Spandauer Initiative setzt sich gegen 95 Kommunen durch

Ein Preis für das Anti-Korruptions-Team

Marcel Gäding
2 Min

SPANDAU. Der Kampf gegen Missstände, Veruntreuung im Amt und Unregelmäßigkeiten bei der Vergabe von Aufträgen hat Spandau einen hohen Preis eingebracht: Die Anti-Korruptionsgruppe des Bezirks ist bei einem europaweiten Ausscheid für ihre erfolgreiche Arbeit ausgezeichnet worden. Im Rahmen des "7. Internationalen Speyerer Qualitätswettbewerbes" würdigte eine Kommission das Vorgehen der sechsköpfigen Gruppe. An der Aktion hatten sich 95 Kommunen mit ihren Konzepten zur Korruptionsbekämpfung beteiligt. Spandau belegte den ersten Platz.Das Team um Jürgen Knebel hatte vor vier Jahren seine Arbeit aufgenommen - und das nicht ohne Grund. Vermehrt hatten Verwaltungsangestellte für Schlagzeilen gesorgt, weil sie in die Kasse griffen: Sechs Jahre lang konnte eine Angestellte des Sozialamtes auf diese Weise zusätzliche Privat-Einnahmen verbuchen - bis die Sache im März 2002 auffiel. 230 000 Euro soll der Schaden betragen. Ein Mitarbeiter aus der gleichen Abteilung überwies sich ein Jahr später mehr als 100 000 Euro. Zuletzt machte Spandau Schlagzeilen, weil ein Mitarbeiter der Zitadelle Eintrittsgeld verschwinden ließ.All diese Fälle deckten die Ermittler des Anti-Korruptions-Teams auf. Ihm zur Seite stehen Mitarbeiter der Vergabe-Kontrolle sowie ein Rechtsanwalt, der als externer Ombudsmann Hinweise auf Korruption im Amt entgegen nimmt. "Dass wir eine eigene Gruppe dafür haben, bedeutet aber nicht, dass unser Bezirk ein Korruptionssumpf ist", sagte Jürgen Knebel am Freitag. Vielmehr verfüge das Bezirksamt mit seinen fast 3 000 Mitarbeitern jetzt über umfangreiche Möglichkeiten der alltäglichen Kontrolle.Gruppen-Leiter Knebel sagte, dass es in den vergangenen vier Jahren fünf flächendeckende Überprüfungen gab, unter anderem mit Beanstandungen bei der Vergabe von Aufträgen. "Das muss dann noch nichts mit Korruption zu tun haben", sagte Baustadtrat Carsten-Michael Röding (CDU). Oftmals wurden Aufträge einfach gesplittet, um eine zeitaufwändige Ausschreibung zu umgehen - ab 5 000 Euro muss die Behörde Arbeiten ausschreiben.Bürgermeister Konrad Birkholz (CDU) sieht in dem Preis die Bestätigung, dass das Konzept der Korruptionsbekämpfung im Alltag funktioniert. "Wir haben bereits Anfragen, unter anderem aus Hannover und von der Senatskanzlei", so Birkholz. "Die wollen jetzt alle von Spandau lernen."

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