HALT MICH FEST, ZDF: So ist das mit den Rockmusikern: Wenn sie erfolgreich sind, fehlt es nie an Geld, aber immer an Freunden. Die Show-Welt ist kalt. Deshalb schießen sie sich mit doppelläufigen Schrotflinten aus der Welt hinaus ins kuschlige Jenseits. Genauso tat s der unglückliche Freddi, an dessen Grab seine alten Rockerfreunde Karl, Johnny und Rita noch einmal zusammenkommen. Früher spielten sie in Freddis Band, doch dann hat sie das Leben auseinander gerissen. Rita (Anna Loos), mit Kind und Spießergatte, ist bürgerlich geworden, Johnny (Jan Josef Liefers) hat Hüftspeck und hütet seinen Vater. Karl (Jan-Gregor Kemp) nudelt auf Schützenfesten alte Hits herunter. Nach der Beerdigung betrinken sie sich gemeinsam und schwelgen in geschönten Erinnerungen.Obwohl der Film fortan mit Rührseligkeiten um sich warf, rutschte das Road-Movie nicht zur verlogen-weinerlichen Rockerklamotte ab. Das lag an Regisseur Horst Sczerba, der durch Rückblenden und Parallelmontagen gekonnt Atmosphäre aufbaute. Das lag auch an der Spielfreude der Protagonisten. Vor allem Anna Loos, die man bisher als Kölner Tatort-Assistentin kannte, sang die alten Bierzeltkracher mit inbrünstigem Schmelz. Da konnte man schon großzügig über allzu seifige Bilder und hemmende Klischees hinwegblicken. Seine beste Szene hatte der Film, als das Trio mit schöner Beiläufigkeit und ohne bekannte ZDF-Prüderie gemeinsam ins Bett stieg und erotisch Hand aneinander legte. Am Ende durften sich die drei Altrocker auch sonst noch selbst verwirklichen. Rita verlässt Mann und Kind, um mit Karl und Johnny wieder eine Band zu gründen. Sie singen jetzt deutsch und erfüllen sich erfolgreich ihre Träume. Selbst das Scheidungskind winkt fröhlich aus dem Publikum. Verwundert reibt man sich die Augen! Ist die finale Rockeridylle, die uns der Film in schönsten Farben ausmalt, vielleicht noch viel spießiger als Hemden bügeln im Reihenhaus?
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