Spanier am Spree-Strand

Martin Klesmann
2 Min

Wuchtige Wellen umtosten die Felsen an der Nordwestküste Spaniens. Bizarre Wolkengebilde verhüllten den Himmel, beeindruckend war auch der Regenbogen über dem Hafen. Nur die Sonne ließ sich vorwiegend woanders blicken. In Berlin. Das entnahmen die Urlauber aus Berlin der Wetterkarte in den spanischen Medien. Immer wieder tauchte dort, wo die deutsche Hauptstadt markiert war, ein lächelndes Sonnensymbol auf.Alsbald machte sich in Spanien, dem Lieblingsurlaubsland der Deutschen, eine Berlin-Euphorie breit. In der Presse kursierten plötzlich Fotos von den Strandbars entlang der Spree. "Dort kann man trinken, essen, sich sonnen und tanzen", schrieb eine spanische Zeitung. Berlin schien irgendwo in den Tropen zu liegen. Vergnügt tanzende Germanen gehörten bisher nicht zum Deutschen-Bild der Spanier. Einen weiteren Gipfel der Berlin-Begeisterung erklomm die einflussreichste spanische Tageszeitung El País, die vor wenigen Tagen ganz Berlin zur "Wasserstadt" ausrief und den Spaniern empfahl, umgehend dorthin zu fahren. Man könne auf der Spree sogar im Hausboot übernachten und in einem Badeschiff schwimmen.Und dann gab es dort noch einen Geheimtipp: Zur Not könne man auch mit dem Schlafsack im Treptower Park und seinen vorgelagerten Inseln übernachten. Vergnügungswillige Spanier könnten den Park also schon bald zu einer Art Ballermann für Iberer machen. Mit Spannung erwarten wir bereits, wie das deutsche Ordnungsamt auf diese Touristen reagieren wird.

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