Justizirrtum

Spanien zahlt Entschädigung: Ahmed Tommouhi saß 15 Jahre unschuldig im Gefängnis

Er war wegen Vergewaltigungen verurteilt worden, obwohl ein DNA-Gutachten ihn hätte entlasten können. Nun korrigiert der Oberste Gerichtshof die Vorinstanz.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
2 Min
Spaniens Oberster Gerichtshof hat Ahmed Tommouhi nach einem Justizirrtum eine Entschädigung von 2,5 Millionen Euro zugesprochen.

Spaniens Oberster Gerichtshof hat Ahmed Tommouhi nach einem Justizirrtum eine Entschädigung von 2,5 Millionen Euro zugesprochen.

© Alejandro Martínez Vélez/imago

Spaniens Oberster Gerichtshof (Tribunal Supremo) hat den Staat zu einer Entschädigung von 2,5 Millionen Euro für den marokkanischen Staatsbürger Ahmed Tommouhi verurteilt, der rund 15 Jahre wegen Vergewaltigungen in Haft saß, die er nicht begangen hatte. Das geht aus dem Urteil hervor, über das spanische Medien am Freitag berichteten.

Die zuständige Kammer erkannte laut Mitteilung des Gerichts auf eine Haftung des Staates. Es handele sich um einen „eindeutigen und qualifizierten“ Justizirrtum. Das ursprünglich zuständige Gericht in Barcelona habe ein DNA-Gutachten nicht gewürdigt, obwohl dieses Teil der Akte gewesen sei. Das genetische Profil des heute 75-Jährigen habe nicht mit Spuren auf der Kleidung eines Opfers übereingestimmt.

Vorinstanz hatte Entschädigung abgelehnt

Mit der Entscheidung hebt der Tribunal Supremo ein Urteil des Nationalen Gerichtshofs (Audiencia Nacional) vom April 2025 auf. Der Nationale Gerichtshof bestätigte die Ablehnung von Tommouhis Entschädigungsantrag durch das Justizministerium, das einen groben oder offensichtlichen Justizirrtum verneint hatte.

Tommouhi hatte ursprünglich rund 3,64 Millionen Euro gefordert. Die ihm nun zugesprochenen 2,5 Millionen Euro seien angemessen, um den moralischen und materiellen Schaden auszugleichen, teilte das Gericht mit. Von November 1991 bis September 2006 befand sich Tommouhi in Untersuchungs- und Strafhaft, danach bis April 2009 in bedingter Freiheit.

Betroffener spricht von verlorener Lebenszeit

Der Fernsehsender Antena 3 berichtete, gegen Tommouhi seien insgesamt 26 Verfahren eröffnet worden, die inzwischen alle aufgehoben worden seien. Eine erste Verurteilung sei bereits 1997 nach einem DNA-Abgleich annulliert worden, eine weitere folgte 2023, eine dritte 2025. Laut El País ist Tommouhi seit der Amputation eines Beins 2024 auf einen Rollstuhl angewiesen.

Open Source

Open Source

Sie haben etwas zu sagen? Senden Sie uns Ihren Text! 

Einreichen
Open Door

Open Door

Sie möchten ein Thema vorschlagen? Senden Sie uns Ihren Vorschlag!

Vorschlagen

Tommouhi sagte laut Reuters vor Journalisten, das Justizsystem habe sein Leben zerstört. Geld könne ihm weder Gesundheit noch Jugend zurückgeben, man habe ihm 36 Jahre seines Lebens genommen. Gegenüber dem Antena 3 erklärte er, er habe seine Unschuld jahrzehntelang beteuert. Seine Anwältin Celia Carbonell sprach im Radiosender Cadena SER von einer wegweisenden Entscheidung des Obersten Gerichtshofs.

Send feedback

Ihre Meinung ist uns wichtig. Senden Sie uns Ihr Feedback zu diesem Artikel an: [email protected]

Lesen Sie mehr zum Thema
weltbune Banner