Zwei Jahre lang griff ein Berliner Zollbeamter in die Bundeskasse. 1,4 Millionen Mark ergaunerte sich Uwe B., scheffelte das Geld auf sein eigenes Konto. Jetzt wurde gegen ihn Anklage erhoben.Der 41jährige war Beamter beim Zoll, arbeitete in der Bundeskasse. Dort werden Geldbeträge des Bundesfinanzministeriums an das Land Berlin "zwischengelagert". Uwe B. hatte als Sachbearbeiter täglich mit riesigen Summen zu tun, verwaltete Millionen. Selbst verdiente er zwischen 3 000 und 4 000 Mark. Als ihm die Gelegenheit günstig erschien, griff er zu und schrieb Überweisungen für sein privates Konto aus. Die Belege schmuggelte er dann in den Stapel, den sein Chef täglich unterschreiben mußte. Von 1992 bis Ende 1993 hatte er so 1,4 Millionen Mark beiseite geschafft. Und keiner hatte etwas bemerkt. Selbst bei den jährlichen Revisionen blieb die unterschlagene Summe mehr als drei Jahre unentdeckt. Offenbar hatte Uwe B. eine Lücke gefunden, so daß sein Trick nicht auffiel. Wendewirren ausgenutzt "Die Buchungen werden nach einem komplizierten System verwahrt", erklärt Ulrich Job, leitender Mitarbeiter der Bundeskasse. Verschiedenste Zahlungen in großem Umfang gehen jeden Tag über die Schreibtische der Mitarbeiter. Gerade in der Übergangszeit nach der Wende seien oft hohe Summen ein- und ausgezahlt worden, sagte Job. Nicht immer habe gleich festgestanden, woher oder wohin das Geld gekommen sei. Wenn also einige Beträge nicht eingeordnet werden konnten, sei dies nichts Ungewöhnliches gewesen. Meist hätte sich das später aufgeklärt. Ahnungslos unterschrieb der Vorgesetzte des diebischen Mitarbeiters alle Belege.Und der Sachbearbeiter wähnte sich in Sicherheit. Von den 1,4 Millionen soll er sich erst eine Eigentumswohnung, dann ein Haus in Brandenburg gekauft haben. Den Rest legte er auf der Bank an - in Bundesschatzbriefen. Erst im Herbst 1995 flog der Schwindel auf: eine Prüfungskommission kam Uwe B. auf die Schliche. "Obwohl es Kontrollgremien gibt, kann man solche Fälle nie ganz ausschließen", so Ulrich Job. Der Sachbearbeiter habe sich "sehr geschickt angestellt und viel kriminelle Energie" entwickelt. Nun will das Bundesfinanzamt die Sicherheitslücken innerhalb der Behörde schließen. Haft oder Geldstrafe Der 41jährige hat inzwischen gekündigt, Geld, Haus und Grundstück soll er zurückgegeben haben. Ihm drohen wegen Veruntreuung als Höchststrafe fünf Jahre hinter Gittern, sagte Justizsprecher Rüdiger Reiff. Wenn er aus einer Notsituation heraus gehandelt hätte, beispielsweise um Spielschulden zurückzuzahlen, könnte dies seine Strafe mildern, so Reiff. Im Sommer soll der Prozeß vorm Landgericht eröffnet werden. +++
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