Weltfußball

Nordische Verbände stellen sich geschlossen gegen Fifa-Chef Infantino

Sechs Verbände fordern verbindliche Garantien gegen private Investoren bei Fifa-Wettbewerben und verlangen eine unabhängige Prüfung der Führungsstrukturen des Weltverbands.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Norwegens Verbandspräsidentin Lise Klaveness gehört seit Jahren zu den prominentesten Kritikern von FIFA-Chef Gianni Infantino.

Norwegens Verbandspräsidentin Lise Klaveness gehört seit Jahren zu den prominentesten Kritikern von FIFA-Chef Gianni Infantino.

© Marius Simensen/imago

Die Fußballverbände Schwedens, Norwegens, Dänemarks, Finnlands, Islands und der Färöer haben Fifa-Präsident Gianni Infantino gemeinsam das Vertrauen entzogen. In einer am Sonntag vom schwedischen Fußballverband SvFF veröffentlichten Erklärung heißt es, die sechs nordischen Verbände sähen die Führung und Entscheidungsfindung des Weltverbands auf höchster Ebene mit großer Sorge.

Die gemeinsame Position war nach Angaben des SvFF bei einem Treffen der nordischen Verbände in Helsinki abgestimmt worden, bei dem die Fifa und die Entwicklungen der vergangenen Wochen auf der Tagesordnung standen.

Forderung nach bindenden Garantien

Die Verbände verlangen von der Fifa verbindliche Zusicherungen, dass die Führung des Verbands und seine Wettbewerbe nie wieder für private Eigentümer geöffnet würden. Zudem unterstützen sie eine Forderung der Kontinentalverbände AFC (Asien), Concacaf (Nord- und Mittelamerika) und Uefa (Europa) nach einer vollständig unabhängigen externen Untersuchung der Vorgänge rund um den Vorschlag „Fifa Forward Enterprise“.

Die nordischen Verbände stellten sich ausdrücklich hinter die Uefa und die von ihr sowie ihren Mitgliedsverbänden vorgeschlagenen Maßnahmen.

Darüber hinaus rufen die sechs Verbände die Fifa auf, eine umfassende und unabhängige Überprüfung ihres Regelwerks für die Verbandsführung einzuleiten. Diese Prüfung solle klären, ob das Regelwerk die Unabhängigkeit, die Kontrollmechanismen, die Transparenz und die Rechenschaftspflicht sicherstelle, die bei der Verabschiedung des Reformprogramms 2016 beabsichtigt gewesen seien.

Das Reformpaket war die Antwort der Fifa auf die damalige Vertrauenskrise. Ein außerordentlicher Kongress beschloss unter anderem Amtszeitbegrenzungen, eine Trennung von politischen und geschäftsführenden Funktionen, strengere Wählbarkeitsprüfungen und mehr unabhängige Kontrolle.

Streit um private Investoren

Hintergrund der Erklärung sind nach Darstellung der schwedischen Zeitung Aftonbladet Infantinos Pläne für den Verkauf von Anteilen an der Fußball-Weltmeisterschaft an private Investoren. Nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters sah der Vorstoß vor, eine Tochtergesellschaft im Wert von 20 Milliarden US-Dollar zu gründen und daran bis zu 20 Prozent an Finanzinvestoren zu verkaufen, um 4,2 Milliarden US-Dollar einzunehmen.

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Die Uefa hatte daraufhin unter anderem mit einem Boykott des Turniers gedroht. Infantino zog den Plan nach dem Rücktritt seines Beraters Carlos Cordeiro zurück, der das Vorhaben als schlechtes Geschäft für den Fußball bezeichnet hatte. Anfang August stellte sich die Fifa-Geschäftsleitung nach einer Krisensitzung in Rabat demonstrativ hinter Infantino und räumte erstmals Fehler beim Umgang mit dem Investorenmodell ein.

Wachsender Druck vor der Präsidentenwahl

Der Druck auf den Fifa-Präsidenten wächst auch über die nordischen Verbände hinaus. Der schwedische Verband hatte bereits Anfang August erklärt, Infantino bei einer möglichen Wiederwahl nicht zu unterstützen. Der schottische Fußballverband kündigte laut Sky News an, bei der Präsidentenwahl am 18. März 2027 nicht für Infantino zu stimmen.

Der kanadische Premierminister Mark Carney erklärte, er habe kein Vertrauen mehr in den Fifa-Chef. Die Menschenrechtsorganisation FairSquare forderte das Governance-Komitee der Fifa auf, Infantino für eine vierte Amtszeit für nicht wählbar zu erklären.

Rückhalt erhält er weiterhin aus den Verbänden Afrikas und Südamerikas sowie von US-Präsident Donald Trump. Ein Gegenkandidat ist bislang nicht bekannt.

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