BERLIN. Eine Bombenserie in Bagdad hat am Mittwoch 23 Menschen das Leben gekostet. Auch aus anderen Teilen des Landes werden täglich neue Anschläge und Gefechte gemeldet. Dennoch: Nicht nur die Zahl der Gewaltakte und auch der Opfer geht seit Frühjahr letzten Jahres stetig zurück. Auch die Situation im Land wird besser. So stellte das Welternährungsprogramm der Vereinten Nationen (WFP) jüngst die Ergebnisse einer Untersuchung über die Zahl der Hungernden und von Lebensmittelrationen abhängigen Menschen im Irak vor. Im Vergleich zu 2005 habe sich die Situation "dramatisch verbessert", heißt es dort. Die Ernährungssituation sei nur noch für 930 000 Menschen unsicher - und nicht mehr für vier Millionen Menschen wie noch vor drei Jahren.Reform des VerteilungssystemsDer Hauptgrund für diese Entwicklung sei, dass seit Frühjahr 2007 die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen den Bevölkerungsgruppen zurückgegangen seien und die Zahl der Gewaltakte sich reduziert habe, sagte der WFP-Vertreter für Bagdad, Robin Lodge, der Berliner Zeitung. "Obwohl die Situation keineswegs normal ist: Die Iraker sind zuversichtlicher geworden", erklärt Lodge. "Sie haben wieder Geschäfte eröffnet, Handel angefangen und dadurch Jobs geschaffen." Durch diesen kleinen Wirtschaftsaufschwung sei Geld unter die Bevölkerung gekommen. Die Bauern könnten seither ihre Waren wieder auf den Markt bringen und auch verkaufen. Diese Entwicklung habe sich 2008 fortgesetzt, sagt Lodge, der erst kürzlich in Bagdad war. Das WFP verteilt seine Hilfe über Partner im Irak, wozu einige der wenigen noch im Irak verbliebenen internationalen Hilfsorganisationen gehören sowie irakische Nichtregierungsorganisationen.Ungewiss sei, ob es bei der Zahl von rund einer Million Menschen bleibe, die hungern oder nur unzureichend Zugang zu Nahrung haben, sagt der WFP-Vertreter. Die irakische Regierung plane eine Reform des Public Distribution Systems (PDS), des Verteilungssystems der Nahrungsmittelrationen, das aus der Zeit des Embargos gegen den Irak unter der Herrschaft Saddam Husseins stammt und das Überleben von 6,4 Millionen Irakern sichert. Die Reform sei notwendig, sagt Lodge, nur noch wirklich Bedürftige sollten in den Genuss der Hilfen kommen. "Aber das ist eine hochpolitische, brisante Angelegenheit: Schließlich möchte niemand - egal wie hoch sein Einkommen ist - auf die PDS-Rationen verzichten", sagt der WFP-Vertreter. Da die Ressourcen der Regierung aber begrenzt sind, müsste sie bei gleichbleibender Zahl der Empfänger die Rationen kürzen, was ebenfalls Ärger auslösen würde.Es gibt in der nächsten Zeit weitere Prüfsteine dafür, wie stabil oder wie fragil die Lage im Irak tatsächlich ist. Am 31. Januar sollen Provinzwahlen abgehalten werden. Die USA und der Irak arbeiten an einem Abkommen zur Truppenstationierung, der bislang letzte Entwurf wird von Regierungsmitgliedern sowie einigen politischen Gruppen strikt abgelehnt. Niemand kann zudem sagen, was nach einem Rückzug der Amerikaner passiert. "Das Leben in Bagdad scheint normal, zumindest oberflächlich", sagt Robin Lodge. "Aber man fühlt die Spannungen und spürt die Angst der Iraker, wenn man mit ihnen in Bagdad spricht."------------------------------Christinnen erschossenIn Mossul im Nordirak haben unbekannte Täter am Mittwoch zwei Christinnen erschossen. Zwei Polizisten starben wenig später durch einen von den Attentätern zurückgelassenen Sprengsatz.Als Motiv für die Morde werden Machtkämpfe vor den Regionalwahlen vermu- tet, die am 31. Januar stattfinden sollen.Im Oktober waren Tausende Christen aus der Stadt geflohen, weil radikale Moslems Anschläge gegen Andersgläubige und Angehörige ethnischer Minderheiten verübten.------------------------------Foto : Auf Lebensmittelhilfe angewiesen: eine irakische Christin in einem Flüchtlingslager bei Mossul.
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