Die Versorgungsprobleme in Süditalien spitzen sich nach Angaben des Handelsverbands Federdistribuzione weiter zu. Der Verband teilte am Mittwoch mit, in Apulien, Kalabrien und Kampanien sei der Warenverkehr vielerorts noch stärker eingeschränkt als zuvor. Zahlreiche Lieferungen blieben in Verteilzentren liegen und erreichten die Geschäfte nicht. Vor allem frische Lebensmittel würden verderben, bevor sie ausgeliefert werden könnten.
Hintergrund ist ein seit Tagen andauernder Protest von Transportunternehmern gegen gestiegene Dieselpreise, hohe Mautkosten und verzögerte Auszahlungen staatlicher Hilfen. Ein Gespräch von Vertretern der Protestierenden mit der Regierung in der Präfektur in Mailand habe keine zufriedenstellenden Ergebnisse gebracht, erklärte die Vereinigung Fedralog.
Sie kündigte an, den Ausstand bis zum 27. Oktober fortzusetzen. Bis dahin erwarte sie von Verkehrsminister Matteo Salvini konkrete Zusagen für das Transportgewerbe.
Leere Regale in Kalabrien, Kampanien und Sizilien
Nach Berichten der italienischen Nachrichtenagentur Ansa fehlen in Supermärkten in Kalabrien zunehmend frische Produkte wie Obst, Gemüse und Fisch, dazu Milch und zum Teil auch Nudeln. Betroffen seien Orte wie Catanzaro, Cosenza, Crotone und Vibo Valentia. Auch in sizilianischen Filialen großer Handelsketten blieben Regale für Obst, Gemüse, Fleisch, Käse und Tiefkühlware leer. Der Großmarkt in Vittoria stand still, geerntete Ware drohte zu verderben.
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Aus Kampanien berichtete die Zeitung Il Fatto Quotidiano von leeren Regalen in zahlreichen Supermärkten in Neapel und Umgebung. Kunden suchten vergeblich nach Nudeln, Mehl, Milch, Mozzarella oder Mineralwasser. Auch Industriebetriebe meldeten laut Ansa Schwierigkeiten bei der Versorgung mit Rohstoffen und beim Abtransport fertiger Produkte.
Regierung verweist auf Milliardenhilfe
Wie die dpa meldet, blockierten die Streikenden wichtige Verkehrsachsen wie die Autobahnen A1 und A30, was zu langen Staus führte. Auch Raffinerien und Hafenzufahrten wurden lahmgelegt. An einigen Tankstellen in Apulien, Kalabrien und Sizilien gingen Benzin und Diesel aus. Den Protesten schlossen sich demnach Landwirte und Spediteure an, die unter anderem eine vollständige Steuerbefreiung für Agrardiesel fordern.
Vizepremier Antonio Tajani sagte auf einem Forum des italienischen Bauernverbands Coldiretti, er verstehe die Beweggründe der Protestierenden, halte Autobahnblockaden aber für falsch. Der Dieselpreis sinke dadurch nicht.
Verkehrsminister Salvini verwies im Radio auf Hilfen von mehr als einer Milliarde Euro für das Transportgewerbe, darunter Zuschüsse für gestiegene Dieselpreise und Mittel zur Erneuerung der Fahrzeugflotten. Die Auszahlung der Dieselhilfen beginne am Mittwoch. Ministerpräsidentin Giorgia Meloni hatte zudem einen teilweisen Verzicht auf die Kfz-Steuer im kommenden Jahr angekündigt.
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