Norwegen will noch in diesem Jahr Gespräche mit Russland über die Verhinderung militärischer Zwischenfälle auf offener See führen. Die Konsultationen seien für November oder Dezember geplant, sagte Rune Haarstad, Sprecher des gemeinsamen Hauptquartiers der norwegischen Streitkräfte, laut der russischen Zeitung Iswestija.
„Wir planen, im November oder Dezember Gespräche mit der russischen Seite im Rahmen des INCSEA-Protokolls zu führen“, sagte Haarstad. Das norwegische Streitkräftehauptquartier werde das Treffen organisieren. Geleitet werden solle es vom stellvertretenden Chef des operativen Kommandos.
Das Protokoll beruht auf einem im Jahr 1990 geschlossenen Abkommen zwischen Norwegen und der damaligen Sowjetunion. Es soll gefährliche Begegnungen von Kriegsschiffen und Militärflugzeugen außerhalb der Hoheitsgewässer verhindern. Nach Angaben der russischen Botschaft in Oslo berieten Fachleute beider Länder zuletzt im Dezember 2025 in Moskau über die Umsetzung des Abkommens, wie Interfax berichtete.
Kontakte zur Nordflotte bleiben bestehen
Für den Herbst seien außerdem Gespräche mit dem russischen Grenzschutz und der Küstenwache vorgesehen, sagte Haarstad. Die regelmäßigen wöchentlichen Kontakte mit der russischen Nordflotte würden fortgeführt. Sie seien ein wichtiger Kanal zur Gewährleistung der Sicherheit in der Arktis.
Die russische Botschaft bestätigte laut Iswestija, dass die Grenzschutzbehörden beider Länder weiterhin jährlich zusammenkommen. Dabei gehe es unter anderem um Grenzsicherheit, grenzüberschreitende Kriminalität und illegale Migration. Zwischen den Einsatzführungen der Nordflotte und der norwegischen Streitkräfte bestehe zudem ein technischer Kommunikationskanal für den Austausch über Notfälle.
Nach Darstellung der Botschaft dienen die militärischen Kontakte derzeit allerdings hauptsächlich dazu, Missverständnisse und gefährliche Zwischenfälle zu vermeiden. Ein umfassender Dialog über Stabilität und Sicherheit in der Arktis sei wegen der norwegischen Sicherheitspolitik und des wachsenden Nato-Aufgebots in der Region gegenwärtig nicht möglich.
Moskau kritisiert Aufrüstung
Die geplanten Gespräche fallen in eine Phase zunehmender Spannungen. Russland kritisierte am Montag laut einem Reuters-Bericht etwa die vorübergehende Verlegung eines amerikanischen Raketensystems nach Norwegen. Die verwendeten Abschussvorrichtungen könnten nach russischer Darstellung auch Tomahawk-Marschflugkörper abfeuern, die weite Teile des europäischen Russlands einschließlich Moskaus erreichen könnten.
Das russische Außenministerium bezeichnete die Verlegung laut Reuters als weiteres Hindernis für Gespräche mit den USA über strategische Stabilität. Kremlsprecher Dmitri Peskow kritisierte zudem den Ausbau der norwegischen Finnmark-Brigade und Oslos geplante Beschaffung weitreichender Raketensysteme. Norwegen begründet seine Aufrüstung mit den Erfahrungen aus dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine.
Zusätzlich belastet die Festsetzung des russischen Forschungsschiffes „Professor Moltschanow“ auf Spitzbergen die Beziehungen. Norwegische Behörden beschlagnahmten das Schiff auf Antrag des ukrainischen Energiekonzerns Naftogaz. Moskau sprach von einer Blockade seiner Aktivitäten auf dem Archipel. Die norwegische Regierung betont dagegen, dass es sich um einen Rechtsstreit zwischen Naftogaz und Russland handele.
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