Auch nach vier Ligasiegen in Folge will Kapitän Fabian Reese sich noch nicht allzu sehr mit der Tabelle auseinandersetzen. „Einer hat mich gerade gefragt, wo wir gerade wären in der Tabelle. Ich weiß es nicht“, sagte der 27-Jährige nach dem etwas mühsamen 1:0 von Hertha BSC gegen Eintracht Braunschweig. „Da gucke ich nicht drauf, ist zu schlecht noch“, scherzte Reese. Zu sehen wäre dort, dass der Aufstiegskandidat nach einem verkorksten Saisonstart in der 2. Fußball-Bundesliga wieder absolut in Reichweite der Spitze ist.
Insgesamt fünf Pflichtspiele hintereinander haben die Berliner gewonnen, alle ohne Gegentor. Eine solche Siegesserie gab es für den Hauptstadtklub seit 2001 nicht mehr. Die Mannschaft von Trainer Stefan Leitl hat eine neue Stabilität gefunden. Eine schwache erste Halbzeit wirft das Team nicht mehr aus der Bahn. Knappe Führungen werden nicht mehr aus der Hand gegeben. „Klar unter Arbeitssieg einzuordnen, das ist die neue Qualität“, sagte Sportdirektor Benjamin Weber. „Es geht um die Dinge, auch wenn es sich langweilig anhört, die die Zweite Liga erfordert. Das ist: Verteidigen, Intensität auf den Platz bekommen.“
„Dreckige Siege“ sind auch eine Leistung
Auch Geschäftsführer Peter Görlich hob das hervor. „So landläufig am Stammtisch würde man sagen, der dreckige Sieg, noch mit so ein bisschen Glück“, sagte er. „Aber das hat auch mit Leistung zu tun, bei sich zu bleiben und klar zu bleiben und die Prinzipien beizubehalten. Auch das ist eine Leistungskomponente. Diese Mannschaft findet sich immer mehr und arbeitet unheimlich intensiv. Wir glauben an uns, kennen unsere Stärken und richten uns an diesen immer wieder auf – so bekommen wir eine gewisse Konstanz rein. Es macht aktuell viel Spaß, ist aber nur eine Momentaufnahme. Das nächste Spiel folgt.“
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Es wird gerne als Kern-Qualität von Spitzenmannschaften gesehen, auch dann zu gewinnen, wenn die Tagesform nicht die beste ist. In der ersten Hälfte taten sich die Berliner gegen den Abstiegskandidaten aus Niedersachsen schwer und hätten sich über einen Rückstand nicht beschweren können. „Aber trotzdem war es wieder ein relativ erwachsener Auftritt heute von uns und dann am Ende das Quäntchen besser als der Gegner“, sagte Reese. „Man kann nicht immer furios spielen, aber wichtig ist, dass man kontinuierlich punktet.“
Leitl sah das schwere Spiel, das er erwartet hatte, und stellte in der Pause etwas um. „Für uns war schon entscheidend, dass wir eine bisschen andere Positionierung im Mittelfeld vornehmen“, sagte der 48-Jährige. Diego Demme und Paul Seguin stellten sich anders auf und so entstand letztendlich auch der Siegtreffer durch Marten Winkler, der einen geduldigen Spielzug über Seguin und Reese per Kopfball vollendete.
Ein Manko gibt es bei Hertha BSC noch
Dass Hertha BSC dann am Ende doch noch zittern musste, lag an einem nach wie vor bestehenden Problem. „Wir müssen einfach viel früher das zweite Tor machen“, sagte Weber. Wie schon in Kaiserslautern oder gegen Münster ließen die Berliner gute Chancen aus und spielten viele Angriffe nicht gut zu Ende.
„Das ist unser Manko so ein bisschen, dass wir dann den Sack nicht zumachen“, sagte Reese. So hatte es der Hauptstadtklub dem VAR zu verdanken, dass Schiedsrichter Michael Bacher einen zunächst gepfiffenen Handelfmeter für Braunschweig nach Blick auf die Videobilder kurz vor Schluss zurecht doch nicht gab. Am kommenden Sonnabend geht es für Hertha in Reeses Heimat Kiel (13 Uhr/Sky) weiter. Dazu hat der Kapitän auch noch Geburtstag. „In den 90 Minuten, so ist die Floskel, ruht natürlich die Freundschaft“, sagte Reese.
Nur die sprichwörtliche Kirsche auf der Torte bleibt ihm verwehrt. Wegen der Englischen Woche und des Pokalspiels gegen Kaiserslautern kann er nicht im Norden bleiben, um seine über 90 Jahre alte Großmutter noch zu besuchen. „Die obligatorische Schwarzwälder Kirschtorte hätte sie mir gebacken, aber dann machen wir es nächstes Jahr, die wird ja eh 100“, sagte er.
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