Eine Meldung elektrisiert Staaken: Der Senat will die Bewohner der Wagenburg an der East Side Gallery in Friedrichshain auf den Flugplatz (Gemeinde Dallgow-Döberitz) umsiedeln. Noch hat zwar kein Rollheimer die grüne Brache betreten, doch die Staakener beginnen sich bereits auf ihre neuen Nachbarn einzustellen.Die Meldungen, die den 170 Menschen in ihren baufälligen Autos und Wohnwagen vorauseilen, tragen nicht gerade zu einem guten Image bei. An der East Side Gallery an der Spree sammeln sich Autoschrott und Müll. Der Senat prüft, ob das Gelände für 3,5 Millionen Mark saniert werden muß. Höhepunkt der Negativ-Publicity: Im Frühjahr war in der Wagenburg ein Mann getötet worden. Sein Tod ist noch nicht aufgeklärt."Wenn Menschen sich ordentlich benehmen, stören sie mich nicht", sagt Siegfried Dentel. Der 57jährige, der seit 1963 in West-Staaken wohnt, glaubt jedoch nicht, daß der Flugplatz Staaken eine gute Lösung ist. "Das ist doch wieder keine sichere Bleibe", sagt er. Schließlich wüchse Spandau mit seinem Umland zusammen. Eine weitere Umsiedlung der Rollheimer sei vorhersehbar. Viel besser sei doch ein Standort auf dem Land, irgendwo in Brandenburg.Johannes Reichelt dagegen möchte die Menschen mit der nicht angepaßten Lebensform nicht als Nachbarn haben. Der Werkzeugmacher aus dem Zeestower Weg fürchtet, daß sein Sohn von den Rollheimern behelligt werden könnte. "Er geht in die Linden-Grundschule. Das ist ganz in der Nähe." Er verstehe nicht, warum die Wagenburgler ausgerechnet an den Stadtrand ziehen sollen. "Die sollen lieber dorthin, wo sie jeder sieht." Er plädiert für den Grunewald: "Da wären die bald wieder weg."Jürgen Thrun ist nicht so skeptisch. Er steht den neuen Nachbarn in spe tolerant gegenüber. "Die sollen doch ruhig hier herkommen", sagt der 59jährige Vorruheständler und deutet über das weite Feld des Flugplatzes. Platz sei genug vorhanden. Und Angst habe er keine. "Das sind doch ganz normale Menschen, die ein bißchen anders leben und ein bißchen anders aussehen."Dallgows Stellvertretender Bürgermeister, Hans-Günter Heppe, will alles dafür tun, daß die Staakener sich gar nicht erst an ihre neuen Nachbarn gewöhnen müssen. "Der öffentliche Druck bei uns sagt deutlich Nein. Bewohner, Gewerbetreibende und auch Investoren schlagen die Hände über dem Kopf zusammen." Auch für die soziale Betreuung und die technische Versorgung der Neu-Dallgower sehe er "unüberwindbare Schwierigkeiten".Gabriele Lukas beschwichtigt. Die Sprecherin der Senatsgesundheitsverwaltung weist darauf hin, daß "wir nicht vorhaben, die chaotischen Verhältnisse von der East Side Gallery nach Dallgow rüberzutransportieren." So würde Berlin für "ein Mindestmaß an sanitärer Versorgung" sorgen. Bis zum 21. August fallen auf keinen Fall Entscheidungen. Dann beratschlagen die 17 Gemeindevertreter Dallgows über das Berliner Ansinnen. +++
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