Paläontologie

Spitzenräuber: Tyrannosaurus rex war laut Studie viel später ausgewachsen als gedacht

Der Dinosaurier erreichte seine volle Größe deutlich später als bisher angenommen. Die Analyse stellt auch die Deutung bekannter Fossilien infrage.

Peter Steiniger
Peter Steiniger
3 Min
Das Tyrannosaurus-rex-Fossil Sue im Field Museum in Chicago

Das Tyrannosaurus-rex-Fossil Sue im Field Museum in Chicago

© Gage Skidmore/imago

Der Tyrannosaurus rex hat seine volle Körpergröße einer Untersuchung zufolge erst im Alter von etwa 40 Jahren erreicht. Das geht aus einer im Januar im Fachjournal PeerJ veröffentlichten Studie hervor, über die der Wissenschaftsdienst ScienceDaily am Montag berichtete.

Damit wäre die Wachstumsphase des Raubsauriers gegenüber bisherigen Schätzungen rund 15 Jahre länger gewesen. Frühere Arbeiten waren davon ausgegangen, dass der bis zu acht Tonnen schwere Fleischfresser sein Wachstum schon mit etwa 25 Jahren abschloss.

Für die Analyse untersuchte ein Team um die Anatomin und Paläontologin Holly Woodward von der Oklahoma State University 17 Tyrannosaurier-Fossilien – vom Jungtier bis zum ausgewachsenen Exemplar. Die Forscher zählten dabei Wachstumsringe in versteinerten Beinknochen, ähnlich den Jahresringen in Baumstämmen. Anders als bei einem Baumstumpf seien in einem Knochenquerschnitt allerdings nur die letzten zehn bis 20 Lebensjahre des Tieres dokumentiert, heißt es in der Studie.

Verborgene Ringe in polarisiertem Licht

Neu an der Untersuchung ist nach Angaben der Autoren der Einsatz von zirkular und gekreuzt polarisiertem Licht, mit dem sich zusätzliche, bislang übersehene Wachstumsmarken sichtbar machen lassen.

Ergänzend kombinierte der Mathematiker und Paläobiologe Nathan Myhrvold vom Unternehmen Intellectual Ventures die Daten der einzelnen Funde mit einem statistischen Modell zu einer gemeinsamen Wachstumskurve. Das Verfahren liefere ein realistischeres Bild davon, wie der T. rex gewachsen sei und wie groß die Unterschiede zwischen den Tieren waren, erklärte Myhrvold in der Pressemitteilung.

Studien-Mitautor Jack Horner von der Chapman University in Kalifornien verwies auf eine mögliche ökologische Bedeutung der langen Entwicklungszeit. Eine vier Jahrzehnte dauernde Wachstumsphase habe es jüngeren Tyrannosauriern erlaubt, unterschiedliche Rollen in ihrer Umwelt einzunehmen. Das könne dazu beigetragen haben, dass die Art am Ende der Kreidezeit zu den dominierenden Spitzenräubern aufgestiegen sei.

Zweifel an Zuordnung berühmter Funde

Die Auswertung wirft zugleich Fragen zur Einordnung einzelner Fossilien auf. Die Wachstumskurven zweier bekannter Exemplare mit den Spitznamen „Jane“ und „Petey“ passen den Autoren zufolge statistisch nicht zu den übrigen Funden. Allein aus den Wachstumsdaten lasse sich zwar nicht ableiten, ob es sich um eigene Arten handele, sagte Woodward. Der Befund mache diese Möglichkeit aber zu einer ernst zu nehmenden Option. In der Fachdebatte wird seit Jahren diskutiert, ob kleinere Funde der Gattung Nanotyrannus zuzuordnen sind oder ob es sich um junge T. rex handelt.

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Die Forscher sprechen in ihrer Arbeit deshalb vom „Tyrannosaurus-rex-Artenkomplex“. Die vorgestellte Methode könne nach Einschätzung der Autoren auch genutzt werden, um das Wachstum anderer Dinosaurierarten neu zu bewerten.

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