Staatsbibliothek zeigt Dokumente über die Deutsche Akademie im New Yorker Exil

Der "rote" Prinz zu Löwenstein

Jörg Plath
3 Min

Der "rote Prinz" wurde er von Goebbels genannt. Nun war Hubertus Prinz zu Löwenstein zwar ein Mitglied der Zentrumspartei. Doch der verarmte Sproß der Wittelsbacher focht für die bürgerliche Weimarer Republik. Rechtzeitig gewarnt, ging er, erst 27jährig, im April 1933 mit seiner Frau ins Exil. "Auf Reisen" vermerkt die Abmeldebescheinigung treffenderweise, die nun in der Berliner Staatsbibliothek am Kulturforum ausliegt. Dort zeigt eine Ausstellung das Lebenswerk Löwensteins: die Deutsche Akademie der Künste und Wissenschaften im Exil. Bedrückende Bittbriefe Nach Reisen durch Europa, auf denen Löwenstein mit publizistischem und rhetorischem Talent gegen die Nationalsozialisten kämpfte, wurde er bei seinem ersten Besuch in den USA als möglicher Hitler-Nachfolger gehandelt. 1935 gründete er in New York die Deutsche Akademie als überparteiliche Vertretung des wahren Deutschlands. Zwei der bekanntesten Emigranten konnte Löwenstein als Präsidenten gewinnen: Sigmund Freud und Thomas Mann. 160 Intellektuelle, meist Schriftsteller und Publizisten, förderte die Akademie, darunter Anna Seghers, Leonhard Frank, Ernst Bloch und Robert Musil. Oft genug waren die bescheidenen 30 bis 50 Dollar monatlich ihr einziges Einkommen. 16 solcher Einzelschicksale zeichnet die 1993 bereits in Frankfurt am Main und Leipzig gezeigte Ausstellung des Exilarchivs in der Deutschen Bibliothek nach. Bedrückende Bitt- und Dankbriefe werden eingerahmt von der Biographie Löwensteins und der Geschichte der Deutschen Akademie. Dokumentiert wird auch, wie die angegliederte Guild of German Cultural Freedom mit Bittbriefen, einer Manuskriptauktion und Diners zu Ehren Thomas Manns Gelder akquirierte. Doch angesichts der Nöte reichte es nie, und wenn sich Löwenstein zu Vortragsreisen in Europa aufhielt, kam die Arbeit der Akademie fast ganz zum Erliegen.Nach Kriegsausbruch holte dann die Politik die überparteiliche Institution ein. Der konservative Löwenstein sprach sich in einem Artikel gegen das alliierte Kriegsziel aus, Deutschland zu teilen. Monarchist und Liberaler Als sich unter anderen Thomas Mann scharf von Löwenstein distanzierte, war das Schicksal der Akademie besiegelt. Ihre Arbeit lief aus, Löwenstein aber steckte nicht auf. Um den Exilanten in den von der Wehrmacht überrollten Ländern Transit- und Einreisevisa zu beschaffen, nutzte er alle seine Verbindungen; vom mexikanischen Konsul erhielt er gar 500 Blankovisa. Einen Märchenprinzen hat ihn der Schriftsteller Hans Sahl einmal genannt, er sei "ein Monarchist und ein Liberaler (gewesen), der davon träumte, einmal, nach dem Ende Hitlers, der erste sozialistische Kaiser von Deutschland zu werden". Aber in eigener Sache besaß Löwenstein offenbar eine nicht ganz so glückliche Hand.Staatsbibliothek zu Berlin, Potsdamer Straße, Mi-Fr, 9-21 Uhr, Sa 9-17 Uhr, sonn- und feiertags geschlossen. Bis zum 31. 1. 1996. Eintritt frei. Der fast 600seitige Katalog mit vielen bisher unveröffentlichten Briefauszügen kostet 40 Mark. +++

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