Nicht mehr lange, dann werden sich die Bahnverbindungen von und nach Berlin erheblich verschlechtern. Vom 2. Oktober an wird die Schnellfahrstrecke Richtung Westen wegen Bauarbeiten gesperrt – mehr als 14 Monate lang. Reisende nach Hannover, Köln und Amsterdam sind länger unterwegs. Auf Pendler nach Rathenow, Stendal und Wolfsburg kommen noch größere Einschränkungen zu. Jetzt fordert der Fahrgastverband Pro Bahn einen radikalen Schritt.
Die Landesverbände Berlin-Brandenburg und Niedersachsen/Bremen verlangen von der Deutschen Bahn, die geplante Korridorsanierung zwischen Berlin-Spandau und Lehrte erst einmal abzusagen. Pendler drohten sonst „katastrophale Verhältnisse“, warnt die Fahrgastlobby. „Die geplanten Ersatzverkehre für die Zeit von Oktober 2026 bis Dezember 2027 sind völlig inakzeptabel“, so Pro Bahn. „Die weitgehende Abkopplung Wolfsburgs und der Berliner Vororte vom Bahnverkehr sorgt für unzumutbare Fahrzeitverlängerungen.“
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Ab 2. Oktober liegt Hannover drei Stunden entfernt
Wie berichtet werden zwischen Berlin und Niedersachsen, Nordrhein-Westfalen und den Niederlanden weiterhin Fernzüge verkehren – anders als heute über Magdeburg. Allerdings wird es ab dem 2. Oktober weniger Fahrten geben. Zudem brauchen die ICE-Züge viel mehr Zeit.
Während eine Bahnreise von Berlin nach Hannover heute laut Plan rund eine Stunde und 40 Minuten dauert, müssen Fahrgäste künftig rund drei Stunden einplanen. Auf der stark genutzten ICE-Linie nach Amsterdam fallen ebenfalls Fahrten weg. Die verbleibenden Züge werden über Hamburg-Harburg und Osnabrück Altstadt geleitet. Fahrzeitverlängerung auch auf dieser Strecke: rund 80 Minuten.
Wie schon während der zehneinhalbmonatigen Sperrung der Hamburger Bahn müssen Pendler noch größere Einschränkungen hinnehmen. Regionalzüge wie der RE4 von Berlin nach Rathenow und Stendal werden durch Busse ersetzt. Mit dem Schienenersatzverkehr (SEV) sind die Fahrgäste länger unterwegs als heute. Auch Fernpendler nach Wolfsburg müssen auf gewohnte Verbindungen lange verzichten.
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Der Regionalexpress RE4 braucht heute 52 oder 60 Minuten, um vom Berliner Hauptbahnhof nach Rathenow in Brandenburg zu gelangen. Ab Anfang Oktober dauert die Reise mit dem Zug bis Nauen und weiter mit dem SEV bis zu 97 Minuten. Auch Fahrgäste nach Dallgow-Döberitz, Elstal, Wustermark, Buschow und Nennhausen brauchen bald mehr Zeit.
Noch fährt der Regionalexpress RE4 von Berlin (hier im Hauptbahnhof) nach Wustermark, Rathenow und Stendal. Doch ab 2. Oktober müssen Fahrgäste mit dem Bus fahren.
© Peter Neumann/Berliner Zeitung
Ein weiteres Beispiel: Die Hansestadt Stendal in Sachsen-Anhalt ist heute im ICE von Berlin in 41 oder 42 Minuten erreichbar. Mit dem RE4 sind es 79 Minuten. Bald sollte man zwischen 103 und 140 Minuten einplanen – je nachdem, welche Route gewählt wird.
Ursprünglich sollten die Einschränkungen vom 2. Oktober bis 12. Dezember 2026 dauern und dann zwischen 15. Oktober und 11. Dezember 2027 wieder aufgenommen werden. Doch im August gab die Bahn bekannt, dass es auch in der Zwischenzeit Beeinträchtigungen geben wird. Der Grund: Anders als erwartet, steht die parallel verlaufende Lehrter Stammbahn nicht als Baustellenumfahrung zur Verfügung. Die Elektrifizierung dauert bis Ende 2027.
Das Volkswagen-Stammwerk in Wolfsburg. Heute kommen Pendler mit dem ICE in einer Stunde von Berlin in die VW-Stadt. Ab 2. Oktober dauert die Reise rund drei Stunden.
© Stefan Rampfel/dpa
Pro Bahn fordert die Bahn nun auf, die Bauarbeiten erst dann in Angriff zu nehmen, wenn die Strecke im elektrischen Betrieb genutzt werden kann. „Erst nach Fertigstellung der laufenden Elektrifizierung der alten Lehrter Bahn zwischen Wolfsburg und Berlin, die parallel zur Schnellfahrstrecke läuft, kann die Korridorsanierung sinnvoll durchgeführt werden“, betonte der Fahrgastverband.
„Besonders den zahlreichen Fernpendlern aus dem Raum Wolfsburg und Braunschweig, die sich darauf eingestellt haben, flexibel und schnell mit dem Zug von und nach Berlin zu kommen, drohen katastrophale Verhältnisse bis hin zur Zerstörung ganzer Lebensentwürfe, wenn die Pendelzeiten sich auf bis zu sechs Stunden pro Tag verlängern“, kritisiert die Fahrgastlobby.
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Landrat und Bürgermeister unterzeichnen Protestbrief
Die Deutsche Bahn werde mit ihren aktuellen Planungen ihrer gesellschaftlichen Verantwortung in keiner Weise gerecht. „Sie wird bei einem Festhalten an diesen Plänen massive persönliche und volkswirtschaftliche Schäden anrichten“, warnte Pro Bahn.
Am Montagvormittag unterzeichnen Roger Lewandowski (CDU), Landrat des Landkreises Havelland, gemeinsam mit den Spitzen betroffener Städte und Gemeinden auf dem Rathenower Bahnhofsvorplatz ein Protestschreiben. Der Brief richtet sich an die Bahnchefs, Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) und den Brandenburger Infrastrukturminister Robert Crumbach (SPD).
Die Forderung lautet: Die Deutsche Bahn müsse alles tun, um eine Sperrung in diesem zeitlichen Ausmaß zu verhindern. Außerdem solle gesichert sein, dass die Infrastruktur an den Ausweichbahnhöfen der Hamburger Bahn entsprechend bereitsteht.
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