Es sind Fotos von jungen Leuten, die im Seniorenzentrum Wuhlepark hängen. Im Flur der achten Etage ist eine ganze Wand mit Schwarz-Weiß-Bildern gestaltet. Und es sollen noch viel mehr werden.Es sind keine Poster von Schauspielern, Sängern oder irgendwelchen VIPs, sondern Aufnahmen der Bewohner. Bilder aus vergangenen Zeiten. Da ist die Mutter, die sich mit weichem Lächeln zu ihrem Säugling beugt - ein wenig ähnelt sie einer Madonna. Da ist die Straßenbahnschaffnerin, auf dem Revers ihrer Uniform ist das silberne Signet einer Tram zu sehen. Ein muskulöser Matrose guckt kühn in die Kamera: Was kostet die Welt? Er macht sich keine Sorgen darum. Eine junge Schönheit hat große braune Augen und unsagbar lange Wimpern, eine flotte Ponyfrisur und eine Perlenkette um den Hals.Nur selten steckt eine aktuelle Aufnahme unter den historischen Bildern wie bei der jungen Frau mit der 50er-Jahre-Frisur. Das Farbfoto zeigt sie fast ein Leben später: Die blonden Haare sind dem Weiß gewichen, in dem einst so faltenlosen Gesicht sind die Spuren der Zeit nicht zu übersehen. Und doch: Den Blick von damals, ein wenig spitzbübisch, hat sie immer noch drauf.Die Bewohner des Hauses sind alt geworden, die Fotowand zeigt sie so, wie sie in ihren besten Jahren waren. Kein Gedanke an Krückstock und Rollator, eher an Rock'n'Roll oder Twist. Jetzt sind sie schon lange Rentner und brauchen für ihren Alltag Unterstützung von Pflegekräften. Manchmal bleiben die Alten vor den Bildern von damals stehen. Dann erinnern sie sich an ihre Jugend - so wie sie waren. Und manchmal lächeln sie dann. Für einen kurzen Moment sind sie nicht mehr Oma und Opa, sondern wieder das junge Mädchen oder der flotte Bursche von einst. Es ist tröstlich: Ein Stück Jugendlichkeit bewahren wir uns wohl alle, auch wenn wir es nicht immer zeigen.
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