Weltraumforschung

Europa und China starten gemeinsame Mission gegen Sonnenstürme

Sonnenstürme können Satelliten beschädigen und Stromnetze lahmlegen. Der neue SMILE-Satellit von ESA und China soll die gefährlichen Teilchenströme künftig besser vorhersagbar machen.

Lea Brüggemann
Lea Brüggemann
3 Min
Der SMILE-Satellit wurde vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana, in die Umlaufbahn gebracht.

Der SMILE-Satellit wurde vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana, in die Umlaufbahn gebracht.

© Ronan Lietar/AFP

Der gemeinsam von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) und der Europäischen Weltraumorganisation (ESA) entwickelte Satellit SMILE (Solar wind Magnetosphere Ionosphere Link Explorer) ist am Dienstag mit einer Vega-C-Rakete vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana ins All gestartet. Laut der staatlichen chinesischen Nachrichtenagentur Xinhua trennte sich der Satellit knapp 57 Minuten nach dem Start von der Oberstufe.

Die Mission soll laut Xinhua das Zusammenspiel zwischen Sonnenwind und Erdmagnetosphäre untersuchen – jener Schutzhülle, die die Erde vor geladenen Teilchen der Sonne abschirmt. Wang Chi, Direktor des National Space Science Center (NSSC) und chinesischer Leitwissenschaftler der Mission, erklärte, bisher hätten Forschende nur lokale Messungen vornehmen können: „Bislang sahen wir nur die Bäume, nicht den Wald.“

Wie das Branchenmagazin SpaceNews berichtet, soll der 2200 Kilogramm schwere Satellit über die kommenden Wochen eine stark elliptische Umlaufbahn mit einem Apogäum von rund 121.000 Kilometern über dem Nordpol erreichen. Von dort aus könne SMILE während jedes 51-stündigen Orbits 45 Stunden lang kontinuierlich Polarlichter und Magnetosphäre beobachten.

An Bord befinden sich laut SpaceNews vier Instrumente: ein Soft-X-Ray-Imager (SXI) der britischen Universität Leicester, ein Ultraviolett-Auroraimager (UVI), ein Ionenanalysator und ein Magnetometer. Der SXI nutze sogenannte Hummeraugen-Optik und auf minus 120 Grad Celsius gekühlte CCD-Sensoren, um Ladungsaustausch-Emissionen zwischen Sonnenwind und neutralen Atomen abzubilden.

Exportkontrollen und Pandemie verzögerten den Start

ESA-Wissenschaftsdirektorin Carole Mundell betonte laut SpaceNews bei einer Pressekonferenz vor dem Start die Bedeutung der Mission: „Zum ersten Mal werden wir Ursache und Wirkung verstehen können.“ Geomagnetische Stürme hätten in der Vergangenheit Stromnetze lahmgelegt; eine Wiederholung des Carrington-Ereignisses von 1859 würde heute Billionenschäden verursachen.

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Die Aufgabenteilung ist laut Xinhua paritätisch geregelt: China verantwortet Plattform, Telemetrie und Bodenstationen, Europa lieferte Nutzlastmodul, Trägerrakete und Startplatz. Die wissenschaftlichen Daten sollen weltweit offen geteilt werden.

Dai Lei, Chefdesigner des SMILE-Anwendungssystems am NSSC, verwies gegenüber Xinhua auf die zehnjährige Annäherung an ESA-Teststandards. SpaceNews nennt zudem Verzögerungen durch Exportkontrollen 2020 und die Corona-Pandemie. Mundell sagte laut SpaceNews: „Wir haben gelernt, die Sprache des jeweils anderen zu sprechen.“

Die wissenschaftliche Beobachtungsphase soll laut Xinhua nach 42 Tagen Bahnmanövern und zwei Monaten Inbetriebnahme beginnen und drei Jahre dauern.

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