MITTE. Als Experimentierfeld autofeindlicher Verkehrseingriffe bezeichnet Klaus-Peter von Lüdeke die Geschwindigkeitsbegrenzungen, die ab Herbst schrittweise in der Spandauer Vorstadt eingeführt werden sollen. Nicht die Autos seien das Problem, sondern die lauten und zumeist leeren Straßenbahnen, sagt der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion im Abgeordnetenhaus. "Das Szeneviertel lebt auch vom Fahrzeugverkehr. Werden die Autos verdrängt, wird der ortsansässigen Wirtschaft der Boden entzogen. " Das Verdrängen der Autos ist aber gerade das Ziel von Senat und Bezirk. Zwei Jahre haben sie an dem Verkehrskonzept für die Spandauer Vorstadt gearbeitet. Autos wurden gezählt, Anwohner und Geschäftsleute befragt, schließlich sogar ein Abschnitt der Rosenthaler Straße am Hackeschen Markt für zwei Monate gesperrt. Das neue Konzept sieht vor, dass auf großen Durchgangsstraßen wie Tucholsky- und Rosa-Luxemburg-Straße nur noch Tempo 30 gilt, in den engen Anwohnerstraßen sind 10 Kilometer erlaubt. Geplant ist der Umbau von Kreuzungen, Gehwege werden verbreitert, Fahrbahnen eingeengt.So richtig diskutiert wird in der Spandauer Vorstadt noch nicht. Nicht beim Friseur, nicht in der Apotheke, auch nicht im Zeitungsladen von Klaus Schlicht an der Oranienburger Straße. Er findet Tempo 30 richtig. "Die Bürgersteige rings um den Hackeschen Markt sind zu schmal, die Touristen laufen auf der Straße. Ein Wunder, dass hier noch nichts passiert ist", sagt Schlicht. Optimal wäre eine Fußgängerzone am Hackeschen Markt. Die haben sich auch viele Mitglieder der Betroffenenvertretung Spandauer Vorstadt gewünscht. Sie sind enttäuscht, dass die Politiker nicht radikaler den Autoverkehr verbannen. "Das Konzept geht aber in die richtige Richtung. Autofahrern soll es keinen Spaß mehr machen, hier einfach nur durchzufahren", sagt Ursula Thierfelder von der Betroffenenvertretung.Für Anita Nadler und Sylvia Arndt von der Bäckerei am Koppenplatz sind dagegen die Geschwindigkeitsbegrenzungen "totaler Schwachsinn und eine Riesen-Sauerei". Da könne man ja gleich mit dem Fahrrad fahren. Die Kunden ärgern sich mehr über die Parkgebühren. Auch die Gäste im Restaurant Yosoy am Hackeschen Markt. Die Tempobeschränkung sei nicht das Problem, aber es gebe keine Parkplätze, sagt Geschäftsführerin Daniela Schiener. Mit der Einführung der Parkzone sei ihr Umsatz zurückgegangen, jetzt kalkulierten die Besucher schon ein Knöllchen wegen Falschparkens mit ein.Das Verkehrskonzept wird am 6. Mai vorgestellt. Freie Waldorfschule, Weinmeisterstraße 16, 19 Uhr.
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