Es ist bald vorbei, dieses seltene Berliner Gefühl von Unbeschwertheit. Wir werden es vermissen, mindestens für gefühlte fünf Monate. Dann werden wir wieder klagen, jammern und lamentieren, wie furchtbar diese Stadt ist. Wie dysfunktional, abgerockt, ohne Zukunft. Und: grau, grau, grau!
Mit extragutem Wetter beschwichtigt
Doch heute wirkt das alles noch weit weg: der eisige Winter, die Kälte, die Abgeschlagenheit. Denn in den vergangenen Tagen, und hoffentlich noch ein paar weiteren, zeigte sich Berlin von seiner besten Seite. Schon am kühlen Morgen war die Stadt in ein sanftes, fast goldenes Licht getaucht, der Nebeltau lag auf dem bunten Herbstlaub.
Was nach dem größten Kitsch aus dem Rosamunde-Pilcher-Universum klingt, bietet Berlin in diesen letzten warmen Tagen tatsächlich: einen Anlass zur Zuversicht, ein Gefühl, dass doch nicht alles so schlecht ist, wie es uns in den vergangenen Monaten vorkam.
Denn so oft wir uns (zu Recht) über diese Stadt beschweren, so versöhnlich kommt sie Ende September ganz plötzlich mit 26 Grad ums Eck. Als wüsste sie selbst, wie viel an ihr nicht funktioniert, und hätte für einen Moment beschlossen, uns mit extragutem Wetter zu beschwichtigen.
Laufen für die gute Laune: Menschen zeigten am Wochenende, wie schön Berlin sein kann, wie friedlich und anziehend.
© Gabor Baumgarten/imago
Dabei braucht es nicht einmal einen besonderen Ort. Es reicht, morgens durch eine Straße zu laufen, in der die Cafés ihre Stühle noch draußen stehen haben, als ob sie den Sommer noch ein bisschen länger festhalten wollten. Am Nachmittag sitzen die Menschen mit Jacken über den Stuhllehnen vor den Spätis, trinken Bier und Wein, rauchen und wirken fast so relaxed, wie man es von Menschen am Mittelmeer kennt. Die Stadt ist dieselbe wie vor zwei Wochen, keine Frage. Nur fällt es gerade wesentlich leichter, sie zu mögen.
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Diese kleine Versöhnungsgeste Berlins zeigte sich schon am vergangenen Wochenende auf den Straßen der Stadt, als bei schönstem Altweibersommerwetter Tausende von Menschen blendend gelaunt und friedlich am Berlin-Marathon teilnahmen. Auch wenn die Absperrungen nervig sind, war das Zusehen und Zuhören, wie die Menschen die Läufer anfeuerten, allen Ärger wert. Fremde riefen fremden Menschen Aufmunterndes zu, reichten Wasser, klatschten auch dann noch, als die Schnellsten längst im Ziel waren. Für ein paar Stunden war die Stadt nicht nur Kulisse für das eigene tägliche Genervtsein.
Denn wie sich zeigte: Berlin kann es immer noch. Eine Stadt sein, die verbindet, die sich frei und hoffnungsvoll anfühlt, die Platz bietet für alle, die kommen wollen, um hier eine gute Zeit zu verbringen. Der Winter wird daran nichts Grundsätzliches ändern. Aber bis er da ist, bleibt immerhin noch Zeit für ein paar sonnige Nachmittage im Freien.
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