

  • Schlafrhythmen respektieren: Niemand muss zur selben Zeit das Licht ausschalten.
  • Störungen reduzieren: Fernseher aus, Handy stumm und möglichst wenig Licht im Schlafzimmer.
  • Mehr Platz schaffen: Ein größeres Bett oder getrennte Bettdecken entschärfen manchen nächtlichen Kleinkrieg.
  • Getrennte Schlafzimmer ausprobieren: Wer dadurch besser schläft, muss daraus kein Beziehungsdrama machen.

Und ganz wichtig: Wer regelmäßig laut schnarcht und dabei Atemaussetzer hat, sollte die Beschwerden medizinisch abklären lassen. Dahinter kann eine Schlafapnoe stecken, die wiederum das Herz schädigen kann. Auch anhaltende Ein- oder Durchschlafprobleme benötigen Aufmerksamkeit, besonders wenn man tagsüber ständig erschöpft ist.

Ist getrennt schlafen schlecht für die Beziehung?

Dass zwei Menschen ein Paar sind, verpflichtet sie nicht zu einer gemeinsamen Matratze. Laut der ElitePartner-Studie schliefen elf Prozent der Paare überwiegend in getrennten Zimmern. Für viele davon reiner Pragmatismus: Ein gemeinsames Schlafzimmer kann schön sein. Erholsamer Schlaf ist allerdings wichtiger als eine romantische Vorstellung davon, wie die Nacht auszusehen hat.

Für Berlin mit seinen vielen Einpersonenhaushalten liefert der Schlaf-Atlas damit einen charmanten Gedanken: Wer allein ins Bett geht, muss niemanden vermissen, um gut zu schlafen. Und wer zu zweit einschläft, darf ruhig ab und zu zumindest über eine zweite Bettdecke nachdenken – oder einen echten Störenfried auch mal auf die Couch oder ins Gästezimmer verbannen. Schlaf ist zu wichtig, um ihn der Romantik unterzuordnen.

Die Recherche und Erstellung des Beitrags wurde durch einen externen Redakteur vorgenommen und stammt nicht aus der eigenen Redaktion.

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