Der Osten bekommt heute Abend die kleinste Portion. Während in Freiburg 90,3 Prozent der Sonne hinter dem Mond verschwinden, sind es auf Rügen nur 83,8 Prozent – der niedrigste Wert in ganz Deutschland.
Ärgerlich? Kaum. Der Unterschied zwischen 84 und 90 Prozent ist mit bloßem Auge nicht zu erkennen. Was zählt, ist etwas anderes: ein freier Blick nach Westnordwesten.
Denn die Finsternis findet praktisch am Horizont statt. In Dresden steht die Sonne im Maximum noch 2,3 Grad hoch, in Cottbus 2,4 Grad. Eine Faust am ausgestreckten Arm deckt zehn Grad ab. Eine Pappel reicht also völlig aus, um den ganzen Abend zu ruinieren.
Sonnenfinsternis heute: Uhrzeiten für Berlin, Dresden, Leipzig
Das Ereignis läuft im Osten fast überall gleichzeitig ab, die Unterschiede betragen Minuten. Alle Zeiten in MESZ, berechnet nach den Daten von Sterngucker.de.
Berlin: Beginn 19.15 Uhr, Maximum 20.08 Uhr, 84,8 Prozent bedeckt, Sonnenhöhe 3,3 Grad, Untergang 20.38 Uhr
Cottbus: Beginn 19.16 Uhr, Maximum 20.09 Uhr, 85,1 Prozent, Sonnenhöhe 2,4 Grad, Untergang 20.31 Uhr
Dresden: Beginn 19.17 Uhr, Maximum 20.10 Uhr, 85,7 Prozent, Sonnenhöhe 2,3 Grad, Untergang 20.32 Uhr
Leipzig: Beginn 19.17 Uhr, Maximum 20.10 Uhr, 85,9 Prozent, Sonnenhöhe 3,2 Grad, Untergang 20.38 Uhr
Chemnitz: Beginn 19.18 Uhr, Maximum 20.11 Uhr, 86,1 Prozent, Sonnenhöhe 2,6 Grad, Untergang 20.34 Uhr
Halle (Saale): Beginn 19.17 Uhr, Maximum 20.10 Uhr, 86,0 Prozent, Sonnenhöhe 3,5 Grad, Untergang 20.40 Uhr
Magdeburg: Beginn 19.16 Uhr, Maximum 20.09 Uhr, 85,7 Prozent, Sonnenhöhe 4,0 Grad, Untergang 20.43 Uhr
Erfurt: Beginn 19.18 Uhr, Maximum 20.11 Uhr, 86,6 Prozent, Sonnenhöhe 3,7 Grad, Untergang 20.42 Uhr
Schwerin: Beginn 19.13 Uhr, Maximum 20.07 Uhr, 84,9 Prozent, Sonnenhöhe 5,0 Grad, Untergang 20.49 Uhr
Rostock: Beginn 19.12 Uhr, Maximum 20.06 Uhr, 84,4 Prozent, Sonnenhöhe 4,9 Grad, Untergang 20.48 Uhr
Das Ende sieht hier niemand. Überall im Osten geht die Sonne unter, während der Mond noch vor ihr steht. In Dresden ist sie beim Untergang noch zu 47 Prozent bedeckt, in Berlin zu 30 Prozent.
Wer erst um halb neun aus dem Haus geht, erwischt den Abspann. Die interessante Phase liegt zwischen 19.45 und 20.25 Uhr.
Wo man im Osten hinfahren sollte
Die gute Nachricht für den Osten: An flachen Horizonten herrscht kein Mangel.
Die Bergbaufolgelandschaften der Lausitz, das Leipziger Neuseenland, der Geiseltalsee, die Uferwege der Müritz, die Elbdeiche zwischen Wittenberge und Magdeburg – überall dort steht zwischen Beobachter und Sonne nichts als Luft. Entscheidend ist die Blickrichtung Westnordwest.
In Berlin funktionieren die künstlichen Hügel am besten: Teufelsberg, Drachenberg, Kienberg, Arkenberge. Das Tempelhofer Feld hat freie Sicht, aber im Westen die Neuköllner Dachkante.
Ein Balkon mit Nachbarhaus gegenüber reicht nicht. Bei zwei Grad Sonnenhöhe entscheidet jede Baumreihe.
Wetter zur Sonnenfinsternis: Hoch „Ralf“ liefert
Selten passt eine Wetterlage so gut. Der Deutsche Wetterdienst kündigte für Mittwoch unter Hochdruckeinfluss landesweit Sonne an, vom Süden bis zur Mitte einen wolkenfreien Himmel.
Nur im Norden können gegen Abend hohe Schleierwolken durchziehen. Die trüben den Blick nach Einschätzung des DWD aber kaum.
In Berlin wurden am Mittwoch 25 Grad erreicht, die Regenwahrscheinlichkeit lag bei fünf Prozent. Für Mecklenburg-Vorpommern und die Uckermark gilt: Schleierwolken sind hoch genug, um die Sonnensichel durchscheinen zu lassen.
Während des Maximums sinkt die Temperatur spürbar um zwei bis vier Grad. Wer eine Stunde am Seeufer steht, sollte eine Jacke einpacken.
Augenschutz: Die Sonnenbrille reicht nicht
Auch eine zu 85 Prozent bedeckte Sonne ist tausendfach zu hell für das ungeschützte Auge. Die verbliebene Sichel strahlt mit voller Flächenhelligkeit, nur ihre Fläche ist kleiner.
Das Bundesamt für Strahlenschutz warnt besonders eindringlich: Die Netzhaut hat keine Schmerzrezeptoren. Ein Schaden tut nicht weh und fällt oft erst Stunden später auf. Dann ist er bleibend.
Bei dieser Finsternis kommt eine Falle dazu. Der Dunst am Horizont dämpft das sichtbare Licht so weit, dass der direkte Blick angenehm wirkt. Die schädigende Infrarotstrahlung kommt trotzdem durch.
Sicher ist nur eine zertifizierte Brille nach ISO 12312-2 mit CE-Zeichen. Wer heute keine mehr bekommt, greift zur Lochkamera: ein Küchensieb, ein Blatt Pappe mit Nadelloch, notfalls die eigenen gespreizten Finger. Auf den Boden projiziert erscheinen Dutzende kleine Sonnensicheln.
Alte Brillen von 1999 oder 2015 gegen eine Lampe halten. Bei Kratzern oder Lichtpunkten gehören sie in den Müll.
Nach der Finsternis: Perseiden bei Neumond
Der Abend hat einen zweiten Akt. In derselben Nacht erreichen die Perseiden ihr Maximum, und weil eine Sonnenfinsternis immer bei Neumond stattfindet, bleibt der Himmel danach vollkommen dunkel.
Ab etwa 23 Uhr lohnt der Blick nach Nordosten. Unter Landhimmel sind 50 bis 70 Sternschnuppen pro Stunde realistisch, im Sternenpark Westhavelland eher mehr.
Und wer heute Abend nichts sieht, muss warten. Einen Bedeckungsgrad dieser Größenordnung gibt es in Deutschland erst am 13. Juli 2075 wieder.
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