Archäologie

Grabung bei Pozières: Archäologen rekonstruieren blutige Schlacht von 1916

An der Somme stießen australische Forscher auf einen bislang unbekannten Schützengraben und Reste deutscher Geschützstellungen aus dem Ersten Weltkrieg.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Das australische Nationaldenkmal von Villers-Bretonneux erinnert an australische Soldaten, die im Ersten Weltkrieg an der Westfront fielen.

Das australische Nationaldenkmal von Villers-Bretonneux erinnert an australische Soldaten, die im Ersten Weltkrieg an der Westfront fielen.

© andia/imago

Mehr als ein Jahrhundert nach der Schlacht von Pozières im Norden Frankreichs haben Archäologen neue Spuren eines der verlustreichsten Gefechte der australischen Militärgeschichte dokumentiert.

Wie die Flinders University aus dem südaustralischen Adelaide am Montag mitteilte, stieß das Grabungsteam bei Copse Alley nahe dem Dorf Contalmaison auf einen bisher nicht verzeichneten Schützengraben sowie auf Reste deutscher Geschützstellungen aus dem Jahr 1916.

Elf scharfe Handgranaten geborgen

Zu den Funden zählen nach Angaben der Universität elf scharfe Handgranaten, ein Gewehr und mehrere Gewehrteile, eine Spitzhacke, zwei Schaufelblätter, eine Feldflasche sowie ein Nachrichtenkabel. Hinzu kämen große Mengen an Artilleriesplittern, Schrapnellkugeln und Granatresten.

„Das Ausmaß des geborgenen Materials war außergewöhnlich“, sagte der leitende Archäologe Daryl Wesley von der Flinders University laut Mitteilung. Der Sektor habe damals stärker unter Beschuss gelegen, als die Forscher erwartet hatten.

Ziel des im Juli gestarteten Vorhabens Project Pozières war es, die ersten 48 Stunden des australischen Angriffs zu rekonstruieren und die Stellungen zu lokalisieren, die das 11., 9. und 1. Bataillon im Juli 1916 einnahmen. Dazu zählt nach Angaben der Universität auch eine Stellung mit ehemals belgischen Haubitzen, die im Kriegstagebuch des 11. Bataillons verzeichnet ist.

Industrialisierter Stellungskrieg

Australien gehörte damals zum Britischen Empire und war deshalb 1914 an der Seite Großbritanniens in den Krieg gegen Deutschland eingetreten. Ab 1916 kämpften australische Truppen an der Westfront in Frankreich und Belgien. Die Kämpfe um Pozières waren Teil der alliierten Somme-Offensive von 1916.

Das Dorf lag auf einem strategisch wichtigen Höhenzug, von dem aus sich die deutschen Stellungen bei Thiepval bedrohen ließen. In den mehrwöchigen Gefechten zwischen dem 23. Juli und dem 5. September 1916 erlitten die drei eingesetzten australischen Divisionen laut Flinders University rund 23.000 Verluste, darunter Tote, Verwundete und Vermisste. 6700 Soldaten kamen demnach ums Leben.

Die Somme wurde 1916 zum Inbegriff des industrialisierten Stellungskriegs. Zwischen Juli und November kamen Briten, Franzosen und Deutsche trotz massiven Artillerieeinsatzes nur wenige Kilometer voran. Mehr als eine Million Soldaten wurden getötet, verwundet oder vermisst, allein die britische Armee verlor am ersten Angriffstag rund 57.000 Mann.

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Der wissenschaftliche Leiter Andrew Wilkinson erklärte, die physischen Funde deckten sich weitgehend mit historischen Aufzeichnungen, hätten aber auch unerwartete Details wie den zusätzlichen Schützengraben zutage gefördert. Das geborgene Gewehr soll nach Angaben der Universität möglichst einer Einheit oder einem einzelnen Soldaten zugeordnet werden.

An dem Forschungsvorhaben beteiligten sich 20 Fachleute aus Australien, Frankreich, Großbritannien und Neuseeland. Für 2027 sind weitere Grabungen im Rahmen des Project Warhorse geplant.

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