2. Bundesliga

Das wird eine spannende Saison: Volle Stadien und brisante Ost-Derbys

Die „Magnet-Liga“ verspricht auch 2026/27 ein Fußball-Spektakel mit vielen Derbys. Experten prophezeien eine der spannendsten Zweitliga-Spielzeiten seit Jahren.

Michael Jahn
5 Min
Energie Cottbus ist dabei: Coach Claus Dieter Wollitz und seine Mannschaft sind heiß auf die Zweite Liga.

Energie Cottbus ist dabei: Coach Claus Dieter Wollitz und seine Mannschaft sind heiß auf die Zweite Liga.

© Weiland/imago

Am letzten Spieltag der Zweiten Bundesliga durften sich alle Mannschaften wenigstens ein bisschen wie Erstligisten fühlen, denn alle Duelle fanden am Sonntagnachmittag um 15.30 Uhr zeitgleich statt. 15.30 Uhr – das ist die traditionelle und beliebteste Anstoßzeit in der Bel Etage des deutschen Fußballs. Auch Dr. Peter Görlich, Geschäftsführer von Hertha BSC, benutzte bei seinen öffentlichen Auftritten stets eine große „15.30“ als magisches Symbol bei Powerpoint-Präsentationen. „Das ist unser Ziel!“, so der starke Mann des Klubs.

Doch der selbst ernannte Aufstiegsanwärter ist krachend gescheitert und geht nach der desaströsen 1:6-Niederlage in Bielefeld einer unruhigen Zeit entgegen. Wegen des bevorstehenden heftigen personellen Umbruchs wird Hertha nicht zu den ersten Aufstiegskandidaten in der neuen Spielzeit zählen, die mit dem 1. FC Magdeburg, Dynamo Dresden und mit Aufsteiger Energie Cottbus, dem einstigen Angstgegner Herthas aus Erstligazeiten, drei Vereine aus dem Osten des Landes als Kontrahenten bringt.

Die „Magnet-Liga“ hieß sie vor dem Start der Saison 2025/26, weil diese Zweite Liga volle Stadien, Tradition ohne Ende und totale Spannung versprach. All das ist tatsächlich eingetreten. Und mit dem Label, „eine der besten und attraktivsten“ Zweiten Ligen Europas zu sein, kann diese Spielklasse weiter beste Werbung in eigener Sache betreiben. Mit dem Zuschauerkrösus FC Schalke 04 (61.700 Fans im Schnitt) hat die Liga zwar einen Branchenriesen an Liga eins verloren, aber mit Erstliga-Absteiger FC St. Pauli einen populären Kultklub bekommen, der große Anziehungskraft besitzt und im Schnitt 4.582 Auswärtsfahrer verzeichnete (Hertha BSC lag bei guten 3.380 Fans, die das Team im Schnitt in die fremden Stadien begleitete).

Zahlreiche Derbys in der kommenden Saison

Sollte sich in der Relegation Drittligist Rot-Weiss Essen gegen Greuther Fürth durchsetzen, käme noch ein Traditionsverein hinzu, der heißblütige und reisefreudige Anhänger besitzt. Fakt ist, dass es zahlreiche Derbys geben wird, gerade zwischen den drei Ostvereinen und auch zwischen Hertha BSC und diesem Trio. Die Entfernungen zwischen den Städten sind gering und gut für die Fans. Auch weil die SV Elversberg aus dem 13.500-Einwohner-Örtchen Spießen-Elversberg sensationell den Aufstieg in die Erste Bundesliga schaffte, fällt eine sehr weite Auswärtstour für viele Fans ins Saarland weg. Von Dresden sind es zum Beispiel bis nach Elversberg 621 Kilometer.

Ralf Minge: Die Dynamo-Legende zollt Dresden und Magdeburg Anerkennung, die Klasse gehalten zu haben.

Ralf Minge: Die Dynamo-Legende zollt Dresden und Magdeburg Anerkennung, die Klasse gehalten zu haben.

© Björn Reinhardt/imago

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Aufsteiger Energie Cottbus wird garantiert von vielen Fans zu Auswärtsduellen begleitet werden. Zu Erstligazeiten der Lausitzer (2000–2003 und 2006–2009) gab es bei Spielen im Olympiastadion gegen die Hertha stets großartige Kulissen von fast 50.000 Zuschauern. Von insgesamt zwölf Duellen in Liga 1 gewann Energie sieben!  Hertha dürfte Respekt haben. „Diese Zweite Liga gehört mit zu den besten der Welt“, schwärmt der ehemalige Erstliga-Profi Maik Franz (44), „dass St. Pauli nun wieder dabei ist, ist sehr cool und die Rückkehr von Cottbus absolut geil.“ Die Chancen der drei Ostvereine sieht der einst rustikale Abwehrmann, genannt „Iron Maik“, so: „Bei Energie geht es um den Klassenerhalt, Magdeburg hat sich etabliert und viel Qualität. Dynamo Dresden ist für mich der Leuchtturm im Ostfußball und ich wünschte mir perspektivisch sogar einen Erstligisten Dresden.“

Auch Ralf Minge (65 ) einst Top-Torjäger von Dynamo Dresden zu DDR-Oberligazeiten (103 Treffer) und Nationalspieler mit 36 Länderspieleinsätzen, geht von einer „spannenden neuen Zweitligasaison“ aus. „Die Leistungsdichte ist enorm. Jeder kann jeden schlagen. Die Liga bleibt eine Wundertüte.“ Hohe Anerkennung zollt Minge Dynamo und Magdeburg, die nach Fehlstarts in die Saison die Klasse gehalten haben. „Sie haben sich nie aufgegeben“, lobt Minge.

Magdeburg-Coach Sander trifft auf seine alte Liebe

Das trifft auf Dresden wie auf Magdeburg zu. Dynamo war nach der Hinrunde abgeschlagenes Schlusslicht und stieg danach zum viertbesten Team der Rückrunde auf. Magdeburg leistete sich einen Fehlstart und holte aus den ersten acht Spielen lediglich drei Zähler. Erst mit dem Trainerwechsel – der erfahrene Petrik Sander (65) übernahm – ging es aufwärts. Sander und sein gleichberechtigter Mitstreiter als Chefcoach, Pascal Ibold (36), haben nach dem letzten Spieltag ihre Verträge verlängert. Mit dem 1. FC Magdeburg trifft Sander nun auch bald auf seine alte Liebe Energie Cottbus. Einst absolvierte er als Spieler über 200 Duelle für Energie und führte später als Cheftrainer Cottbus im Mai 2006 zurück in die Erste Bundesliga.

Offen sind nun noch zwei Plätze in der Zweiten Liga für die Saison 2026/27. In der Relegation trifft Noch-Erstligist VfL Wolfsburg auf den SC Paderborn  und Noch-Zweitligist Greuther Fürth auf Rot-Weiss Essen. Prognosen über die künftigen Aufstiegsfavoriten abzugeben, sollte man tunlichst vermeiden. In der Online-Umfrage des Fachmagazins Kicker mit 126.551 Teilnehmern galten vor den nun beendeten Spielzeit Fortuna Düsseldorf und Hertha BSC als klare Anwärter auf den Aufstieg. Die Fortuna aber stieg am Wochenende in die 3. Liga ab, Hertha landete auf Rang sieben.

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