Große Sprachen sollten nett zu kleinen Sprachen sein. Sie sollten ihnen zuhören, denn kleine Sprachen haben genauso viel zu sagen wie die großen. Stattdessen setzen die großen Sprachen die kleinen gern an den Katzentisch, nicken ihnen flüchtig zu und beschäftigen sich dann wieder mit sich selbst.Was aber soll eine kleine Sprache sagen, wenn die großen Sprachen endlich mal so nett sind, ihm zuzuhören? Soll die kleine Sprache dann trotzig aufstampfen und jammern, dass man ihr ja eh nie zuhört? Dass die vielen Stimmen der kleinen Sprache die Ohren der großen Sprache ja doch nicht interessieren? Und dass das auch immer, immer so bleiben wird?Etwa so hatte der Katalane Quim Monzo, Autor einer ziemlich kleinen Sprache, seine Rede auf der Internationalen Frankfurter Buchmesse gehalten, die am Dienstag abend eröffnet wurde und wo Katalonien dieses Jahr Schwerpunkt ist. Die Rede verstand sich als witzige Karikatur eines inhaltsleeren Rituals, samt Hinweis, auch diese Messe werde nichts daran ändern, wie unbekannt die katalanische Literatur sei. Denn es gehe ja doch kaum ein Messebesucher in den Länderpavillon.Im Pavillon KataloniensDas haben wir dann, schon aus schierem Trotz, natürlich getan. Von der Decke hängen stilisierte Bücher, samtige Ohrensessel stehen herum, ein bisschen wie bei Starbuck's, daneben klärt eine kalte Rotunde über die Geschichte des katalanischen Verlagswesens auf: Über alte Größe, spätere Unterdrückung und neuen Aufstieg. Das belegen die ausgestellten Bücher - etwa eine Hölderlinübersetzung von Carles Riba, 1943 in Barcelona erschienen, aber mit dem Aufdruck Buenos Aires, um die Zensur zu umgehen.Dahinter unterhalten sich gerade, natürlich auf Katalanisch, vier Autoren aus Benin, Tschechien, Slowenien, London. Es wirkte wie eine gelungene Inszenierung einer geheimen Weltsprache!Zum Messepavillon gibt es auch eine Katalonienzeitung, in der uns der nämliche Quim Monzó, außer Schriftsteller auch Kriegsberichterstatter, Radiomoderator und Cartoonzeichner, Spannendes von früheren Frankfurt-Besuchen erzählt. Wie zum Beispiel sein deutscher Verleger Joachim Unseld mit ihm das Ende seiner Junggesellenzeit gefeiert habe, samt Vernichtung der Fotos verflossener Freundinnen.Eine Messezeitung haben auch die Chinesen dieses Jahr (die Schlagzeilen lauten etwa: "Lesen schafft soziale Harmonie"). Sie werden 2009 Gastland der Messe sein. Ihren Messeauftritt hat die Volksrepublik schon mal stark ausgebaut. Überall findet man Hinweise auf die Olympischen Spiele 2008. Dafür gibt es auch schon einen Sprachführer, mit Vokabular für jede Sportart: "Verdecktes Service, Annahmefehler, Vorhand-Schmetterschlag", um nur das ortsübliche Tischtennis als Beispiel zu nehmen.Das gibt es in schon in einigen Sprachen zu lesen, für Spanier allerdings nur auf Kastilisch. Aber sind neben den Sprachen Chinas nicht alle Sprachen, auch die, die sich groß fühlen, in Wahrheit winzig klein?
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