Russlands Aufbau des Satellitennetzes Rassvet, das dem US-Dienst Starlink Konkurrenz machen und die russische Armee mit Breitbandverbindungen versorgen soll, verläuft deutlich langsamer als geplant.
Das US-Fachmagazin Ars Technica hat in einer am Mittwoch veröffentlichten Auswertung die ersten 32 Satelliten des Netzes analysiert. Demnach sind mindestens drei wahrscheinlich ausgefallen. Keiner der Satelliten habe bisher die vorgesehene Umlaufbahn in rund 800 Kilometern Höhe erreicht.
Zu ähnlichen Ergebnissen kommen der US-Thinktank Institute for the Study of War (ISW) und die Fachseite RussianSpaceWeb. Zum Vergleich: Das Raumfahrtunternehmen SpaceX von Elon Musk betreibt derzeit mehr als 10.000 Starlink-Satelliten im Orbit.
Die Satelliten wurden mit zwei Starts am 23. März und am 19. Juli mit Sojus-2.1b-Raketen vom Kosmodrom Plessezk ins All gebracht. Nach den Auswertungen von ISW und RussianSpaceWeb erreichten zwölf Satelliten aus der ersten Charge eine stabile Bahn in etwa 500 Kilometern Höhe. Ein Satellit trat bereits im Juni wieder in die Erdatmosphäre ein, drei weitere zeigen laut den Auswertungen keine oder nur unzureichende Bahnmanöver.
In zu niedriger Umlaufbahn
Deutlich schlechter fällt die Bilanz für die 16 Satelliten des Juli-Starts aus. Nach Angaben des ISW und von RussianSpaceWeb erreichte keiner dieser Satelliten die geplante Höhe von rund 550 Kilometern. Elf begannen zwar mit Bahnanhebungen, kamen aber nicht über 360 Kilometer hinaus.
Zwei weitere hätten nach dem Start keine Bahnmanöver ausgeführt und steuerten auf einen Wiedereintritt zu, berichtet RussianSpaceWeb-Herausgeber Anatoly Zak. In niedrigen Umlaufbahnen bremst die Restatmosphäre die Satelliten stärker ab, was Lebensdauer und Treibstoffreserven verkürzt.
Wichtig für Drohnen und Zielerfassung
Die zwölf funktionierenden Satelliten aus dem ersten Start ermöglichen der russischen Armee laut ISW derzeit zwei Verbindungsfenster von jeweils bis zu 90 Minuten pro Tag über der Ukraine.
Satellitenverbindungen wie Starlink oder Rassvet sind für Streitkräfte auf beiden Seiten der Front von zentraler Bedeutung – etwa für die Steuerung von Drohnen, die Koordinierung von Truppenbewegungen und die Zielerfassung bei präzisen Angriffen.
Nach Einschätzung des ISW könnte Russland die bestehenden Rassvet-Satelliten trotz begrenzter Verbindungsfenster bereits nutzen, um ferngesteuerte Drohnen genauer gegen Ziele in der Ukraine einzusetzen.
Der Bedarf des Militärs war entstanden, nachdem der US-Konzern SpaceX Anfang Februar den Zugriff nicht registrierter Nutzerterminals in der Ukraine auf Starlink gesperrt und damit die russische Nutzung des Dienstes eingeschränkt hatte. In Russland selbst ist der Internetdienst von Starlink verboten, die Nutzung der entsprechenden Geräte kann mit Geldstrafen belegt werden.
Ukrainische Angriffe treffen Raketenproduktion
Der Hersteller Bureau 1440, der zur russischen Iks Holding gehört, plant nach eigenen Angaben Dutzende weitere Starts, um mehrere hundert Satelliten in Betrieb zu nehmen – bis 2035 sollen es 924 sein. Der kommerzielle Betrieb des Netzes soll nach Angaben von Iks-Vorstandschef Alexej Schelobkow im Jahr 2027 starten. Das kündigte er laut Reuters im Juni beim Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg an.
Finanziert wird das Vorhaben nach Angaben der Moscow Times aus dem Staatshaushalt im Rahmen des russischen Regierungsprogramms „Datenwirtschaft“ mit rund 102,8 Milliarden Rubel (umgerechnet 1,26 Milliarden US-Dollar). Bureau 1440 will demnach bis 2030 zusätzlich rund 329 Milliarden Rubel an Eigenmitteln investieren.
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Der Berater der ukrainischen Regierung für Verteidigungstechnologien Serhij Beskrestnow hatte im Mai geschätzt, dass Russland 200 bis 300 Satelliten benötige, um eine durchgehende Abdeckung über der Ukraine zu erreichen. Das ISW verweist darauf, dass Russland mit der benötigten Sojus-2.1b nur eine begrenzte Zahl von Starts pro Jahr durchführt.
Die ukrainische Armee greift zudem die Zulieferstruktur an. Mitte August traf ein Angriff nach ISW-Angaben das Raketenwerk Progress in Samara, das Sojus-Raketen baut. Ein Drohnenangriff auf das Kosmodrom Plessezk am 23. August richtete demnach keinen direkten Schaden an. Solche Angriffe könnten den Ausbau von Rassvet nach Einschätzung des Instituts weiter verzögern.
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