Friedensforschungsinstitut

Sipri warnt vor wachsender Bedeutung von Atomwaffen

Die Zahl militärisch nutzbarer Atomsprengköpfe ist weltweit gestiegen. Das Friedensforschungsinstitut Sipri warnt vor der wachsenden Bedeutung von Atomwaffen.

3 Min
Eine mobile Abschussrampe für die russische nuklearfähige Interkontinentalrakete „Topol-M“

Eine mobile Abschussrampe für die russische nuklearfähige Interkontinentalrakete „Topol-M“

© ITAR-TASS/imago

Die weltweite Zahl militärisch nutzbarer Atomsprengköpfe ist gestiegen, wie laut AFP aus Angaben des Stockholmer Friedensforschungsinstituts Sipri hervorgeht. Die Forscher warnen vor einer wachsenden Bedeutung von Atomwaffen in der internationalen Sicherheitspolitik.

Sipri teilte zur Veröffentlichung seines 57. Jahrbuchs am Montag mit, Staaten würden „zunehmend auf Atomwaffen als Instrumente nationaler Macht setzen – und damit jahrzehntelange Bemühungen zur Reduzierung der Anzahl und Rolle von Atomwaffen zunichtemachen“. Die neun Atommächte USA, Russland, Großbritannien, Frankreich, China, Indien, Pakistan, Nordkorea und Israel hätten ihre Modernisierungsprogramme im vergangenen Jahr fortgesetzt.

Beim globalen Gesamtbestand verzeichnete das Institut einen leichten Rückgang: Anfang 2026 lag die Zahl der Sprengköpfe bei 12.187, verglichen mit 12.241 im Vorjahr, berichtete AFP. Die Zahl der militärisch nutzbaren Sprengköpfe stieg dem Bericht zufolge von 9614 auf 9745. Rund 4012 davon seien auf Raketen oder bei einsatzbereiten Einheiten stationiert gewesen.

Seit Ende des Kalten Krieges habe die Demontage ausgemusterter Atomsprengköpfe in Russland und den USA zu einem jährlichen Rückgang der globalen Anzahl von Atomwaffen geführt. Jedoch rechnet Sipri damit, dass sich diese Entwicklung in den kommenden Jahren umkehren könnte.

Sipri: Atommächte lassen „nukleare Muskeln spielen“

„Einflussreiche Stimmen, darunter einige Staats- und Regierungschefs, propagieren Atomwaffen als Garantie gegen einen Angriff eines feindlichen Staates“, erklärte Sipri-Direktor Karim Haggag in einer Erklärung des Instituts. Eine stärkere Abhängigkeit der Sicherheitsstrategien von Atomwaffen könne die nuklearen Risiken erheblich erhöhen.

Sipri-Experte Hans Kristensen erklärte, die Atommächte ließen ihre Abrüstungsverpflichtungen zunehmend außer Acht und ließen stattdessen „ihre nuklearen Muskeln spielen“. „Indem sie nach nuklearen Lösungen suchen, schaffen die Staaten neue Risiken und befeuern die Dynamik des Wettrüstens“, hieß es weiter.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

USA und Russland mit größten Arsenalen

Die USA und Russland verfügen laut Sipri zusammen über rund 83 Prozent aller militärisch nutzbaren Sprengköpfe. Beide Staaten modernisieren ihre Arsenale umfassend. Zusätzliche Unsicherheit entstehe durch das Auslaufen des New-Start-Abkommens im Februar, eines Vertrags zur Begrenzung strategischer Atomwaffen, ohne Nachfolgeregelung.

China baut sein Arsenal laut Sipri schneller aus als jedes andere Land und verfüge derzeit über rund 620 Atomsprengköpfe. Indien verfügte Anfang 2026 über etwa 190 Sprengköpfe, Pakistan über 170, Israel schätzungsweise über 90 und Nordkorea über rund 60.

Debatte über nukleare Teilhabe in Europa

Auch in Staaten ohne eigene Atomwaffen rückten nukleare Fragen stärker in den Fokus. Mehrere europäische Staaten, darunter Deutschland, hätten den Wunsch erkennen lassen, die auf US-Waffen gestützte nukleare Teilhabe in der Nato durch ähnliche Arrangements mit Frankreich und Großbritannien zu ergänzen, erklärte Sipri. So habe sich etwa Frankreichs Präsident Emmanuel Macron im März 2026 zu laufenden Gesprächen mit Deutschland und Großbritannien geäußert. (mit AFP)

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner