Hundeschule für zu Hause

Sitz, Platz, Bleib! So bringen Sie Ihrem Hund die wichtigsten Befehle bei

Wie trainiert man mit seinem Hund das Gehorchen? Was muss man beachten, wo und wie anfangen? Eine Hundetrainerin erklärt das richtige Vorgehen.

Nicole Schulze
9 Min
Gut erzogen? Bestimmte Basics kann man auch zu Hause trainieren.

Gut erzogen? Bestimmte Basics kann man auch zu Hause trainieren.

© imago/imagebroker

Ständig rennt der Hund los und hört nicht aufs Rufen, zerrt an der Leine, springt fremde Leute an, ignoriert Befehle. Das kann wahnsinnig anstrengend sein für Frauchen und Herrchen, bisweilen sogar gefährlich. Was also tun? Die meisten Menschen besuchen dann irgendwann eine Hundeschule, was nicht nur teuer sein kann, sondern auch zeitintensiv.

„Effizientes Training sollte jedoch ohne Ablenkung anderer Hunde beginnen. Man kann die Basics sehr gut zu Hause üben, sofern man selbst konsequent ist“, sagt Hundetrainerin Conny Sporrer und korrigiert: „In Wahrheit trainiere ich eher die Menschen, damit sie wissen, wie sie mit dem Hund arbeiten müssen.“

Es geht also immer um Hundehalterinnen und -halter, die dem Tier ein paar Regeln beibringen wollen. „Der Hund orientiert sich an uns, aber das geht nur, wenn die Beziehung stimmt“, sagt Conny Sporrer, die auch eine Online-Hundeschule betreibt, einen Podcast namens „Hundestunde“ hat und seit mehr als zehn Jahren als Hundetrainerin arbeitet. „Erziehung geht nur über Beziehung“, stellt die Fachfrau klar.

Was muss man wissen, wenn man seinen Hund erziehen will?

„Viele Hunde haben gelernt, dass sich der Mensch an ihnen orientiert“, weiß Conny Sporrer. „Das fängt beim Betteln zu Hause an und geht bei Themen wie Leinenführigkeit weiter: Sie ziehen und der Mensch trottet hinterher. Das geschieht unbewusst, ist aber unerwünschtes Verhalten.“ Das führe unter anderem dazu, dass der Hund annimmt, dass er derjenige ist, der die Entscheidungen trifft, und er auch deshalb nicht aufs Wort hören muss, zumindest nicht auf jedes – und das kann fatale Folgen haben.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Ganz besonders in großen Städten wie Berlin ist es wichtig, dass ein Hund hört, damit ihm nichts zustößt, etwa weil er vor Schreck plötzlich Reißaus nimmt und vor ein Auto läuft. Ebenso ist es wichtig, dass der Hund nicht einfach irgendetwas frisst, das er am Wegesrand entdeckt – es könnte vergiftet sein.

„Je besser ein Hund erzogen ist, desto mehr Freiheiten kann man ihm zugestehen“, sagt Conny Sporrer. „Aber Hunde, die noch nicht verlässlich rückruf- und ansprechbar sind, sollten an der Leine geführt und trainiert werden.“ Um einen Hund alltagstauglich zu erziehen und ihm die wichtigsten Signale beizubringen, muss man rund um die Uhr konsequent sein. „Stellen Sie klare Regeln auf und halten Sie diese ein, und zwar vom ersten Tag an, unabhängig davon, wie alt Ihr Hund ist.“

Dem Hund sollte jederzeit klar sein, dass Sie ihn sicher führen und Verantwortung übernehmen – so, wie das ein ranghoher Hund im Rudel auch tun würde. „Sie sind für Ihren Hund der Fels in der Brandung, Sie geben ihm mit Ihrem Verhalten und Ihren Regeln Sicherheit. Das ist die Grundlage Ihrer Beziehung“, erklärt Conny Sporrer.

Zu welcher Uhrzeit Sie die Befehle mit Ihrem Hund üben, ist eigentlich egal. „Es kann aber vorteilhaft sein, wenn er Appetit hat und nicht gerade erst gefressen hat“, sagt die Expertin. Denn beim Training sollte man „grundsätzlich auf das Prinzip der positiven Verstärkung setzen“, also den Hund für das erwünschte Verhalten belohnen, am besten mit Leckerlis, aber auch Worte und zärtliche Gesten können als Verstärker dienen.

Achtung: Sagen Sie auf keinen Fall schon zu Beginn „Schau mal, ein Leckerli!“ und zeigen dann, womit er belohnt werden soll – auch schon die Hand in der Tasche wäre ein Indiz dafür. „Das wäre Bestechung und keine Belohnung. Sonst laufen Sie Gefahr, dass Ihr Hund immer erst einfordert, seine Belohnung zu sehen, bevor er etwas tut – und das wäre alles andere als alltagstauglich“, so die Trainerin.

Dehnen Sie das tägliche Training nicht unnötig in die Länge, wenn Sie merken, dass Ihr Hund das Interesse verliert. „Viele kleine Sequenzen über den Tag verteilt sind oftmals sinnvoller als eine lange Trainingseinheit“, so Conny Sporrer. „Je nach Alter sind zwei bis 15 Minuten angebracht.“

Ganz wichtig jedoch: „Seien Sie nicht zu ehrgeizig, sondern sehr geduldig“, empfiehlt die Fachfrau. „Üben Sie ein Signal nach dem anderen, nicht parallel. Erst wenn eine Übung sitzt, sollten Sie den nächsten Schritt wagen.“ Der Trainingserfolg ist immer abhängig von den Wiederholungen, dem Alter Ihres Hundes und seiner Lernerfahrung. Es kann – je nach Übung – von wenigen Minuten bis mehreren Wochen variieren.

Welche Befehle muss ein Hund können?

Aus Sicht der Hunde-Expertin Conny Sporrer braucht man nur einige wenige Grundsignale, die jedoch wirklich sicher sitzen sollten. Dazu gehören: „Sitz“ (hinsetzen), „Platz“ (hinlegen), „Bleib“ (in der jeweiligen Position verharren) und „Hier“ oder „bei Fuß“ (heranrufen). „Gerade ‚Bleib‘ ist wichtig für die Impulskontrolle – etwa bei Besuch, Wild oder anderen Hunden, um sicherzustellen, dass der Hund nicht einfach losrennt und spannenden Reizen folgt“, so die Fachfrau.

So trainiert man „Sitz!“

Wenn Sie Ihrem Hund beibringen wollen, dass er sich setzt, nehmen Sie ein Leckerli, beispielsweise einen Hundekeks in die Hand. Halten Sie ihm den Keks vor die Nase, allerdings so, dass er nicht danach schnappen kann. „Dann führen Sie die Hand mit ausgestrecktem Zeigefinger mitsamt des Kekses von der Nase über den Kopf und weiter nach hinten, bis der Po zu Boden geht“, beschreibt Conny Sporrer das Vorgehen.

In dem Moment, wo Ihr Hund sich setzt, sagen Sie: „Sitz!“ und geben ihm die Belohnung, beschreibt die Expertin den Erziehungstrick. „Das Ganze ist auch eine wichtige Übung zur Impulskontrolle, denn Sie müssen Ihrem Hund von Anfang beibringen: Erst, wenn du ruhig bist, kriegst du am Ende den Keks. Wenn du ihn aufgeregt einforderst, kriegst du ihn nicht.“

Sobald Ihr Hund die Abläufe gut verstanden hat, lassen Sie das Leckerli weg. Er sollte nunmehr auf Ihren Fingerzeig in Kombination mit dem Signal reagieren. Nach jeder Übung sollte es eine Belohnung geben. Das können Sie natürlich irgendwann reduzieren, wenn Ihr Hund gut gehorcht.

So trainiert man „Platz!“

„Ihr Hund sollte ‚Sitz‘ idealerweise bereits beherrschen, bevor Sie mit ‚Platz‘ beginnen“, sagt Sporrer. Das Vorgehen ist im Prinzip aber ähnlich: Sie nehmen einen Hundekeks zwischen Daumen und Zeigefinger, sodass der Hund nicht rankommt. Dann führen Sie Ihre Hand mit dem Keks von der Nasenspitze des Hundes geradewegs nach unten zum Boden – die flache nach unten gerichtete Hand ist das sogenannte Sichtsignal. Legt der Hund sich hin, sagen Sie: „Platz!“ und geben ihm dann sein Leckerli.

Bei allen Signalen geht es zunächst darum, es in einer ablenkungs- und störungsfreien Umgebung zu üben. Sorgen Sie für eine ruhige Atmosphäre zu Hause. Sobald Ihr Hund die Übung beherrscht, können Sie Reize hinzufügen, beispielsweise üben Sie das Vorgehen als Nächstes vor dem Haus.

„Üben Sie die Signale nach und nach in unterschiedlichen Ablenkungsbereichen, etwa vor dem Bäcker, um das Erlernte zu generalisieren“, so Conny Sporrer. „Gut erlernte Grundsignale sollten zu jeder Zeit an jedem Ort abrufbar sein.“

So trainiert man „Bleib!“

Je nachdem, ob Sie zuerst das „Sitz“ oder das „Platz“ üben, sollten Sie als Nächstes das „Bleib“ in Angriff nehmen. Es ist der zweitwichtigste Befehl. Um es Ihrem Hund beizubringen, sollten Sie möglichst kleinschrittig vorgehen.

„Wenn Ihr Hund beispielsweise sitzt und seinen Keks bekommen hat, sagen Sie ‚Bleib‘ und signalisieren das mit einer flachen Stop-Hand. Dann können Sie einen kleinen Wiegeschritt machen“, erklärt Conny Sporrer. „Verharrt Ihr Hund, gehen Sie unbedingt zu ihm zurück und geben ihm ein weiteres Leckerli. Falls es nicht klappt, wiederholen Sie die Übung und erleichtern Sie die Schwierigkeit.“

Viele Hunde wollen instinktiv folgen, müssen aber lernen, dass sie es nicht immer dürfen. Klappt es, dass Sie einen ganzen Schritt machen und der Hund bleibt, gehen Sie buchstäblich einen Schritt weiter. Kann Ihr Hund es aushalten, dass Sie sich entfernen, ohne dass er aufspringt? Super, dann können Sie sich nun auch abgewandt vom Hund entfernen oder auch kurz um die Ecke gehen.

Sie müssen sich das „Bleib“ tatsächlich Schritt für Schritt erarbeiten. Wichtig ist hierbei, dass Sie zu Ihrem Hund zurückkehren, um ihm sein Leckerli zu geben. Rufen Sie ihn nicht zu sich: „Dann wird der Hunde denken, er bekommt seine Belohnung dafür, dass er zu Ihnen gelaufen kommt“, weiß Conny Sporrer. „Und das wollen wir in diesem Fall nicht. Der Hund muss wissen, dass es sich lohnt, am Ort zu bleiben.“

Die nächste Hürde für Ihren Hund ist es, liegen oder sitzen zu bleiben, wenn ein Leckerli auf dem Boden lockt. Sagen Sie ihm „Bleib“ und entfernen Sie sich ein wenig. Dann legen Sie das Leckerli in Sichtweite des Hundes auf den Boden, sagen erneut „Bleib“ und warten kurz. Falls er das ausgehalten hat, nehmen Sie das Leckerli auf und bringen es ihm.

Sollte all das zu Hause gut klappen, können Sie draußen weiterüben, etwa dass Ihr Hund nicht zu einem anderen Hund hinrennt. „Integrieren Sie alle Signale auch in Alltagssituationen. Denn dafür üben Sie ja“, so die Hunde-Expertin.

So trainiert man „bei Fuß!“

Das „bei Fuß“ beziehungsweise „Hier“ ist eine der wichtigsten aber auch schwierigsten Aufgaben für Ihren Hund, weil es in den meisten Fällen bedeutet, dass er etwas, das er spannend findet, sein lassen oder unterbrechen muss, um zu Ihnen zu kommen. „Deshalb braucht es für dieses Signal auch eine besonders tolle Belohnung, ein echtes Highlight, etwa Hundeleberwurst aus der Tube“, empfiehlt Conny Sporrer.

Für alle Grundsignale gilt: Machen Sie nicht viele Worte! Das eine Wort muss reichen. Beim „Hier“ müssen Sie zunächst die Aufmerksamkeit Ihres Hundes bekommen. „Locken Sie ihn mit Worten und Gesten“, rät die Expertin. „Rufen Sie seinen Namen, klatschen Sie in die Hände. Sagen Sie ‚Hier‘ aber erst, wenn er tatsächlich sicher auf dem Weg zu Ihnen ist. So lernt der Hund am schnellsten.“

Gehen Sie gute zwei Wochen so vor, danach sollte das Signal etabliert sein. Er sollte durch den Konditionierungsprozess vorher nun darauf hören, ohne eigens gelockt zu werden.

Fazit

Um einem Hund Befehle beizubringen, muss man viel Geduld haben und konsequent sein. Sie als Frauchen oder Herrchen geben die Regeln vor. Beim Training sollten Sie mit Futter-Belohnungen arbeiten, die aber erst gegeben werden, wenn der Hund das erforderte Signal erwartungsgemäß ausgeführt hat.

Üben Sie anfangs nur drinnen und verlagern das Training erst dann nach draußen, wenn es drinnen gut klappt. Erwarten Sie auch nicht zu viel auf einmal, sondern trainieren Sie ein Signal nach dem anderen. Und denken Sie immer daran: Erziehung funktioniert nur mit Beziehung. Sorgen Sie also dafür, dass Ihr Hund Sie als Führungs- und Vertrauensperson sieht.

Conny Sporrer: So isser brav!, Riva Verlag, 208 Seiten, 15 Euro

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner