Nahost

Trotz Waffenruhe: Israel bombardiert Küstenstadt Tyros im Libanon

Der Iran hatte weitere Angriffe im Libanon als rote Linie bezeichnet. Nun trafen israelische Luftangriffe erstmals große Teile der Küstenstadt Tyros.

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Rauch über Tyros nach einem israelischen Luftangriff. Die Küstenstadt wurde erneut bombardiert. (Archivbild)

Rauch über Tyros nach einem israelischen Luftangriff. Die Küstenstadt wurde erneut bombardiert. (Archivbild)

© Ali Hashisho/dpa

Die israelische Armee hat die libanesische Küstenstadt Tyros im Süden des Landes mit mehreren Luftangriffen getroffen. Zuvor hatte Israel erstmals die Bewohner der ganzen Stadt zur Evakuierung aufgefordert. Die Angriffe erfolgen nur einen Tag, nachdem der Iran angekündigt hatte, auf weitere israelische „Aggressionen“ im Libanon reagieren zu wollen.

Verifizierte Aufnahmen, die von der BBC ausgewertet wurden, zeigen massive Zerstörungen im Stadtzentrum von Tyros. Mehrere Gebäude wurden demnach vollständig zerstört. Auf Bildern sind Rettungskräfte und Krankenwagen zwischen Trümmern zu sehen. Über der Stadt stiegen große Rauchwolken auf.

Nach Angaben der staatlichen libanesischen Nachrichtenagentur NNA kamen bei den Angriffen mindestens drei Menschen ums Leben. Ein Todesopfer wurde demnach aus den Trümmern eines Gebäudes im Stadtteil al-Massaken al-Schaabiya geborgen. Zwei weitere Menschen seien bei einem Drohnenangriff auf die Ortschaft Kfar Roummane nordöstlich von Tyros getötet worden. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig überprüfen.

Evakuierungsaufruf für gesamte Stadt Tyros

Israel hatte Tyrus in den vergangenen Monaten wiederholt beschossen und dies mit Angriffen auf Stellungen der vom Iran unterstützten Hisbollah-Miliz begründet. Am Dienstag wurden erstmals nicht nur die Bewohner einzelner Viertel, sondern der ganzen Stadt zur Evakuierung aufgerufen. Die Menschen sollten sich in Gebiete jenseits des 30 Kilometer nördlich gelegenen Sahrani-Flusses begeben, erklärte ein israelischer Armeesprecher.

Israels arabischsprachiger Armeesprecher Avichay Adraee erklärte auf X, die Maßnahmen seien eine Reaktion auf Verstöße der Hisbollah gegen die Waffenruhe. Die Armee warf der schiitischen Miliz vor, in den betroffenen Gebieten militärische Infrastruktur zu nutzen.

Tyros gehört zu den größten Städten des Libanon und gilt als Hochburg der schiitischen Bevölkerung im Süden des Landes. Die Region zählt zugleich zum traditionellen Einflussgebiet der Hisbollah.

Iran drohte mit neuer Reaktion

Die Luftangriffe erfolgten einen Tag nach dem vorläufigen Ende der direkten Konfrontation zwischen Israel und dem Iran. Beide Staaten hatten am Montag erklärt, ihre gegenseitigen Angriffe zunächst einzustellen. Eigentlich gilt im Libanon seit Mitte April eine Waffenruhe. Israel und die von Teheran unterstützte Hisbollah greifen sich dessen ungeachtet weiter täglich an. Der Iran hatte am Montag damit gedroht, Israel abermals anzugreifen, sollte es den Libanon weiter beschießen.

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Der iranische Präsident Massud Peseschkian erklärte auf X, sein Land werde „vor keiner Bedrohung zurückweichen“. Das iranische Militär kündigte zudem „harte Maßnahmen“ an, falls Israel seine Angriffe im Libanon fortsetze. Israels Verteidigungsminister Israel Katz entgegnete, die Armee werde weiterhin gegen die Hisbollah im Libanon vorgehen.

Die proiranische Hisbollah rief die libanesische Regierung am Dienstag dazu auf, die Beziehungen zum Iran zu verbessern. Beirut müsse von der Unterstützung Teherans profitieren, erklärte die Miliz. Die Hisbollah, deren militärischer Arm auf der Terrorliste der Europäischen Union steht, wird seit Jahren politisch, finanziell und militärisch vom Iran unterstützt.

Sorge vor neuer Eskalation

Trotz mehrerer Waffenruhevereinbarungen dauern die Kämpfe zwischen Israel und der Hisbollah an. Israel führt weiterhin Luftangriffe und Bodenoperationen im Süden des Libanon durch. Die Hisbollah meldete zuletzt erneut Raketenangriffe auf israelische Truppen. Israel verfolgt nach eigenen Angaben das Ziel, eine von der Hisbollah freie Sicherheitszone im Grenzgebiet zu schaffen. Die Miliz lehnt eine Entwaffnung bislang ab.

Besondere Aufmerksamkeit erhält der Angriff auf Tyros auch wegen der Bedeutung der Stadt. Die Hafenstadt zählt zu den ältesten dauerhaft bewohnten Städten der Welt. Teile der historischen Stätten gehören zum Unesco-Weltkulturerbe.

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