Im ehemals geteilten Dorf Mödlareuth haben am 3. Oktober zahlreiche Menschen den Tag der Deutschen Einheit gefeiert. An dem symbolträchtigen Ort, an der heutigen Grenze zwischen Bayern und Thüringen – einst zwischen DDR und BRD –, fanden gleich mehrere Veranstaltungen statt. Das traditionelle Deutschlandfest der CSU, eine Kundgebung der AfD und ein zivilgesellschaftliches „Fest für Demokratie“ sowie ein umfangreiches Programm des Deutsch-Deutschen Museums sorgten dafür, dass der kleine Grenzort zu einer Herzkammer der Feiern zur Deutschen Einheit wurde. Die Veranstaltungen auf engstem Raum machten sehr unterschiedliche Sichtweisen auf den Zustand Deutschlands sichtbar.
Beim Deutschlandfest der CSU traten Bayerns Ministerpräsident Markus Söder und sein Thüringer Amtskollege Mario Voigt (CDU) auf. Söder erinnerte an die Leistung der Menschen in der ehemaligen DDR, die 1989 auf die Straße gegangen seien und die Friedliche Revolution ermöglicht hätten. „Wir sind auch dankbar, dass zugleich Menschen aus Sachsen und Thüringen nach der Wiedervereinigung nach Bayern gezogen sind, die hier zum wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Erfolg beigetragen haben“, so Söder.
Kernige Reden und Hymnenpflege: Markus Söder (Mitte l., CSU), Ministerpräsident von Bayern, Mario Voigt (Mitte r., CDU), Ministerpräsident von Thüringen, und Tom Unger (2.v.r, CDU), Generalsekretär der CDU Sachsen, beim Deutschlandfest der CSU in Mödlareuth.
© Pia Bayer/dpa
Deutschland sei ein freies Land, in dem es sich besser leben lasse als in den meisten Teilen der Welt, sagte Söder. Zugleich kritisierte er eine aus seiner Sicht verbreitete Unzufriedenheit und negative Grundhaltung. Deutschland dürfe nicht ständig schlechtgeredet werden. „Etwas mehr Stolz, etwas mehr Optimismus, etwas mehr Patriotismus braucht unser Land, auch am Tag der Deutschen Einheit“, forderte der CSU-Vorsitzende. Bayern, Sachsen und Thüringen bezeichnete er als miteinander verbundenen „Freistaatenverbund“.
Mario Voigt stellte den gesellschaftlichen Zusammenhalt in den Mittelpunkt seiner Rede. „Deutschland, einig Vaterland, braucht keine Ostalgie. Wir brauchen Klartext“, sagte der Thüringer Ministerpräsident. Deutschland brauche kein Gegeneinander, sondern Vertrauen in die Fähigkeiten seiner Bürger. Es gehe darum, an die Kraft des Landes und die Stärke der Menschen zu glauben und ihnen Verantwortung zuzutrauen. Mit Blick auf die AfD und deren Verhältnis zu Russland erklärte Voigt, Deutschland habe bereits erlebt, dass aus Moskau Anweisungen erteilt worden seien. Das Land müsse sein Schicksal selbst bestimmen.
Ein Stück Mauer mitten in Deutschland: Gedenken und Einheitsfest in „Little Berlin“
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AfD regt Mauerbau um ganz Berlin an
Nur wenige Meter entfernt veranstaltete die AfD ein eigenes Deutschlandfest. Dabei zeichneten ihre Redner ein deutlich düstereres Bild der Bundesrepublik. Die Vorsitzende der AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag, Katrin Ebner-Steiner, verglich politische Sprache und Methoden im heutigen Deutschland mit der DDR. Die Bundesrepublik sei ihrer Ansicht nach „manchmal kaum noch von der Endphase der DDR zu unterscheiden“. Sie warf den etablierten Kräften vor, die Opposition zu kriminalisieren und ihre Macht mit ähnlichen Methoden sichern zu wollen.
Katrin Ebner-Steiner, Vorsitzende der AfD-Fraktion im Bayerischen Landtag (hier bei einer Veranstaltung in Gillamoos), gab auch in Mödlareuth am Einheitstag zu Protokoll, dass die Sprache der Regierenden heute an die späte DDR erinnere.
© Sven Hoppe/dpa
Der bayerische AfD-Landesvorsitzende Stephan Protschka sprach von einem Niedergang Deutschlands. Besonders scharf äußerte er sich über Berlin und den politischen Einfluss der Linkspartei. Mit Blick auf die Hauptstadt ließ er sich zu einer doch recht kernigen Aussage hinreißen: Man könne ja wieder eine Mauer um Berlin bauen; die Steine dafür seien noch vorhanden.
Buntes Bündnis gestaltet eigenes Einheitsfest
Einen Gegenpol bildete das Bündnis „Mödlareuth grenzenlos bunt“. Mehrere Vereine, Gewerkschaften, Kirchen und Initiativen aus Bayern, Sachsen und Thüringen warben dort für eine offene, vielfältige und inklusive Gesellschaft. Gewerkschafter forderten gleichen Lohn in Ost und West, Geistliche gestalteten eine ökumenische Andacht. Auch Politiker von Grünen und SPD beteiligten sich. Die bayerische SPD-Vorsitzende Ronja Endres kritisierte die von der AfD verbreitete schlechte Stimmung. Sie könne nicht nachvollziehen, von welchem Deutschland deren Vertreter sprächen.
Frühere Generationen hätten das Land aufgebaut, für Rechte gekämpft und eine stabile demokratische Ordnung geschaffen. Trotz der wirtschaftlichen Probleme gehöre Deutschland weiterhin zu den größten Volkswirtschaften der Welt, der Lebensstandard liege deutlich höher als zur Zeit der Wiedervereinigung.
Auf dem Gelände des Deutsch-Deutschen Museums in Mödlareuth hatte ein buntes Bündnis auch dieses Schild aufgestellt. Anlässlich des Tags der Deutschen Einheit fanden in dem ehemals geteilten Ort, der auch als "Little Berlin" bekannt ist, mehrere Veranstaltungen statt.
© Pia Bayer/dpa
Parallel zu den politischen Veranstaltungen erinnerte das Deutsch-Deutsche Museum mit Vorträgen, Filmen, Ausstellungen und Führungen an die Geschichte Mödlareuths. Das kleine Dorf war während der deutschen Teilung wie Berlin durch eine Mauer getrennt. Ein Teil gehörte zur DDR, der andere zur Bundesrepublik. Als „Little Berlin“ wurde Mödlareuth international bekannt. Besucher konnten unter anderem die erhaltenen Sperranlagen und den Grenzturm Heinersgrün besichtigen.
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