Satellitenkommunikation

Kontrolle im All: Ukraine plant eigenes Starlink – mit finnischer Hilfe

Kiew will die Kontrolle über seine Drohnen zurückgewinnen. Finnische Firmen sollen helfen, die Abhängigkeit von Starlink zu verringern.

3 Min
Wolodymyr Selenskyj (l.) begrüßt Finnlands Ministerpräsidenten Petteri Orpo in Kiew. Die Ukraine will mit finnischer Hilfe ein eigenes Satellitenkommunikationssystem entwickeln.

Wolodymyr Selenskyj (l.) begrüßt Finnlands Ministerpräsidenten Petteri Orpo in Kiew. Die Ukraine will mit finnischer Hilfe ein eigenes Satellitenkommunikationssystem entwickeln.

© Emmi Korhonen/Lehtikuva/dpa

Inmitten anhaltender Probleme mit Elon Musks Starlink will die Ukraine mit finnischer Hilfe ein eigenes Satellitennetz zur Kommunikation aufbauen. Kiew vereinbarte dazu mit den finnischen Unternehmen Nokia und ICEYE bereits am Donnerstag eine Zusammenarbeit. Wie ICEYE mitteilte, unterzeichneten die Unternehmen und das ukrainische Verteidigungsministerium eine entsprechende Absichtserklärung. 

Mit einem eigenen Netz will Kiew seine Abhängigkeit vom US-Satellitendienst Starlink verringern. Dessen Beschränkungen behindern derzeit ukrainische Drohneneinsätze.

Die Vereinbarung wurde beim Besuch des finnischen Ministerpräsidenten Petteri Orpo in Kiew bekanntgegeben. „Die moderne Kriegsführung hat gezeigt, dass zuverlässige Kommunikation eine Frage der nationalen Sicherheit ist“, erklärte Präsident Wolodymyr Selenskyj laut der Unternehmensmitteilung. „Wir alle müssen uns auf Fähigkeiten stützen können, die wir kontrollieren.“

Kontrolle über Satelliten und Bodenstationen

Die Unternehmen wollen mit Kiew Möglichkeiten für ein System prüfen, bei dem die Ukraine Satelliten, Bodeninfrastruktur und Endgeräte selbst besitzen und kontrollieren könnte. „Die Ukraine braucht sichere, souveräne und leistungsfähige Satellitenkommunikationssysteme, die sie selbst kontrolliert“, bekräftigte ICEYE-Chef Rafal Modrzewski.

Nokia und ICEYE hatten ihre grundsätzliche Entwicklungspartnerschaft bereits am 1. Oktober angekündigt. Geplant sind Breitbandverbindungen über Satelliten in niedriger Erdumlaufbahn. Erste Starts werden für das Jahr 2028 erwartet. Die Systeme sollen bestehende militärische und kommerzielle Netze ergänzen und besonders wichtige Einsatzgebiete versorgen.

Für das ukrainische Vorhaben wurden bislang weder Kosten noch Satellitenzahl oder ein eigener Zeitplan veröffentlicht. Der finnische Sender Yle beschreibt die Absichtserklärung als Schritt zur Prüfung der Zusammenarbeit. ICEYE ist bisher vor allem für Radarsatelliten zur Erdbeobachtung bekannt.

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Kiew widerspricht Trumps Zusicherung

Wie dringend die Ukraine unabhängige Alternativen sucht, zeigen die anhaltenden Probleme mit Starlink. Nach Angaben von Reuters erklärten fünf mit der Angelegenheit vertraute ukrainische Vertreter am Freitag, dass die Einschränkungen weiter bestünden. Sie stören Verbindungen von Drohnen, die schneller als 160 Kilometer pro Stunde fliegen.

„Wir beobachten derzeit keine Aufhebung der Geschwindigkeitsbegrenzungen bei Starlink“, schrieb der ukrainische Präsidentenberater Serhij Beskrestnow zudem auf Telegram. Einzelne Verbindungen funktionierten zwar bei etwas höheren Geschwindigkeiten. Das liege aber wahrscheinlich am SpaceX-Algorithmus oder an besonderen Einsatzbedingungen.

Trump hatte am Donnerstag erklärt, SpaceX-Chef Elon Musk habe den ukrainischen Zugang vollständig wiederhergestellt. Denys Sienik von der ukrainischen Botschaft in Washington widersprach auf X: „Leider hat sich bis heute nichts geändert. Wir warten weiter.“

Drohnenabwehr und Angriffe erschwert

Die seit dem 13. Oktober bestehenden Beschränkungen beeinträchtigen laut Selenskyj die Abwehr russischer Drohnen mit Strahlantrieb. Sie erschweren zudem ukrainische Drohneneinsätze in besetzten Gebieten. Starlink ist für die Kommunikation an der Front, die Luftverteidigung und die Steuerung von Drohnen von zentraler Bedeutung.

Die Probleme fallen in eine Phase wachsender Spannungen zwischen Kiew und Washington. Trump hatte ein Dieselgeschäft mit Russland angekündigt, Sanktionen gelockert und die Ukraine zum Stopp ihrer Angriffe auf russische Raffinerien aufgefordert.

Der Kyiv Independent beschreibt die Störungen als Beispiel für die Risiken dieser Abhängigkeit. Mit der finnischen Kooperation will Kiew langfristig mehr Kontrolle über eine für seine Verteidigung entscheidende Infrastruktur gewinnen.

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