Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner hat nach Informationen der Financial Times (FT) einen Einstieg seines Medienkonzerns beim europäischen Geschäft von TikTok vorgeschlagen.
Bei einem Mittagessen mit dem US-Botschafter in Frankreich, Charles Kushner, habe er im Januar für eine Abspaltung und Übernahme des Europageschäfts durch einen Investorenkreis geworben, berichtet die britische Wirtschaftszeitung unter Berufung auf interne Quellen. TikToks Mutterkonzern ByteDance bezeichnet die Darstellung laut FT als vollständig erfunden.
Axel Springer erklärte gegenüber der Zeitung, Döpfner habe sich stets öffentlich für eine europäische Lösung nach amerikanischem Vorbild eingesetzt. Wäre eine solche Lösung zustande gekommen, hätte der Konzern eine Beteiligungsmöglichkeit begrüßt. Damit bestätigt das Unternehmen allerdings nicht ausdrücklich die geschilderten Gesprächsdetails.
Das Treffen fand laut FT in der Berliner Konzernzentrale statt. Kushner ist der Vater von Jared Kushner, dem Schwiegersohn von US-Präsident Donald Trump. Die Veranstaltung sei als Austausch über Antisemitismus in sozialen Netzwerken angekündigt gewesen. Im Verlauf habe Döpfner seine Vorstellungen für das Europageschäft der Videoplattform erläutert.
US-Gemeinschaftsunternehmen als Vorbild
Als Modell soll die Neuordnung des amerikanischen TikTok-Geschäfts gedient haben. Nach der offiziellen Unternehmensmitteilung wurde im Januar das Gemeinschaftsunternehmen TikTok USDS Joint Venture gegründet. Es wird mehrheitlich von amerikanischen Investoren kontrolliert. Oracle, die Beteiligungsgesellschaft Silver Lake und die Investmentgesellschaft MGX halten jeweils 15 Prozent.
Das Unternehmen soll insbesondere amerikanische Nutzerdaten, den Empfehlungsalgorithmus und die Moderation der Inhalte absichern. Die Daten werden nach Unternehmensangaben in der US-Cloud von Oracle gespeichert. Die Vereinbarung ermöglichte TikTok, seinen Betrieb in den USA unter veränderten Bedingungen fortzusetzen.
Für Europa kam ein entsprechendes Vorhaben dem FT-Bericht zufolge nicht voran. Die Idee sei mit Vertretern des für Technologie zuständigen Bereichs der EU-Kommission erörtert worden, dort jedoch auf wenig Zustimmung gestoßen und schließlich fallengelassen worden. Auch ByteDance sei nicht interessiert gewesen.
Brüssel setzt auf Durchsetzung europäischer Regeln
Die Frage europäischer Eigentümer für TikTok wird bereits länger politisch diskutiert. Kulturstaatsminister Wolfram Weimer hatte etwa dafür geworben, das Europageschäft der Plattform in europäische Hände zu legen.
Die EU-Kommission erklärte auf eine entsprechende Frage bei ihrem Pressebriefing am 12. Mai, bei der Rechtsdurchsetzung seien weder die Eigentümerschaft noch das Herkunftsland eines Unternehmens entscheidend. Maßgeblich sei die Einhaltung europäischer Vorschriften.
Wie bedeutend der Markt ist, zeigen die von TikTok veröffentlichten Nutzerzahlen. Nach eigenen Angaben erreicht die Plattform monatlich 189 Millionen Menschen in der Europäischen Union.
Döpfner fordert Verkauf oder Verbot
Döpfner zählt seit Jahren zu den Kritikern der chinesisch kontrollierten Plattform. Im September forderte er in einem dpa-Interview, TikTok müsse entweder an demokratische Aktionäre verkauft oder verboten werden. Zugleich erklärte er, Springer werde auf Dauer nicht auf die Plattform als Vertriebskanal verzichten können, falls eine politische Lösung ausbleibe. Auch Bild und Welt sind auf TikTok vertreten.
Ob es über den im Januar geschilderten Vorstoß hinaus konkrete Kaufverhandlungen oder ein ausgearbeitetes Angebot gab, geht aus dem Bericht nicht hervor. Die US-Botschaft in Paris lehnte gegenüber der FT eine Stellungnahme ab.
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