Sportvereine sollen ihre Bäder selbst betreiben

Vor dem Sprung ins kalte Wasser

Iris Brennberger
4 Min

Ein Drittel der Kosten würden sie vielleicht sparen. Genauer kann auch Hagen Stamm nicht sagen, was unterm Strich rauskommt. Nur so viel: Wenn sein Verein, die Wasserfreunde Spandau 04, das Forumbad Olympiastadion im Bezirk Charlottenburg-Wilmersdorf betreiben würde, fiele das Ergebnis am Jahresende sicher besser aus. "Die Personalkosten könnte man komplett sparen", sagte er. Auch über Energiesparmaßnahmen habe sich die Vereinsspitze schon Gedanken gemacht. Allerdings gestand Stamm ein: "Rentabel können auch wir das Forumbad nicht führen." Doch damit ist er beim eigentlichen Problem. Am Dienstag haben die Berliner Bäderbetriebe (BBB) den Schwimmvereinen angeboten, die auf der Streichliste des Senats aufgeführten Bäder in Eigenregie zu übernehmen. Zwölf Anlagen sind es insgesamt, darunter sieben reine Kita-, Schul- und Vereinsbäder wie das Forumbad. Zudem sollen die zwölf Freibäder, also Bäder an Naturgewässern, verpachtet werden. Auch hierfür können sich Vereine bewerben. Der Senat hofft, dass er allein durch die Bäderschließungen pro Jahr 2,8 Millionen Euro einsparen kann. Einige Vereine sind durchaus bereit, Bäder zu übernehmen, um sie so vor der Schließung zu bewahren. Zwei Reinickendorfer Vereine schmieden Pläne für die Schwimmhalle Cité Foch. Auch fürs Freibad Plötzensee und das Stadtbad Steglitz gibt es Interessenten, heißt es beim Schwimmverband. Die Wasserfreunde wären sogar bereit, extra Personal einzustellen, um im Forumbad künftig das Schul- und Kita-Schwimmen zu betreuen. Schon seit 1995 stellt der Verein täglich ab 15 Uhr das Personal zum Betrieb der Halle. In Zukunft würden die Wasserfreunde den ganzen Tag am Einlass stehen, ausgebildete Rettungsschwimmer als Bademeister einsetzen und Mitglieder für Reinigungsarbeiten aufbieten.Aber damit wäre das Problem noch nicht gelöst. Denn zum einen müssten weiterhin die Fachleute der Bäderbetriebe Wartungsarbeiten ausführen. Zum anderen bleiben die Betriebskosten - für Strom, Wasser, Steuern. "Es gibt kein Hallenbad, das schwarze Zahlen schreibt", sagte Manuel Kopitz, Geschäftsführer des Schwimmverbands. Auch die Vereine würden öffentliche Mittel brauchen. Man könne nicht erwarten, dass sie schaffen, woran die Bäderbetriebe gescheitert sind. "Denen geht es ja nicht umsonst so schlecht.""Noch ist vieles unausgegoren", sagte auch Manfred Radermacher, Sprecher der Bäderbetriebe, zur privaten Betreiberschaft. Die BBB seien dafür, doch Details würden erst in den nächsten Tagen geklärt. Es sei wohl unumgänglich, dass die Bäderbetriebe auch in Zukunft Facharbeiten ausführten, sagte er. Doch darüberhinaus müssten "intelligente Lösungen" gefunden werden, um die Kosten zu reduzieren. Als eine Möglichkeit nannte er die Zusammenarbeit der Vereine mit Sponsoren. Unternehmen könnten beispielsweise die Energiekosten für eine Halle übernehmen. Als "Nonsens" bezeichnete Radermacher Vorschläge, ähnliche Regelung wie mit dem SC Neukölln zu treffen. Der Verein betreibt ein eigenes Schwimmbad - für die Betriebskosten müssten jedoch die BBB aufkommen.Am 6. März tritt laut Radermacher der Aufsichtsrat der Bäderbetriebe wieder zusammen. Bis dahin sollen die ersten Sondierungsgespräche mit den Vereinen beendet sein. Wie es am Mittwoch beim Landessportbund (LSB) hieß, soll bis dahin auch noch einmal über die Berliner Bäderlandschaft generell gesprochen worden sein. Der LSB setzt sich dafür ein, prinzipiell Mischbäder abzuschaffen. Hier nutzen Vereine und Schulen einzelne Bahnen und Trainingszeiten, zugleich stehen die Bäder auch der Öffentlichkeit offen. Stattdessen soll es künftig nur noch Publikumsbäder sowie pro Bezirk ein reines Kita-, Schul- und Vereinsbad geben, wo Mitglieder und Kinder trainieren könnten.Schließen oder den Vereinen überlassen // Die Streichliste: Der Senat will zwölf Bäder schließen. Er erhofft sich davon Einsparungen von rund 2,8 Millionen Euro pro Jahr.Auf der Liste stehen: das Stadtbad Wedding (Mitte), die Schwimmhalle Weinstraße (Friedrichshain-Kreuzberg), das Stadtbad Charlottenburg, das Forumbad Olympiastadion (Charlottenburg-Wilmersdorf), das Hallenbad Hüttenweg und das Stadtbad Steglitz (Steglitz-Zehlendorf), das Hallenbad Adlershof und die Kleine Schwimmhalle an der Wuhlheide (Treptow-Köpenick), die Schwimmhalle Rudolf-Seiffert-Straße und die Halle Sportforum Hohenschönhausen (beide Lichtenberg), die Schwimmhalle Wolfshagener Straße (Pankow), die Schwimmhalle in der Cité Foch (Reinickendorf).Letzte Rettung: Vereine, deren Bäder geschlossen werden sollen, können die Anlagen in Eigenregie übernehmen. Das haben die Bäderbetriebe angeboten. Fraglich ist, ob die Vereine genügend Personal und Geld haben.Privatisierung: Zwölf Freibäder sollen verpachtet werden. Auch hierfür können sich Vereine bewerben."Die Pläne sind noch unausgegoren." BBB-Sprecher Radermacher

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