Spandau-Rundschau testet Grünanlagen: Für jeden Pflastermüden gibt es genau den richtigen Park

Erholung mitten in der Stadt

Lennart Paul
5 Min

Der Frühling hat nun die Stadt erobert. Da haben - ob in einer kurzen Arbeitspause oder zum längeren Wochenendspaziergang - auch die Parks und Gärten wieder großen Zulauf. Die Spandau-Rundschau testete die wichtigsten Grünanlagen.Der Zentrale: Umringt von öffentlichen Gebäuden, Rathaus, Amtsgericht und vom Finanzamt, liegt der Münsingerpark. Ideal ist die Grünanlage für müde Altstadtbummler. Die wenigen Schritte über den Altstädter Ring schaffen selbst kaufhausgeplagte Beine. Direkt neben dem Amtsgericht liegt der kleine Ziergarten. In der Mitte des Parks sind die großen Wiesen, weiter hinten, in Richtung Galenstraße/Seegefelder Straße, wird es wilder. Kleine Birkenwäldchen stehen hier, und auch ein Mammutbaum, ein Geschenk der Partnerstadt Luton in England. 36 Winter hat er in Spandau überstanden, bis zu 3 000 können noch folgen, denn Mammutbäume werden sehr alt. Schön ist der Münsinger Park für Ältere: Fast alle Wege sind geteert, Treppen gibt es keine. Allein im Ziergarten stehen zehn Bänke. Kindern aber wird es hier schnell langweilig, denn ein Spielplatz fehlt. Der Französische: Im Wröhmännerpark an der Neuendorfer Straße ist Symmetrie Trumpf. Die akkuraten Rosenbeete und die rechtwinklig angelegten Sandwege erinnern an französische Barockgärten. Schick sind die weißen Rankengitter und die Gartenterrasse in der Mitte des Geländes, zu der einige Stufen hinaufführen. Schlecht: Der Park ist nicht durch eine Hecke abgeschirmt, der Lärm der Straße dringt bis zum Wasser hinunter. Mitten im Park liegt ein mit Schilf bewachsener Havelarm. Einige Schritte davon entfernt steht Christa Wagner mit ihrem Mann. "Früher hatten wir ein Frachtschiff und fuhren den Rhein hinab", sagt die Rentnerin, "jetzt machen wir jeden Tag unsere Runde durch den Park zum Wasser." Die beiden füttern Enten, Schwäne und Gänse. Den Park lieben sie nicht nur wegen der Tiere: "Im letzten Sommer hat das Gartenbauamt hier Liegestühle auf die Wiese gestellt. Jeder konnte sich sonnen", sagt Christa Wagner. Kinder allerdings könnten vom Wröhmännerpark enttäuscht sein. Der große Spielplatz im südlichen Bereich mit Holzturm und Hängebrücke ist nicht öffentlich zugänglich, er gehört zu einem Kindergarten. Der Spielplatz am anderen Parkende wirkt dagegen langweilig: ein Bolzplatz, eine Minirutsche - mehr hat er nicht zu bieten. Der Schattige: Der Koeltzepark, zwischen Schönwalder und Neuendorfer Straße gelegen, besitzt mächtige Bäume. Sie stehen so dicht, daß ihre Kronen ein Blätterdach bilden und im Hochsommer angenehme Schattenplätze garantieren. Die Grünanlage erscheint wie ein Kinderparadies. Ein Drittel der Anlage ist als Spielplatz abgezäunt. Hier stehen eine Seilbahn und Reifenschaukeln, auch Basketball und Tischtennis gibt es. Aber Anwohnerinnen beschweren sich. "Der Spielplatz ist versifft und dreckig", sagt Manuela Schwede. Sie kommt fast täglich mit ihren Kindern hierher. "Außerdem ist der Sand seit langer Zeit nicht ausgewechselt worden. Die Kinder finden immer wieder Scherben." Ihre Freundin Petra Malecha ergänzt: "Die Schaukeln sind von Kampfhunden zerfressen." Im Buddelsand liegt tatsächlich ein Hundehaufen. Auch der Rest des Parks macht keinen sauberen Eindruck. Bänke gibt es jedoch genügend. Die Büsche am Rand der Anlage sind eingezäunt, hier kann sich kein Hund niederlassen. Der Perfekte: Am Ostufer der Havel, zwischen Stresowstraße und Obermeierweg, liegt der kleine Stresowpark, dessen Umbau 1994 fertiggestellt wurde. Hier haben sich die Gestalter Mühe gegeben, ein Gelände für alt und jung zu schaffen. Oben liegt der Ruhegarten mit Staudenrabatten, einem kleinen Trinkbrunnen und Bänken. Allerdings ist das Holz des Laubenganges schon angegriffen, die unteren Enden der Holzpfosten sind zerstört worden.Sanft fällt die Anlage zum Wasser hin ab. Zwischen Kastanien, Linden und Platanen liegen die Attraktionen für Kinder: ein runder Ballspielplatz, der vergittert ist, damit der Ball nicht in der Havel landet. Daneben ein Spielplatz: eine Schaukel in Form eines Ladekrans, Holzfässer zum Klettern, ein Balanciertau. Das Design der Geräte erinnert daran, daß hier früher mal ein Schiffsbauplatz war.Im vergangenen Jahr wurde der Stresowpark von der Senatsumweltverwaltung für "hervorragend geplante, gebaute und gepflegte Grünanlagen" mit dem Gustav-Meyer-Preis ausgezeichnet (Meyer war ab 1870 der erste Berliner Stadtgartendirektor). Zur Mittagszeit strömen die Kinder in den Park. Direkt hinter ihrem Fußballplatz liegen die großen, dreigeschossigen Fabrikhallen aus Ziegelsteinen und eine Schrottmühle. Doch der Park läßt die Kinder vergessen, daß sie am Rande eines Industriegebietes leben. Der Schlichte: Auf der anderen Havelseite, an der Dampferanlegestelle Lindenufer, liegt eine schmale Grünanlage: oben eine mit Linden bestandene Wiese, am Wasser eine breite Uferpromenade. Ordentlich in einer Reihe stehen die Bänke, jeweils paarweise und durch einen Papierkorb voneinander getrennt. Sterile Blumenkübel aus Holz verfehlen ihre Wirkung, die strenge Anlage aufzulockern. Nebenan im Stabholzgarten bietet sich ein ähnliches Bild, hier ist außerdem fast der halbe Park wegen der Bahnerneuerung gesperrt. Aber die Anlage ist ideal, um auf die anlegenden Dampfer und die vorbeifahrenden Lastkähne zu gucken. Der Wilde: Zwischen Falkenseer Chaussee und Seegefelder Weg liegt die Spandauer Wildnis: das Spektefeld. Mit zur Zeit 80 Hektar ist der Spektegrünzug zugleich der größte Park in der Havelstadt. Die Liegewiesen sind durch Hügel und Böschungen voneinander getrennt, für Kinder optimal zum Versteckspielen. Am Zulauf zum Großen Spektesee wuchert das Schilfgras drei Meter in die Höhe. Gebadet werden darf hier allerdings nicht. Die Uferböschung ist weitgehend abgezäunt, um die wildwachsenden Pflanzen zu schützen. Besonders gut eignet sich der Park zum Joggen. Rund um den See läuft es sich so gleichmäßig wie auf einer Stadionaschenbahn. Und wer für den nächsten Marathon das Laufen kleiner Steigungen üben will, der braucht bloß den Weg zwischen den Hügeln einzuschlagen. Der Wasserreiche: Der Südpark in Wilhelmstadt bietet schöne Spaziergänge am Wasser entlang. Über die gesamte Länge der Anlage, bis hinunter zur Heerstraße, zieht sich ein Teich. Auch im Sommer findet sich meist noch ein Platz auf der Liegewiese am Ufer, mit Blick auf die kleinen Inseln, die in der Seemitte liegen. Der Spielplatz mit Klettergerüsten aus Holz ist zwar nur klein, er bietet den Kindern aber gute Möglichkeiten zum Austoben. +++

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