Die Schnellfahrstrecke Berlin–Hannover ist bis Dezember 2027 gesperrt. Für Sachsen-Anhalt hat das Folgen: Magdeburg bekommt zusätzliche ICE-Verbindungen, Stendal fällt als Halt weg, viele Pendler müssen auf Busse umsteigen.
Seit dem frühen Morgen rollen auf der rund 230 Kilometer langen Strecke zwischen Berlin und Lehrte bei Hannover keine Züge mehr. Bis voraussichtlich Mitte Dezember 2027 werden sämtliche Fernzüge über Magdeburg und Braunschweig umgeleitet. Sachsen-Anhalts Landeshauptstadt erhält dadurch drei zusätzliche ICE-Verbindungen Richtung Hannover und Nordrhein-Westfalen sowie von und nach Berlin.
Stendal verliert ICE-Halt
Stendal entfällt dagegen mindestens bis Jahresende als ICE-Halt, ebenso Wolfsburg. Ob das 2027 so bleibt, wird noch abgestimmt – für viele Pendler ein großes Ärgernis. Sachsen-Anhalts Verkehrsministerin Lydia Hüskens verlangt für Stendal ab 13. Dezember schnelle Verbindungen nach Wittenberge, Magdeburg und Leipzig: „Die Reisenden brauchen jetzt Planungssicherheit.“ Zwar habe die Bahn nachgebessert, etwa mit Zügen zwischen Wolfsburg und Mieste ab Mitte Dezember und einem Behelfsbahnsteig in Magdeburg. Diese Schritte könnten die Folgen der Sperrung aber „nur teilweise abfedern“.
Auch im Regionalverkehr gibt es erhebliche Einschränkungen, vor allem in Sachsen-Anhalt und Niedersachsen. Die Bahn verspricht ein „verlässliches Grundangebot“. So fahren Regionalzüge zwischen Stendal und Nauen über Wittenberge, Zwischenhalte wie Rathenow sind aber nur per Ersatzbus erreichbar. Von Stendal nach Wolfsburg sind Fahrgäste ebenfalls auf Busse angewiesen, ab Mitte Dezember zumindest bis Mieste.
Der Grund für die lange Sperrung liegt ebenfalls in Sachsen-Anhalt: Rund um Stendal müssen mehr als 50 Kilometer feste Betonfahrbahn erneuert werden, Zehntausende Tonnen Betonplatten werden herausgerissen und neu verlegt. Die Sanierung dauert damit mehr als doppelt so lange wie etwa bei der Riedbahn.
Eigentlich sollten die Fernzüge schon ab Dezember dieses Jahres über die parallele Lehrter Stammbahn durch die Altmark fahren. Deren Elektrifizierung verzögert sich aber bis Dezember 2027 – der Umweg über Magdeburg bleibt damit für die gesamte Bauzeit.
Drei Stunden bis Hannover, fünfeinhalb bis Düsseldorf
Die Fahrzeit zwischen Berlin und Hannover steigt um 80 auf rund 180 Minuten. Pro Richtung sollen alle zwei Stunden drei Fernzüge fahren. Das betrifft auch alle Verbindungen zwischen der Hauptstadt und Nordrhein-Westfalen: Nach Düsseldorf ist man nun mindestens fünfeinhalb Stunden unterwegs.
Die Arbeiten gehören zu den Generalsanierungen, mit denen die Bahn bis weit in die 2030er-Jahre mehr als 40 stark befahrene Korridore erneuern will. Ausgetauscht werden Hunderte Kilometer Gleise, Weichen und Oberleitungen, zudem werden rund zwei Dutzend Bahnhöfe modernisiert. Vollständig digitalisiert wird die Strecke nicht: Lediglich 6 von 25 Stellwerken werden für das Zugleitsystem ETCS vorbereitet, die übrigen erst in den 2030er-Jahren.
Der Verband Die Güterbahnen kritisiert seit Jahren, dass Güterzüge bei Generalsanierungen oft noch längere Umwege fahren müssten und die Umleitungen schlecht vorbereitet seien. Auch aus dem Verkehrsministerium kam zuletzt Kritik an Verzögerungen: Die Strecke Hamburg–Berlin wurde erst mit sechs Wochen Verspätung fertig, danach lief der Fernverkehr dort nicht zuverlässig.
Stellwerk Gerwisch nach Brand wieder in Betrieb
Die Strecke Magdeburg–Berlin, über die nun die umgeleiteten Fernzüge rollen, ist dagegen wieder voll leistungsfähig. Seit dem 30. September arbeitet in Gerwisch bei Magdeburg planmäßig ein neues Elektronisches Stellwerk (ESTW). Es ersetzt die alte Anlage, die bei einem Brand im September 2025 vollständig zerstört worden war. Zudem erneuerte die Bahn Signal- und Sicherungstechnik sowie einen Bahnübergang und passte die Technik in den benachbarten Stellwerksbereichen Möser und Biederitz an.
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„Dass wir das Stellwerk in Gerwisch nach dem Brand in nur zwölf Monaten komplett neu aufbauen und als modernes Elektronisches Stellwerk in Betrieb nehmen konnten, ist alles andere als selbstverständlich“, erklärte Projektleiter Stefan Groß von DB InfraGO. Für Kay Gericke, Bürgermeister der Gemeinde Biederitz, zu der Gerwisch gehört, endet damit eine lange Phase der Einschränkungen: „Das lang ersehnte Ende der Ersatzbusse bringt den Fahrgästen endlich wieder die gewohnte Zuverlässigkeit im Bahnverkehr zurück.“
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