Der CDU-Abgeordnete und Vorsitzende des CDU-Kreisverbandes Pankow, René Stadtkewitz, behält trotz eines Brandanschlages auf sein Wohnhaus alle seine Ämter und Mandate. "Ich werde nicht aufgeben", sagte Stadtkewitz in einer persönlichen Erklärung gestern im Abgeordnetenhaus. In anonymen Drohbriefen war er zuvor aufgefordert worden, sein Amt niederzulegen.Unbekannte Täter hatten in der Nacht zum Donnerstag vergangener Woche einen Brandsatz in den Keller des Wohnhauses von Stadtkewitz in Karow geworfen. Durch das Feuer wurde niemand verletzt. Stadtkewitz und seine Frau hatten noch nicht geschlafen. Sie bemerkten den Brand, brachten sich und die Kinder in Sicherheit. Die Polizei ermittelt wegen versuchter schwerer Brandstiftung. Sie hat noch keine Spur auf den oder die Täter.Stadtkewitz sieht in dem Anschlag einen "direkten Zusammenhang mit meiner Arbeit, mit meinem Einsatz gegen den geplanten Bau der Moschee in Pankow-Heinersdorf". Sein privates und persönliches Umfeld schließt er als Tat-Hintergrund aus. "Ich weiß, dass es da niemanden gibt, der auch nur annähernd für eine solche Tat in Betracht käme."Seit Monaten unterstützt der CDU-Kreisvorsitzende eine Heinersdorfer Bürgerinitiative, die gegen den Bau einer Moschee protestiert. In der Tiniusstraße will die Ahmadiyya Muslim Gemeinde bis 2007 eine zweistöckige Moschee mit Minarett bauen. Stadtkewitz hält den Standort für ungeeignet, weil in Heinersdorf keine Mitglieder der Ahmadiyya Gemeinde leben.In drei anonymen Drohbriefen wurde der CDU-Mann aufgefordert, sich "aus der Sache herauszuhalten" und bis Ende Juli sein Mandat niederzulegen. "Tue ich dies nicht, würde es ernst für meine Kinder und für meine Frau", zitierte Stadtkewitz aus dem dritten Brief, der im Juli kam. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen unbekannt wegen Bedrohung und Nötigung von Verfassungsorganen. Die Briefe stehen im Mittelpunkt der Ermittlungen. "Es könnte sein, dass die Urheber identisch sind mit den Tätern, die den Brandsatz geworfen haben", sagte Frank Thiel, Sprecher der Staatsanwaltschaft. Andere Motive für die Tat könnten aber nicht ausgeschlossen werden. Dass die Drohbriefe Informationen enthielten, die nur Personen aus dem nahen Umfeld Stadtkewitz' haben könnten, bestätigte die Staatsanwaltschaft gestern. Die Briefe seien "persönlichen Inhalts", sagte Thiel.Der Vorsitzende der CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus, Nicolas Zimmer, kritisierte, dass weder Parlamentspräsident Walter Momper noch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit (beide SPD) auf den Anschlag reagiert hätten. "Es würde auch der politischen Kultur in Berlin gut tun, wenn hier ein Wort des Mitgefühls und der Solidarität von diesen Personen gefallen wäre", sagte Zimmer.------------------------------Die CDU und die MoscheeVor einer Bürgerversammlung im April 2006 schreibt René Stadtkewitz einen Brief an die Heinersdorfer. Inhalt: Die Ahmadiyya Gemeinde solle überzeugt werden, einen anderen Standort für die Moschee zu wählen.Die Pankower Christdemokraten sind zerstritten. Die Fraktion im Bezirksparlament akzeptiert die Moschee. Das Bauamt unter CDU-Stadtrat Martin Federlein stellt einen positiven Bauvorbescheid aus. Der Ortsverband Schönhauser Allee unterstützt den Bau. Mitglieder von dort gehören zur Ahmadiyya Gemeinde.CDU-Spitzenkandidat Friedbert Pflüger sagte im April, die Moschee dürfe nicht gegen die dort lebenden Menschen durchgesetzt werden.Im Juli bittet Stadtkewitz den Vorsitzenden der Ahmadiyya Gemeinde, den Bauantrag erst nach den Wahlen am 17. September einzureichen, "um eine Eskalation des Konflikts zu vermeiden".Die Antifa Weißensee demonstriert am 27. August gegen den "rassistischen Mob in Heinersdorf". Stadtkewitz fordert den Bezirksbürgermeister (PDS) und den BVV-Vorsteher (Grüne) auf, "sich an die Seite der diffamierten Bürger von Heinersdorf zu stellen".------------------------------Foto : René Stadtkewitz will sich nicht einschüchtern lassen. Er bleibt CDU-Abgeordneter.
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